Serie: Burgen im Ostallgäu

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Die große Grube der einstigen Märzenburg.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor. Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis.

An der Straße von Kaufbeuren nach Biessenhofen erhebt sich ein langer Hügelzug. An der Spitze dieser Anhöhe, in der Nähe der ehemaligen Pudelwirtschaft und einem ehemaligen Bahnwärterhaus, befindet sich die vordere Märzenburg. Der Burgstall Märzenburg besteht aus einem großen Hügel, auf dem sich auch der Gedenkstein befindet, einer großen und einer kleinen Grube. Der große Hügel ist vermutlich der ehemalige Schutzwall, der den Bergsporn nach Süden hin abgrenzte, so Finger.

Da vor dem Wall kein Graben erkennbar ist, stammt das Material für den Hügel offenbar aus der großen Grube. Dieses große Loch könnte der Rest eines ehemaligen Grubenhauses sein, in dem die Bewohner damals hausten. Bei der kleineren Grube könnte es sich um ein Raubgräberloch handeln, vermutet Finger. Zeitlich ist die vordere Märzenburg in die Bronzezeit einzuordnen. Denn auf ihr sind Keramiken aus dieser Periode gefunden worden. Hierzu könnte auch die Sage passen, die von dieser Anlage erzählt wird.

Laut Dr. Karl Aug. Reiser („Sagen, Gebräuche und Sprichwörter des Allgäus“, S. 89-96) stand hier einst ein reiches Schloss, das durch Gottes Strafe im Erdboden versunken ist. Interessanterweise gibt es von der Siedlung Bernsdorf, welches zur Gemeinde Kranzberg (Oberbayern) gehört, auch eine Sage von einer reichen versunkenen Stadt. Dieses ist umfangreich archäologisch erforscht worden und es wurde nachgewiesen, dass es sich um eine große bronzezeitliche Siedlung handelt. Die Sage berichtet weiter von drei Schwestern, eine weiße und zwei schwarze, die auf der Burg gelebt haben sollen. Zwei der Schwestern sollen die dritte, die schlecht sehen konnte, bei der Aufteilung ihres Vermögens betrogen haben. Aufgrund dieser Tat ist dann das Schloss versunken.

Das große Loch soll ein Überbleibsel dieses Schlosses sein. Da eine der schwarzen Schwestern die Anstifterin dieser Tat gewesen sein soll, soll diese als schwarzer Pudel auf der Märzenburg und in deren Umgebung spuken und die Reichtümer bewachen. Dieser Pudel geisterte bis zur „Pudelwirtschaft“, woher diese ihren Namen hat. Die weiße Schwester, die bei dem Betrug nur mitgeholfen hatte, geistert ebenfalls auf der Burg umher und wartet darauf, erlöst zu werden. Dieses schafft man laut Sage nur, wenn man die weiße Schwester nach Kaufbeuren auf den Taufstein der Martinskirche trägt, erzählt der Burgenführer.

Die Märzenburg war aber wohl ein Ort, der auf der bronzezeitlichen Bernsteinstraße gelegen hat. Daher auch der Hinweis auf das reiche Schloss. Dieses könnte jedoch nur durch eine umfangreiche archäologische Grabung bewiesen oder widerlegt werden.

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