Für potenzielles Hochwasser gerüstet

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Gutenberg soll nun durch die Schutzmaßnahmen vor einem hundertjährigen Hochwasser geschützt sein. Die „unscheinbare“ Anlage wurde eingeweiht. Mit dabei waren MdL Angelika Schorer (v. li.), Professor Dr. Martin Grabow vom bayerischen Umweltministerium, Josef Schweinberger als Vorsitzender des Zweckverbandes Hochwasserschutz an Gennach und Hühnerbach und Oberostendorfs Bürgermeister Helmut Holzheu.

Gutenberg/Oberostendorf – Die Hochwasserschutzmaßnahmen in Gutenberg sind abgeschlossen. In einer Feierstunde wurde das Sperrbauwerk quasi offiziell in Betrieb genommen. Der Ort mit seinen 360 Bewohnern soll damit vor einem sogenannten Jahrhunderthochwasser geschützt sein.

Der Hochwasserschutz an Gennach und Hühnerbach gehört zu einem Gesamtpaket von Schutzmaßnahmen, die vom „Zweckverband Hochwasserschutz Gennach – Hühnerbach“ realisiert worden sind.

Insgesamt wurden bisher neun große Rückhaltebecken fertiggestellt. Nach dem großen Pfingsthochwasser im Jahr 1999 hatten sich im Jahr 2007 insgesamt elf Kommunen zu dem Zweckverband zusammengeschlossen und die Planungen auf den Weg gebracht. Die ersten Baumaßnahmen wurden damals unmittelbar nach der Gründung des Zweckverbandes durchgeführt.

„Viele Gemeinden in Bayern wären heute froh, wenn sie schon vor zehn Jahren mit Hochwasserschutzmaßnahmen begonnen hätten“, sagte Ministerialdirigent Prof. Dr.-Ing. Martin Grabow in seinem Grußwort. Der Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft und Bodenschutz im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz lobte die anspruchsvolle Planung, die den Hochwasserschutz in die Landschaft eingebettet habe. „Das erste was auffällt, ist, dass nichts auffällt.“

In der Tat, von den Maßnahmen ist nicht viel zu sehen. Anders als bei den meisten Hochwasserschutzmaßnahmen an Gennach und Hühnerbach entstand in Gutenberg kein Rückhaltebecken. Vielmehr erhält die Gennach bei Hochwasser eine „Umleitung“ entlang der Kreisstraße zwischen Gutenberg und Westendorf. Dort gibt es entsprechende Überflutungsflächen. Die Idee stammt vom beauftragten Planer Klaus Bäumler vom Ingenieurbüro A & B.

Damit die Kreisstraße nicht überflutet wird, entstanden zwei neue Brücken und ein etwa 1000 Meter langer Damm entlang der Straße. Kern der Schutzmaßnahmen ist ein kleines Wehr. Kommt eine Hochwasserwelle, lässt das Sperrwerk nur die „normale Wassermenge“ in die Gennach fließen. Der Rest wird auf die Wiese umgeleitet und fließt unterhalb des Ortes wieder zurück in die Gennach.

1,8 Millionen Euro hat der Gewässerausbau Gutenberg gekostet, betonte der Vorsitzende des Zweckverbandes, Buchloes Bürgermeister Josef Schweinberger. Davon übernimmt der Freistaat knapp 900.000 Euro. Schweinberger sagte aber auch, dass über die Anlage viele Diskussionen geführt wurden.

Die erste Bewährungsprobe hat der Hochwasserschutz in Gutenberg bereits hinter sich. Bürgermeister Helmut Holzheu sagte gegenüber unserer Zeitung, „wir wissen, dass es funktioniert“. Im Februar habe sich der Rechen des Wehrs zugesetzt. „Das Wasser ist dann so gelaufen, wie es sollte“, resümierte Holzheu.

Schweinberger betonte in seiner Einweihungsrede, noch stünden zwei Maßnahmen aus. Dazu gehöre das Rückhaltebecken in Eurishofen und die Durchleitung in Westendorf. Bei der Finanzierung für Westendorf sei man sich noch nicht handelseinig.

Ein großes Dankeschön gab es für die beteiligten Behörden, dem Wasserwirtschaftsamt in Kempten, vertreten durch Bernhard Engstle und Behördenleiter Karl Schindele sowie Christine Mayr vom Landratsamt Ostallgäu. Dort ist sie zuständig für die Gewässer im Ostallgäu. Als stellvertretende Landrätin nahm MdL Angelika Schorer (CSU) an der Veranstaltung teil. Pfarrer Günther Neuner segnete die Anlage. Viel Beifall gab es für die musikalische Begleitung durch die Blaskapelle Oberostendorf.

Der Hochwasserschutz wird in Bayern inzwischen groß geschrieben. Der Freistaat hat seit 2001 bereits 1,8 Milliarden Euro ausgegeben. Das Programm „Hochwasserschutz 2020 Plus“ ist inzwischen sogar auf 3,4 Milliarden Euro aufgestockt worden. Alle Redner der Feierstunde wiesen aber darauf hin, dass es trotz aller Schutzmaßnahmen eine absolute Sicherheit nicht gebe.

von Siegfried Spörer

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