Neun Jahre Haft für den Haupttäter

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Am Landgericht Kempten wurden die drei Angeklagten am Donnerstag zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Kaufbeuren – Neun Jahre Haft für den Haupttäter: Mit diesem Urteilsspruch des Landgerichtes Kempten hat am Donnerstag der Mordprozess gegen drei Kaufbeurer (wir berichteten) seinen Abschluss gefunden. Zu jeweils sechseinhalb beziehungsweise fünf Jahren und neun Monate wurden die beiden anderen Angeklagten verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie dem 19-Jährigen, der seinen 22-jährigen damaligen Mitbewohner mit 16 Messerstichen getötet hat, zumindest „psychische Beihilfe“ geleistet haben – so drückte es der vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung aus.

Dass der 19-jährige Angeklagte die Tat begangen habe, sei „relativ schnell klar gewesen“, erklärte der Richter. Dieser hatte zwar selbst zu den Vorwürfen geschwiegen, war aber durch die Aussagen seiner Mitangeklagten zum Ablauf der Geschehnisse am Mordtag des 4. Juli 2015 von Anfang an in den Fokus gerückt. Erdrückende Indizien waren zudem erhebliche Blutspuren des 19-Jährigen auf dem Bettlaken, auf dem das Opfer starb, sowie eine Schnittverletzung an der Hand des Täters. 

Strittig gewesen war die Frage, ob es sich um Totschlag oder Mord gehandelt habe, weil der 19-Jährige zum Zeitpunkt der Tat wohl unter erheblichem Drogeneinfluss stand. Zudem war während des Prozesses deutlich geworden, dass es immer wieder zu Streitigkeiten zwischen dem späteren Opfer und seinen Mitbewohnern kam, nicht zuletzt wegen der bereits erwähnten Schulden aus Drogengeschäften. Wie berichtet, hatte es deshalb und wegen der wiederholten Aggressionen des 22-Jährigen gegen seine Mitbewohner vor der Tat Gespräche darüber gegeben, wie man sich aus der, so das Gericht, „als untragbar empfundenen Situation“ befreien könnte. Das spätere Opfer hatte immer wieder mit Erpressungen und anderen kleinkriminellen Delikten von sich reden gemacht und „Machtphantasien“ von einer Karriere als „­Dealer-Boss“ entwickelt, wie auch mehrere Zeugen im Prozess aussagten.

Dass die Tötung einem spontanen Gewaltausbruch unter dem Einfluss der in der WG über einen längeren Zeitraum exzessiv konsumierten Betäubungsmittel entsprang, wollte das Gericht zwar nicht ausschließen. Am Ende müsse man aber davon ausgehen, dass weder der Drogeneinfluss des Täters noch der psychische Druck durch einen erneuten Streit kurz vor der Tat einem geplanten Mord entgegenstünden. Argumente hierfür waren einmal die Vorgespräche, die zwar wohl in keinen festen Plan mündeten, wohl aber einen gewissen Vorsatz oder zumindest die Bereitschaft zum Mord im Kopf des Täters ausgelöst hatten. Zudem zeige die Kraft und Vehemenz, mit der die Messerhiebe laut Gerichtsmedizin ausgeführt werden, für einen „unbedingten Tötungswillen“, außerdem habe das spätere Opfer wohl nicht mit einem Angriff „von hinten“ gerechnet, was den Tatbestand der „Heimtücke“ erfülle – auch dies eine der Voraussetzung für eine Verurteilung wegen Mordes. Trotz des Drogeneinflusses habe der Täter die „Gelegenheit zur Tat erkannt und diese auch bewusst ausgeführt – auch wenn die Hemmschwelle und der Steuerungswille sicher vermindert waren“, so das Gericht weiter.

Nicht folgen wollte das Gericht dem Antrag der Verteidigung, für die beiden anderen 19- und 21-jährigen Angeklagten einen Freispruch zu erwirken. Sie hätten dem Täter im Rahmen der Vorgespräche, wie man sich des Opfers entledigen könne, zumindest psychische Beihilfe geleistet. Dafür sprach auch, dass die beiden bereitwillig dabei geholfen hatten, die Leiche nach der Tat zuerst in der Badewanne der gemeinsamen Wohnung anzuzünden und dann – als dies misslang – in der Wertach abzulegen. Auch bei der späteren Beschaffung eines Alibis sei nach den Erkenntnissen des Gerichts von „großer Emotionalität oder gar einem Schock über die Tat“ nichts bekannt. 

Die drei Täter hatten die Leiche nach der Tat zuerst unter dem Bett versteckt und während der Zeit bis zur eigentlichen Beseitigung Drogen konsumiert und sich mit einem Computerspiel beschäftigt – die Verteidigung hatte dies als Zeichen der „totalen Überforderung mit der Situation“ angesehen. Später hatte sich zumindest einer der beiden Mordbeteiligten in Gesprächen mit Ermittlern und Gutachtern selbst schwer belastet. Die Staatsanwaltschaft hatte wegen „Mittäterschaft“ eine höhere Strafe als die sechseinhalb beziehungsweise fünf Jahre neun Monate für die beiden Mitangeklagten gefordert.

Bei allen drei Verurteilungen ordnete das Gericht die zeitweilige Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, es besteht noch die Möglichkeit zur Revision.

Aus dem Gericht berichtet Michaela Frisch

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