Hilfesuchende und Hilfegebende kommen zusammen

Groß geworden

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Auch Bürgermeister Gerhard Bucher gehört zu den Gründungsmitgliedern und freut sich über einen kleinen Blumendank.

Kaufbeuren – „Mei, bisch du groß wora!“ ist oft der spontane Ausruf von Verwandten und Bekannten, die einen Heranwachsenden längere Zeit nicht gesehen haben. Dass er seit seinen bescheidenen Anfängen groß geworden sei, treffe auch auf den Verein Generationenhaus Kaufbeuren e. V. zu, meinte dessen Vorsitzende Angelika Lausser. Kürzlich hielt sie im historischen Rathaussaal beim Festakt zum zehnjährigen Jubiläum Rückschau.

2005 hatte sich Doris Wenzel, damalige Leiterin des Frauenhauses, eigentlich nur eine Anlaufstelle gewünscht für misshandelte Frauen, die nach der Zeit im beschützenden Frauenhaus wieder den Schritt nach draußen wagten. In der Folge erstellten etwa 40 engagierte Bürger bei Workshops und Stammtischentreffen ein Konzept, das nicht nur geschlagenen Frauen, sondern ganz Kaufbeuren zugute kommen sollte – das Generationenhaus war geboren. 

Mit der Gründung dieses Generationenhauses war Kaufbeuren dem Rest der Republik um gut ein Jahr voraus, wie OB Stefan Bosse stolz hervorhob, denn das von der Bundesregierung geförderte „Aktionsprogramm Mehrgenerationenhäuser I“ wurde erst im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Von Beginn an zeichnet der Kaufbeurer Verein verantwortlich für zahllose erfolgreiche Projekte, mit denen das Generationenhaus Alt und Jung, „Hilfesuchende und Hilfegebende“ zusammenbringt. 

Dreh- und Angelpunkt aller Aktionen ist die Ehrenamtlichkeit. Und auch dafür gibt es ein Projekt: die Freiwilligen-Agentur „knotenpunkt“. Die wichtigsten Projekte wurden beim Festakt in kurzen Sketchen vorgestellt: Kliniklotsen, die sonst im Krankenhaus besorgten Angehörigen den richtigen Weg weisen, holten an diesem Abend die Gäste am Rathauseingang ab. 

Für das Projekt „Lesekoffer“, bei dem mittlerweile rund 50 Lesepaten regelmäßig in den Schulen vorlesen oder Lesenachhilfe geben, trug Lesepatin Ursula Geiger eine Geschichte vor. Wolfgang Lausser ließ sich von Schatzmeisterin Dorothea Friedl im Rahmen des Projekts „AHA – Ausfüllhilfe für Anträge“ bei einem fiktiven Rentenantrag helfen. 

Doris Meichelböck, eine über 80-jährige Seniorin, schwelgte bei Kaffee und Kuchen mit Schriftführerin Sabine Höpp in Erinnerungen und stellte dankbar fest, wie sehr sie es genieße, wenigstens beim „Treffpunkt Zeitreise“ dafür Gesprächspartner zu haben. Zwei der 28 Teilnehmer am Freiwilligen sozialen Schuljahr – kurz FSSJ – demonstrierten Uwe Zoller am PC den Umgang mit Facebook. Danach erhielten alle anwesenden Gründungsmitglieder, die Mitglied geblieben sind, von drei FSSJ-Schülerinnen einen kleinen Blumendank überreicht. 

Und Teilnehmer des Projekts „Kochen mit Pfiff“, bei welchem einmal im Monat Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam ein einfaches Dreigängemenü kochen und verspeisen, hatten ein bemerkenswertes Catering geliefert. 

Darüber hinaus hatte der Verein als Schirmherrn den Kaufbeurer Kulturpreisträger Wolfgang Krebs gewinnen können. Dieser gratulierte – natürlich erwartungsgemäß in Gestalt zweier Ministerpräsidenten –, würdigte das Geburtstagskind und wünschte „noch zehn, nein zwanzig, ach meinetwegen dreißig weitere Jahre“. Zum Gaudium des Publikums verulkte er als Schorsch Eberl auch schnell ein wenig die Lokalpolitik. 

Das letzte Highlight des unterhaltsamen Abends war, bevor die Gäste den Heimweg antreten durften, eine furiose Feuershow von Artistica Anam Cara vor dem Rathausportal.

von Ingrid Zasche

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