Hegeschau für den mittleren Landkreis in Marktoberdorf

Verantwortungsvolles Hobby

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Ehrungen gab es von Alois Altmann (li.) für Sandra Hartmann, die von der Unteren Jagdbehörde des Landkreises in die Kämmerei Füssen wechselt (v. re.), Hundeführer Erwin Schreyer (Ehrenzeichen Silber), Johann Nägele (viele Jahre 1. Vorsitzender der FBG Marktoberdorf), Josef Hochmuth vom Fischereiverein (EZ Gold) und Ernst Gromer mit der Ehrenurkunde.

Marktoberdorf – „Jagd ist ein Thema, das die Menschen bewegt“. So die einleitenden Worte von Alois Altmann, 1. Vorsitzender der Jägervereinigung Marktoberdorf, zur Hege- und Naturschutzschau im Modeon.

Umso wichtiger ist Information, weshalb auch die Öffentlichkeit zur Hegeschau geladen war. Großes Thema bei den Jägern war heuer, neben den Abschüssen der vergangenen Saison, vor allem die Diskussion um eine Freigabe von Nachtzielgeräten für die Schwarzwildjagd. 

Bis zum 1. Mai macht die Jagd nun Pause in den fünf Hegegemeinschaften im Gebiet der Jägervereinigung Marktoberdorf im mittleren Landkreis. Als Nachweis für die Arbeit der Jäger in der zurückliegenden Saison, aber auch als Börse für Information und Austausch dient die Veranstaltung traditionell. Bekannt gegeben wird stets auch die jeweilige Erfüllung der Abschusszahlen, die das Landratsamt unter anderem anhand des „Verbisses“, der Waldschäden durch Wild, vorgibt. 

Die gute Zusammenarbeit zwischen Förstern, Bauern und Jägern rückte Alfred Enderle, Bezirksvorsitzender des Bayerischen Bauernverbandes, in den Fokus. Gemeinsam habe man die bestehende Kulturlandschaft geschaffen, die Jagd bezeichnete er als „verantwortungsvolles Hobby“. Dabei komme es vor allem darauf an, dass Jäger und Waldbesitzer zusammen „gute Lösungen vor Ort“ finden. Denn nicht immer sind diese sich einig, wie viel Wild in einer Saison geschossen werden sollte. Heuer erfüllten die Jäger im mittleren Landkreis den Abschuss zu 79,4 Prozent. Erhöhen werde sich die Quote wohl auch im übrigen Jahr nicht, wie Jagdberater Christian Löwenmuth prophezeihte und hierbei Zustimmung aus dem Publikum erhielt. 

Insgesamt wurden in der Hochwild-Hegegemeinschaft Kemptener Wald in 2014/15 laut Landratsamt 128 Stück Rotwild geschossen, die meisten davon Schmalrehe und Geissen (Erfüllungsquote von 43,8 Prozent). Beim Rehwild waren es in allen fünf Hegegemeinschaften 2743 Stück (79,1 Prozent). Die Zahl des erjagten Schwarzwildes (Wildschweine) lag bei 44 Stück, eine Zahl, die gegenüber 15 Stück erjagter Tiere im Vorjahr stark angestiegen ist. Festgestellt wurden bei den Wildschweinen im Juni 2014 und im Februar 2015 jeweils 1.399 beziehungsweise 1.298 Becquerel Strahlenbelastung (Cäsium). 

Geschossen wurden außerdem 567 Füchse, 204 Dachse, 61 Marder, 96 Hasen und sechs Kormorane. 

"Keine Nachtzielgeräte im Allgäu"

Alois Altmann als Gastgeber und 1. Vorsitzender der Jägervereinigung Marktoberdorf bedankte sich bei den Jägerinnen und Jägern vor allem für die Eindämmung von Fuchs und Schwarzwild. Fuchsbandwurm und Räude hätten erfolgreich im Zaum gehalten werden können. So wichtig die Jagd des Schwarzwildes auch sei, sprach sich Altmann allerdings gegen die derzeit im Landtag diskutierte Genehmigung von Nachtzielgeräten (NZG) aus. „Wir im Allgäu benötigen keine NZG“, so Altmann und betont, auch Schwarzwild könne ohne NZG nachhaltig gehegt und bejagt werden. „Das Wild braucht auch seine Nachtruhe“, so Altmann. 

Auch Forderungen nach einer Verlängerung der Jagdzeiten bis in den Februar hinein erteilte der 1. Vorsitzende eine Absage. „Das wäre kontraproduktiv“. Wer zwischen Januar und Februar Wild hetze oder aufscheuche, provoziere nicht zuletzt einen extrem hohen Energieverbrauch. Die Folge seien dann nicht niedrigere, sondern höhere Verbissschäden. „Wir Jäger als Anwälte der Wildtiere können unseren Partnern, den Grundstücksbesitzern, versichern, dass wir ihre Sorge verstehen“. Altmann bitte jedoch darum, „für die Belange der Jagd und der Wildtiere Verständnis“ zu haben. Er erinnerte auch an den bevorstehenden Landesjägertag im Weiden vom 10. bis 12. April. 

Hubertustaler für Alois Altmann 

Unterstützt wurde Altmann vom Bayerischen Jagdpräsidenten und Ehrengast Prof. Dr. Jürgen Vocke. Er verlieh Altmann für seine Verdienste den „Hubertustaler“. 

„Jagd ist gelebtes Bürgerengagement“, so Vocke. So wie die Jägerinnen und Jäger ihrer Verantwortung für eine tiergerechte Jagd nachkommen müssten, so seien auch Staat sowie Land- und Forstwirtschaft in der Verantwortung. „Ein fairer Umgang miteinander beim Wildschadenbefall, revierübergreifende Schwarzwildjagden unter Verzicht auf eine ,Mitbejagung’ des Rehwildes, eine Gebührenfreistellung vom Verwaltungsvorgängen bei der Verkehrssicherung bei Treib- und Drückjagden sowie von den Gebühren der Trichinenuntersuchung (Schwarzwild) oder der Aufbau und Erhalt von Übungsschießständen wären „eine Hilfe für das jagdliche Ehrenamt“. Bei der Hegeschau seien alle an der Jagd beteiligten Gruppierungen versammelt – „nutzen wir die Gelegenheit zum Austausch“, so Vocke. 

Werner Schneider, 2. Vorstand der Marktoberdorfer Jäger, betonte im Gespräch mit dem Kreisbote, wie wichtig die Beteiligung der Öffentlichkeit an jagdlichen Themen sei. Das Bewusst- sein für die Zusammenhänge bei der Wildhege und in der Natur müsse bei der Bevölkerung wach gehalten werden, so Schneider. Eine tolle Sache sei das „Wildmobil“ für Schulen und Kindergärten. Im Allgäu und auch sonst auf dem Land sei die Akzeptanz für die Jagd durch den vergleichsweise hohen Bezug zu Natur und Landwirtschaft aber grundsätzlich gut.

von Michaela Frisch

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