Sozialraumanalyse für das Ostallgäu dem Kreistag vorgestellt

Zahlen zeigen Handlungsbedarf

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Die Sozialraumanalyse erhebt Zahlen zur sozialen Situation von Kindern und Jugendlichen im Ostallgäu. Demnach ist die Zahl der Minderjährigen, die bei einem Elternteil aufwachsen, gestiegen. Vor allem in der Kreisstadt lebt fast jedes dritte Kind bei Vater oder Mutter.

Marktoberdorf/Ostallgäu – Neue Handlungsschwerpunkte sieht Landrätin Maria Rita Zinnecker angesichts der jüngst vorgestellten Sozialraumanalyse, die der Landkreis unter Federführung des Jugendamts zum dritten Mal seit 2004 durchführen ließ.

Nach dieser Analyse zeigt sich Handlungsbedarf vor allem bei Kindern und Jugendlichen, die bei einem alleinerziehenden Elternteil aufwachsen. Ihre Zahl ist in den letzten Jahren im Ostallgäu stark angestiegen und liegt derzeit auf bayernweitem Niveau. 

„Gerade Kinder aus dieser belastenden Lebenssituation benötigen häufiger Jugendhilfeleistungen, präventiv wie auch stationär“, weiß Jugendhilfeplanerin Sabine Dodell. In nackten Fakten ausgedrückt, zählt die Sozialraumanalyse insgesamt 4239 Minderjährige, die im Ostallgäu mit einem Elternteil aufwachsen. Ein hoher Prozentsatz von ihnen, nämlich 1062 Kinder, wohnen in Marktoberdorf. 

„Das ist fast jedes dritte Kind aus der Kreisstadt“, erläutert Dodell und weist anhand der Statistik auf einen deutlich höheren Anteil der Alleinerziehenden im mittleren Landkreis hin: auf 189 Kinder (16,8 Prozent der Minderjährigen) in Obergünzburg oder 137 Kinder (22 Prozent) in Biessenhofen. Und auch im Süden des Ostallgäus ist die Zahl der Kinder und Jugendlichen hoch, die bei einem Elternteil aufwachsen. In Füssen sind dies 531 Minderjährige (23,4 Prozent). 

Insgesamt liegt der Landkreis damit im bayerischen Durchschnitt, wo jedes sechste Kind in einem alleinerziehenden Haushalt aufwächst. Als Erklärung für die Häufung in Stadtgebieten führte die Jugendhilfeplanerin an, dass Mieten dort oftmals günstiger und Betreuungsangebote besser seien. 

Jugendarbeitslosigkeit 

Etwas besser als der Durchschnitt Bayerns hält sich das Ostallgäu bei der Jugendarbeitslosigkeit. Laut Sozialraumanalyse sind im Landkreis 184 Jugendliche bis 25 Jahre ohne Arbeit, das ist eine Quote von 1,1 je 100 Jugendliche. Bayernweit steht der Trend bei 1,5 Jugendlichen. 

Nichtsdestotrotz sind das Günztal im Norden sowie der Raum Füssen im Süden traurige Spitzenreiter: 37 Jugendliche in Füssen, Hopferau und Schwangau (rund 2 Prozent) sowie 21 erwerbslose Jugendliche in Ronsberg, Obergünzburg und Günzach sind betroffen. 

Auch die Zahl der Minderjährigen, die Hartz-IV-Leistungen beziehen, ist in Ronsberg (22 Empfänger) und Füssen (102 Empfänger) besonders hoch. „Allerdings beziehen insgesamt nur drei von 100 Jugendlichen im Ostallgäu Hartz IV“, so Dodell. Da bewege sich der Landkreis noch weit unter bayerischem Niveau, wo sieben von 100 unter 15-Jährige Hilfe aus Hartz IV erhielten. 

Familienstützpunkte 

Jetzt will das Jugendamt gezielt Maßnahmen aus den Werten der Sozialraumanalyse erarbeiten. Denn, so Leiterin Petra Mayer, „die Zahlen müssen erst genau betrachtet und individuell ausgewertet werden.“ Dann könne man aus der Analyse Rückschlüsse darauf ziehen, wo etwa die Einrichtung von Familienstützpunkten vor Ort oder verstärkte Schulsozialarbeit nötig seien. Die Sozialraumanalyse ist im Internet unter www.ostallgaeu.de einsehbar.

von Angelika Hirschberg

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