Hochwasserschutz geht in die Endphase

+
Das Hochwasserbecken „Indianer“ bei Bidingen war 2013 gerade fertig geworden, als ein Starkregenereignis das Rückhaltebecken füllte. Die Ehrengäste konnten bei der Einweihung die Wirkung des Rückhaltebeckens mit eigenen Augen beobachten.

Buchloe – Kämmerer Dieter Streit war in seinem Element. Er präsentierte Zahlen ohne Ende. Seine Zuhörer waren die Bürgermeister und der Verwaltungschef der im „Zweckverband Hochwasserschutz Gennach–Hühnerbach“ zusammengeschlossenen Gemeinden. Auf der Tagesordnung standen die Haushaltssatzung 2016 samt Finanzplan und Investitionsprogramm sowie der Beschluss über die Jahresrechnungen von 2014 und 2015.

„Jeder Euro in den Hochwasserschutz ist sinnvoll investiert“, betonte Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger als Vorsitzender des Zweckverbandes. Wenn er heute Unwetterwarnungen höre, sei er nach Abschluss der meisten Hochwasserschutzmaßnahmen relativ beruhigt, sagte Schweinberger. Das heiße aber nicht, dass bei Starkregen nicht doch irgendwelche Keller volllaufen könnten. Die Maßnahmen des Zweckverbandes beträfen die Überschwemmungen aus Flüssen und Gewässern. Gegen Starkregenereignisse müsse aber jeder Hausbesitzer selbst Vorsorge treffen. 

Von einem zwar nur kurzfristig aber dafür „brutal sprunghaft gestiegenen Pegel“ berichteten einige Bürgermeister von Gemeinden an Gennach und Hühnerbach bei dem letzten Starkregenereignis vor einer Woche. Es war das Wochenende, an dem die deutsche Fußball-Nationalmannschaft in Augsburg gegen die Slowakei mehr Wasserball als Fußball spielte. Solche Starkregenereignisse werden häufiger werden, sagte Bertram Mooser, der mit seinem Ingenieurbüro das Gesamtprojekt des Hochwasserschutzes an Gennach und Hühnerbach ausgearbeitet und umgesetzt hat. 

Bertram Mooser konnte dem Gremium eine eindrucksvolle Zwischenbilanz vorstellen. Die meisten der Projekte seien inzwischen abgeschlossen, betonte der Fachmann. Zu den Großprojekten, die noch ausstehen, gehört der Bau des Hochwasserbeckens Eurishofen nahe Jengen sowie der Gerinneausbau in Westendorf. 

Die Grunderwerbsverhandlungen für Eurishofen befänden sich in der Abschlussphase, sagte Mooser. Dementsprechend würde auf der Grundlage der Ergebnisse die Entwurfsplanung weiter erarbeitet. Für Herbst 2016 sei die Einreichung des Wasserrechtsantrages und des Förderantrages vorgesehen. Aus heutiger Sicht, so Bertram Mooser, könnte mit dem Bau im Herbst 2017 begonnen werden. Mit der Fertigstellung wäre dann im Frühjahr 2019 zu rechnen. Die Herstellkosten des Projektes sind mit 2,4 Millionen Euro beziffert, die Gesamtkosten werden sich auf 3,2 Millionen Euro belaufen. 

Für den Gerinneausbau in Westendorf werde derzeit die Entwurfsplanung erstellt, nachdem die Variantendiskussion im Ort abgeschlossen sei, bilanzierte Mooser. Diverse Gespräche mit der Regierung von Schwaben, dem Wasserwirtschaftsamt und dem Straßenbau wegen der Förderverfahren zur geplanten Gennachbrücke stehen gegenwärtig in den Terminkalendern. Ähnlich wie für Eurishofen soll die Einreichung des Wasserrechtsantrages und des Förderantrages im Herbst 2016 erfolgen, ist aber noch mit einem Fragezeichen versehen. Die Einreichung der Unterlagen ist nämlich abhängig von den Vorgaben für die Staatsstraßenbrücke. Baubeginn soll im Sommer 2017 sein, mit der Fertigstellung rechnet Bertram Mooser dann im Spätherbst 2018. Die Herstellkosten bezifferte der Kaufbeurer Ingenieur auf rund 2,5 Millionen Euro. 

Für viele der Hochwasserrückhaltebecken sind inzwischen auch vorläufige oder endgültige Betriebsvorschriften erstellt worden, sagte Mooser. Teilweise seien noch „Feinjustierungen“ nötig. Er erinnerte die Bürgermeister daran, dass die in den Planfeststellungsbeschlüssen festgelegten naturschutzfachlichen Maßnahmen unbedingt eingehalten werden müssten. Mooser verwies auf das „engmaschige Monitoring“ der Naturschutzbehörden. „Sie fahren wirklich raus und kontrollieren vor Ort“, sagte Bertram Mooser, beispielsweise ob die Mähzeiten eingehalten werden. 

Der 2008 gegründete Zweckverband umfasst die Gemeinden und Kommunen Buchloe, Bidingen, Hiltenfingen, Jengen, Markt Kaltental, Lamerdingen, Langerringen, Oberostendorf, Osterzell, Stöttwang und Westendorf. Die Überflutungen in den Jahren 1999 und 2001 entlang von Gennach und Hühnerbach hatten zur Gründung des Zweckverbandes geführt. Ziel sollte ein wirksamer Hochwasserschutz sein. Das Ingenieurbüro Mooser aus Kaufbeuren erhielt den Auftrag, ein fundiertes Hochwasserschutzkonzept auszuarbeiten. Für die Hochwasserschutzmaßnahme in Gutenberg ist das Ingenieurbüro A & B GmbH & Co KG aus Börwang beauftragt worden.

von Siegfried Spörer

Meistgelesene Artikel

66 km/h zu schnell

Germaringen - Am Dienstag ist in der Zeit von 17 bis 22.30 Uhr auf der B 12 Höhe Germaringen in Fahrtrichtung München die Geschwindigkeit überwacht …
66 km/h zu schnell

Kein gemeinsamer Nenner

Kaufbeuren – Der Athletik Club Kaufbeuren e.V. (ACK) und die Stadt Kaufbeuren kommen momentan nicht überein, wenn es um eine künftige Bleibe für den …
Kein gemeinsamer Nenner

"Wir sind die Coolsten"

Stefanie Kloß (*1984) gründete 1998 ihre erste Band, aus der einige Jahre später SILBERMOND hervorging. Seit mehr als 12 Jahren rockt sie gemeinsam …
"Wir sind die Coolsten"

Kommentare