Ein Hauch Gefahr liegt in der Luft

Rost, Schweiß und Tränen

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In den Hirsch brachten die „Goddamn Gallows” eine exzessive Mischung aus Punk, Americana und Hardcore.

Buchloe – Zum ersten Mal auf Tour in Europa, waren die Underground-Helden „The Goddamn Gallows“ am vorigen Donnerstag auch im Allgäu zu Gast. Vor begeisterten Zuschauern brachte die Band den Hirsch in Lindenberg zum Kochen.

Eins ist sicher: Den „Goddamn Gallows“ eilt ein gewaltiger Ruf voraus – Alles könne passieren, so sagt man, bei einer Show dieser Band. Ob da nun todesmutigen Anhängern Zähne gezogen werden oder die Bühne in ein Feuerspektakel verwandelt wird, ein Hauch Gefahr liegt stets in der Luft bei Auftritten der Galgenvögel aus dem sogenannten „Rust Belt“ der Vereinigten Staaten. 

Dieser umgangssprachliche Rostgürtel ist die schwer gebeutelte Industrieregion der USA, die seit den 1970er Jahren schwer zu kämpfen hat, und diesen Rost und das Blei und die Schwere trugen die „Goddamn Gallows” in ihren Songs nun zum ersten Mal nach Europa und am vorigen Donnerstag in den Hirsch in Lindenberg. Warum man hierzulande so lange auf die „Goddamn Gallows“ hat warten müssen? Juristische Probleme, heißt es. Die waren nun beigelegt, doch schon nach den ersten Takten war eines klar: An diesem Abend würden keine Gefangenen gemacht werden. 

Zwar blieben Benzin und Feuerreifen zu Hause, doch gegen das explosive Gemisch aus Punk, Americana und Hardcore war auch so kein Kraut gewachsen. Nach wenigen Minuten verwandelte sich die altehrwürdige Underground-Bastion vor den Toren Buchloes in eine schwitzige, exzessive Party. Da hämmerte Joe Perezze im „Clawhammer“-Stil auf sein Banjo ein als wäre ein Punk den Appalachen entstiegen während Baby Genius das Drumset kurzzeitig in die Funktionsuntüchtigkeit prügelte. Da bellte Mikey Classic Parolen gen Publikum wie „Load Yer Guns“ und „Pass Me The Bottle“, während Fishguttzzz unermüdlich seinen Kontrabass bearbeitete als würde er mit einem ausgewachsenem Bären ringen. 

Und zwischen all dem ohnehin schon munteren Treiben auf der Bühne sprang TV’s Avery entweder mit Waschbrett oder Akkordion bewaffnet wie ein irrer Derwisch zwischen Publikum und Bandkollegen hin und her. Wahlweise gab er den armen Teufel oder den wilden Piraten, wie auch die ganze Performance der Band einer Zirkus-, oder besser noch, einer Freakshow glich: Diese Männer sangen nicht nur vom Anderssein; was bei den circa 60 Gästen so gut ankam war die Authentizität, mit der die Band ihre Songs beheizte. Echte Menschen mit bewegten Leben eben. 

Als dann nach zwei Zugaben die Show zu Ende war, kamen einem Gesichter entgegen, die gleichermaßen verstört und glücklich waren: Sowas hatte man lange nicht gesehen, und Typen wie diesen wird man im beschaulichen Allgäu wohl auch für eine Weile nicht mehr begegnen. Wie gut, dass es Abende wie diesen gibt.

von Philip Bradatsch

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