Mehrere hunderttausend Euro Schaden

Vermutlich vorsätzliche Brandstiftung

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Meterhohe Flammen schlagen aus dem IN-Haus in Neugablonz. Insgesamt 46 Feuerwehrkräfte bekämpfen den Brand in den frühen Morgenstunden.

Kaufbeuren – Meterhoch sind die Flammen am frühen Sonntagmorgen aus dem Dachstuhl eines Gebäudes in Neugablonz geschlagen. 46 Einsatzkräfte der Feuerwehr waren im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Ein Übergreifen der Flammen auf das Ober- und Erdgeschoss konnte verhindert werden. Der Schaden geht in die hunderttausende Euro.

Das Brisante ist jedoch, dass es sich bei dem Haus in der Wiesenthaler Straße um ein Gebäude handelt, dass aktuell von der Stadt für die Unterbringung von Flüchtlingen umgebaut wird. Die Polizei ging bis Redaktionsschluss (Montagmittag) „stark“ von Brandstiftung aus. 

Am Sonntagmorgen um 4.15 Uhr ging bei Polizei und Feuerwehr die Brandmeldung im IN-Haus in der Wiesenthaler Straße ein. Als die 46 Kräfte der Feuerwehr Kaufbeuren am Brandort eintrafen, stand der Dachstuhl bereits in hellen Flammen. Gegen 6 Uhr war das Feuer unter Kontrolle gebracht und gelöscht, ein Übergreifen der Flammen auf das Ober- und Erdgeschoss konnte verhindert werden. Laut Augenzeugenberichten ist der gesamte Dachstuhl ausgebrannt, der Sachschaden beträgt wohl mehrere hunderttausend Euro. Da das Haus derzeit als Flüchtlingsunterkunft umgebaut wird und leer steht, sind keine Verletzten zu beklagen. 

Aktuell geht die Polizei „stark“ von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Eine Ermittlungsgruppe der Kaufbeurer Kripo soll das klären. Ein endgültiges Ergebnis lag bis Redaktionsschluss (Montagmittag) noch nicht vor. „Wir warten auf die Spurenauswertung des Brandsachverständigen“, so eine Sprecherin der Polizei gegenüber unserer Zeitung. 

In diesem Zusammenhang sucht die Kriminalpolizei Kaufbeuren Zeugen, die vor, während oder nach dem Brand verdächtige Beobachtungen gemacht haben oder sonstige Hinweise zu dem Brandfall geben können. Hinweise nimmt die Polizei Kaufbeuren unter Telefon 08341/933-0 entgegen. 

Imageschaden für die Stadt? 

Mit großer Sorge reagierte auch die Stadt Kaufbeuren auf den Brand der geplanten Flüchtlingsunterkunft. Das städtische Gebäude in der Wiesenthaler Straße war in der Vergangenheit von der Initiative Neugablonz als Vereins- und Stadtteiltreff genutzt worden. Nachdem sich die Initiative Neugablonz 2015 aufgelöst hatte, plante die Stadt das Gebäude als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. 

Wie berichtet, hatten Anwohner gegen dieses Vorhaben Unterschriften gesammelt. „Mit der Zusage der Stadt, das Gebäude ausschließlich mit Familien zu belegen trat zumindest nach außen eine Beruhigung ein“, erklärte Oberbürgermeister Stefan Bosse in einer Presseerklärung am Sonntag. 

Der Stadtrat beschloss das Vorhaben schließlich mit großer Mehrheit im Verwaltungsausschuss in öffentlicher Sitzung und stellte die Mittel für den Umbau bereit. In den vergangenen Wochen wurden die Arbeiten für rund 300.000 Euro durchgeführt, im Frühjahr sollte das Haus mit Familien belegt werden, so Bosse. 

Bosse selbst sieht den Brand mit „großer Sorge“. Die Stadt müsse derzeit davon ausgehen dass auch 2016 wieder rund 600 Flüchtlinge in Kaufbeuren unterzubringen sind. Dafür brauche die Stadt auch das jetzt weitgehend zerstörte Haus, so der Rathauschef. Bosse hofft, dass sich die Befürchtungen der Polizei, eine Brandstiftung sei wahrscheinlich, nicht bestätigen. „Eine Brandstiftung wäre ein schreckliches Fanal für das friedliche Zusammenleben in unserer Stadt.“ Kaufbeuren stehe bislang für Offenheit, Toleranz und gelingende Integration. Das dürfe sich auch in Zukunft nicht ändern, so Bosse. 

Ungeachtet der weiteren Entwicklung werde die Stadt an ihren Plänen festhalten und versuchen, das Gebäude wieder instand zu setzen, erklärte Bosse auf Anfrage des Kreisboten. „Sollte sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigen, wäre das für Kaufbeuren eine schlimme Nachricht. Von einem Imageschaden will ich hier nicht sprechen, aber allein die Tatsache in einer Reihe mit Orten genannt zu werden, in denen es Brandanschläge gegeben hat, ist bedrücken.“ 

Kaufbeurens Oberbürgermeister Stefan Bosse ist überzeugt, „dass Kaufbeuren weiter zeigen wird, dass wir für Toleranz, Weltoffenheit und gelingende Integration stehen.“

von Kai Lorenz

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