Serie: Burgen im Ostallgäu Burgenführer

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Das Hohe Schloss zu Füssen, für Götz Finger eines der schönsten Beispiele spätgotischer Profanarchitektur.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wur- de von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor.

Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Oberhalb der malerischen Altstadt von Füssen liegt das „Hohe Schloss“. Im Norden befindet sich darunter die Hauptgeschäftsstraße, die Reichenstraße und im Süden grenzt an das Burgareal das barocke Kloster St. Mang. „Das Hohe Schloss gehört meiner Ansicht nach zu einer der schönsten Burgen und ist mit seiner gotischen Illusionsmalerei ein Kleinod spätmittelalterlicher Profanarchitektur”, so Götz Finger. 

Die Geschichte des Burgberges geht laut dem Burgenführer zurück bis in die römische Zeit. 1955 wurde dort das spätrömische Militärlager Foetibus archäologisch nachgewiesen, wel- ches dort zwischen 300 bis 330 nach Christus stand. 

• Im Mittelalter wurde der Burghügel, auf dem noch die Ruinen des römischen Kastells standen, durch turmlose Mauern in die Stadtbefestigung mit einbezogen, die zwischen 1274 und 1286 entstand. „Der bayerische Herzog Ludwig der Strenge von Bayern versuchte den Tod des Königs Rudolf von Habsburg auszunutzen und sich durch diesen Burgbau die Stadt Füssen unter den Nagel zu reißen“ erzählt Finger. Der eigentliche Eigentümer, das Kloster St. Mang, vertreten durch den Bischof von Augsburg erreichte durch Intervention, dass der Wittelsbacher seine Burg aufgeben musste. Zu dieser Zeit waren nur die Fundamente eines fünfeckigen Wohnturms (heute Storchenturm) und eines Viereckturmes (heute Gefängnisturm) fertig. 

• 1322 erwarb dann der Stadtherr, der Bischof Friedrich I. von Augsburg den Burgberg, vollendete die Burganlage, indem alle Baulichkeiten aufgestockt und der Nord- und Südflügel errichtet wurden. Zwischen 1486 und 1503 erhielt die Burg dann ihr heutiges Aussehen, indem Bischof Friedrich von Hohenzollern den Nordflügel zu einem herrschaftlichen Residenzblock und der Südflügel zum Verwaltungstrakt ausbaute. 

• Durch die Verbindung des Süd- und Nordflügels durch einen Westflügel, wo auch der Gefängnisturm imposant mit einbezogen wurde, wurde eine groß- zügige Dreiflügelanlage errichtet. Zudem wurden alle Türme erhöht und in dem Südflügel wurde die Veitskapelle eingebaut. „Das wichtigste an diesem Umbau waren jedoch die gotischen Illusionsmalereien, die noch heute die drei Flügel sowie den Torturm mit gemalten Eckquaderungen, Filialen und Prunkerkern zu einem einzigartigen Erlebnis machen“ so der Burgenführer. Neben der künstlerischen Vollendung der Burg wurden auch die Wehranlagen der Burg verstärkt. So wurde im Süden ein Zwinger hinzugefügt, so dass man zur Burg hinauf mittlerweile durch drei Torbereiche hindurch muss. Im Westen wurde der Gefängnisturm zu einem halbrunden Geschützturm ausgebaut, sowie davor der Berg mit einen massiven Halsgraben durchschnitten. 

• Am 9. April 1525 wurde das Schloss vom Hause Österreich besetzt und gegen den Bauernobristen Walter Bach gehalten. Am 25. Juli zog der Hauptmann des Schwäbischen Bundes, Jörg Truchsess von Waldburg in Füssen ein, weiß Götz Finger. 

• 1546 wurde das Schloss von dem Hauptmann des Schmalkaldischen Bundes, Sebastian Schertlin von Burtenbach eingenommen und ausgeplündert. Dieser Hauptmann erlitt im gleichen Jahr eine vernichtende Niederlage bei der Veste Ehrenberg, was jedes Jahr in der „Ehrenberg Zeitreise“ nachgestellt wird. 

• Auch im 30-jährigen Krieg stand die Burg im Fokus der verschiedenen Parteien. Bis 1646 wurden die Stadt und das Hohe Schloss Füssens dann abwechselnd von kaiserlichen und schwedischen Truppen eingenommen. Am 17. Juli wurde der schwedische General Wrangel endgültig mit seinen Truppen von kaiserlichen Einheiten aus der Stadt und dem Allgäu gefegt.

• 1703/04, während des Spanischen Erbfolgekrieges, wurde das Schloß und die Stadt Füssen von kaiserlichen Truppen besetzt, die jedoch dann von den französischen und kurbayerischen Truppen vertrieben wurden, und 1741/45, während des österreichischen Erbfolgekrieges, von französischen und kurbayerischen Truppen. 1796 besetzten österreichische Truppen die Burg, die 1799/1800 zum Zentrallazarett der „k+k“-Armee erkoren wurde. Anschließend wurde während der Säkularisation das Fürstbistum Augsburg sowie das Hochstift Füssen aufgehoben und dem neuen Königreich Bayern zugesprochen. 

• Heute befindet sich in dem Nordflügel ein Teil der bayerischen Gemäldesammlung und ist somit auch der Öffentlichkeit zugänglich. Im Südflügel ist heute das Finanzamt untergebracht. 

Ein Rat vom Burgenführer: „Ein Besuch dieser Burg lohnt besonders im August, wenn es im westlich gelegenen Baumgarten ein großes mittelalterliches Lager gibt”.

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