Gespräch zwischen Hegedüs und Stadtrat "nicht zufriedenstellend"

Die Fronten sind verhärtet 

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In letzter Zeit gibt es viele Spekulationen darüber, was mit der Sparkasse in Marktoberdorf geschehen würde.

Marktoberdorf – Wie steht es wirklich um die Sparkasse in Marktoberdorf? Ein Informationsgespräch zwischen dem Vorstandsvorsitzendem der Sparkasse Allgäu, Manfred Hegedüs, und dem Marktoberdorfer Stadtrat sollte die Sachlage um den Verbleib der Sparkassen-Geschäftsstelle in der Georg-Fischer-Straße klären, um die sich in den vergangenen Tagen zunehmend Spekulationen und Gerüchte in der Bevölkerung gerankt hatten.

Immer mehr Marktoberdorfer Bürger stellen sich in den letzten Wochen die Frage, inwieweit die Sparkassen-Geschäftsstelle in der Georg-Fischer-Straße in Marktoberdorf auch in Zukunft Bestand haben wird. Auslöser für die Spekulationen um den Verbleib der Filiale waren mehrere Berichterstattungen der örtlichen Presse nach Veröffentlichung der Informationen über den geplanten Abriss und Neubau der Hauptgeschäftsstelle in Kempten, in dessen Zuge laut Manfred Hegedüs, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Allgäu, „eine dauerhafte Verlagerung von 54 Arbeitsplätzen von Kempten nach Sonthofen vorgesehen“ sei. Der „Leerstand im Sparkassengebäude Marktoberdorf, während in Kempten investiert wird und Personal nach Sonthofen verlagert wird“ sei für viele Bürger Anlass zur Sorge, erläuterte Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell die derzeitige Situation in der Bevölkerung. Durch einen Briefwechsel, der zwischen Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell und Manfred Hegedüs im Vorfeld stattgefunden hatte „konnten die Differenzen“, so Hell, „nicht behoben werden“. Ein Informationsgespräch mit Manfred Hegedüs von der Sparkasse Allgäu sollte nun Klarheit über die Zukunft der Sparkasse in Marktoberdorf schaffen. 

Wir sehen uns hinsichtlich Ihrer Geschäftspolitik im Nachteil.“ (Dr. Hell) 

Seit der Fusion der Sparkasse Ostallgäu und der Sparkassen Kempten und Sonthofen-Immenstadt zur Sparkasse Allgäu im Jahr 2001 sei laut Hell ein „Abbau der Mitarbeiter“ zu beobachten, der nicht nur zu wirtschaftlichen Einbußen für Einzelhandel und Gastronomie geführt habe, sondern auch „erhebliche Leerstände“ im Gebäude der Sparkassen-Geschäftsstelle in der Georg-Fischer-Straße in Marktoberdorf zur Folge hatte. Ausgerechnet am Samstag vor dem angesetzten Gesprächstermin erfuhr die Stadt Marktoberdorf aus Medienberichten, dass die leerstehenden Flächen der Sparkasse nun vermietet werden sollen. Angesichts der prekären Raum- situation in Kempten, die durch den geplanten Neubau der Hauptzentale mit Baubeginn im Frühjahr 2015 das Anmieten von Ausweichquartieren und die Auslagerung von 54 Mitarbeitern nach Sonthofen erforderlich macht, eine für den Stadtrat nicht nachvollziehbare Vorgehensweise der Sparkasse. Hegedüs versicherte, dass mehrere Möglichkeiten der Flächennutzung durch die Sparkasse geprüft worden seien – jedoch ohne Erfolg. Als Hauptgrund nannte Hegedüs zu geringe Kapazitäten: „Die Räume in Marktoberdorf könnten maximal 15 Mitarbeiter aufnehmen. Es gibt nur zwei Bereiche, die 15 Mitarbeiter unterschreiten“. Diese seien für eine Verlagerung von Kempten nach Marktoberdorf nicht geeignet. Auch die Verlagerung des Geldbearbeitungszentrums sei „aus Sicherheitsgründen“ nicht möglich und die hierzu nötigen Umbaumaßnahmen wirtschaftlich nicht rentabel. Größere Abteilungen wolle man aus führungstechnischen Gründen nicht „auseinanderreißen“, nur um einen Teil der Mitarbeiter in Marktoberdorf unterbringen zu können. Für die Sparkasse sei daher eine weitere Nutzung der derzeit leerstehenden Sparkassenräume in der Georg-Fischer-Straße ausgeschlossen. 

Es sind Gerüchte entstanden.“ (Hegedüs) 

Mit Aussagen wie: man müsse sich um den Verbleib der Sparkasse Marktoberdorf „Sorgen machen“, sei laut Hegedüs in der Berichterstattung jedoch ein „falsches Bild“ gezeichnet worden. Die Personalreduzierung in Marktoberdorf sei vor allem mit der Fusion im Jahr 2001 einhergegangen, als beschlossen wurde, den internen Bereich in der Hauptstelle in Kempten zu zentralisieren. Die Mitarbeiter des Kundenbereichs seien davon jedoch nicht betroffen gewesen; lediglich die Abteilung Zahlungsverkehr. Der Personalabbau in den darauffolgenden Jahren sei vor allem der Effizienzsteigerung und dem veränderten Kundenverhalten (Stichwort „Digitalisierung“) geschuldet gewesen. Jedoch sei dies kein Problem, das speziell Marktoberdorf betrifft. Man wolle Marktoberdorf oder das Ostallgäu „nicht abhängen. Wir sind überall im Landkreis nicht mehr so präsent“. Es gäbe „keine Pläne“ der Sparkasse, „sich aus Marktoberdorf zurückzuziehen“, so Hegedüs weiter. Dennoch könne der Vorsitzende des Vorstandes „keine Arbeitsplatzgarantie“ geben. Genau diese Aussage sah Stadträtin Dr. Andrea Weinhart (FW) kritisch: „Die positive Zukunftspläne betreffen nur Filialbereich, aber nicht den internen Bereich.“ 

Wer etwas möchte, findet Lösungen, wer etwas nicht möchte, findet Argumente.“ (Vavra) 

Viele Gründe seien laut Stadtrat Christian Vavra (Grüne) von Hegedüs vorgetragen worden, um das Vorgehen der Sparkasse zu rechtfertigen; Lösungen seien hingegen keine genannt worden. Der einhelligen Meinung des Stadtrates schloss sich auch Hell an: „Wir haben viel gesprochen, es sind viele Fragen offen. Die Antwort, dass die Filiale erhalten bleibt, ist nicht zufriedenstellend“, lautete das Fazit des Bürgermeisters über das Gespräch mit Hegedüs. Hegedüs wollte den Gesprächsverlauf indessen zunächst nicht bewerten. Hell schlug eine Bedenkzeit für beide Seiten vor. In einem offenen Brief will der Marktoberdorfer Stadtrat dann eine Stellungnahme zu dem Gespräch abgeben. von Sabrina Hartmann

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