Haag-Haus unter Denkmalschutz

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Die ehemalige Werk- und Wirkungsstätte des Kaufbeurer Unternehmers Johannes Haag (links im Bild) steht neuerdings unter Denkmalschutz. Auf der Straßenseite gegenüber (rechts im Bild) darf das Gasthaus Bad abgerissen werden.

Kaufbeuren – Die Johannes-Haag-Straße sei das ökonomische Rückgrat der Stadt, erklärte der Heimatverein Kaufbeuren in einer Mitteilung und reagiert damit auf die Entscheidung des Landesamts für Denkmalpflege, das Gebäude Nr. 9 nachträglich in die Denkmalliste aufzunehmen. Die Behörde hatte diese Entscheidung vergangene Woche bekannt gemacht.

In dem heute eher unscheinbaren Haus gründete Johannes Haag 1843 eine „Werkstätte für allgemeinen Maschinenbau und für die Herstellung von Zentralheizungen“. Haag schrieb mit dem Bau von zentralen Heißdampf-Gebäudeheizungen deutsche Industriegeschichte. 

Dr. Ulrich Klinkert, zweiter Vorsitzende des Heimatvereins Kaufbeuren, sieht sich in seinem Bemühen bestätigt, historisch wichtige Orte der Stadt, auch wenn es sich um unspektakuläre Objekte handelt, unter besonderen Schutz zu stellen. Das Gebäude in der Johannes-Haag-Straße sei Teil der Kaufbeurer Gewerbegeschichte. „Als ehemaliges Mühlengebäude veranschaulicht es die gewerbegeschichtliche Funktion des Forettle aufs Beste.“ 

Auf das Bestreben des Heimatvereins hin war das Denkmalamt aktiv geworden. Während die Freude auf Seiten des Heimatvereins groß ist, zeigt sich das Unternehmen Dobler, dem das Gebäude gehört, verärgert. „Für uns kommt die Entscheidung sehr unerwartet“, sagt Thomas Mayer, Geschäftsführer des Bauunternehmens, der nicht nachvollziehen kann, was an dem Haus heute noch denkmalwürdig sei. Das Gebäude befände sich in einem katastrophalen Zustand, so Mayer, es sei nicht mehr sanierungsfähig. 

Nachdem der letzte Mieter vor knapp drei Jahren ausgezogen war, sollte das Haag’sche Haus abgerissen werden. Doch die Prüfung durch das Denkmalamt stoppte das Vorhaben der Firma Dobler. 

Die Stadt unterstützt nach Angaben von Baureferatsleiter Helge Carl die Einschätzung des Landesamts für Denkmalpflege. „Die Einstufung als historisches Denkmal bietet Chancen“, so Carl. Das Denkmalschutzgesetz sieht vor, dass das Landesamt sich mit Kaufbeuren über die Aufnahme von Objekten in die Denkmalliste einigt. 

Für Thomas Mayer nicht verständlich: wie bei den ehemaligen Kunstanstalten wollte Dobler das Gelände in der Johannes-Haag-Straße freiräumen, um Stadt und Investoren das Entwicklungspotential der stadtnahen Fläche vor Augen zu führen. Aus dem Abriss wird nun nichts. „Wir prüfen, was wir jetzt tun können“, sagt Mayer und signalisiert auch gegenüber der Stadt Gesprächsbereitschaft. Sollte das Unternehmen nachweisen können, dass die Sanierung eine wirtschaftliche Unzumutbarkeit darstelle, wäre ein Abriss dennoch möglich. 

Und etwas provokativ fügt der Chef von Kaufbeurens größtem Bauunternehmen hinzu: „Vielleicht wollen uns ja diejenigen, die das angeleiert haben, ein gutes Angebot für das Gebäude machen“. Er spielt dabei auf die Einflussnahme des Heimatvereins und die Entscheidung des Landesamts an. „Es ist schon erstaunlich, wie über den Kopf eines Gebäudeinhabers die unternehmerische Entscheidungsfreiheit beschränkt wird.“ 

Und verwundert fragt sich Mayer, warum das ehemalige Gasthaus Bad (Johannes-Haag-Straße 6), das im Besitz der Stadt ist, als nicht denkmalwürdig eingestuft wurde und demnächst abgerissen werden darf.

von Angelika Hirschberg

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