Biergarten statt Behördenklotz?

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Kaufbeuren tue es laut ein paar Stadträten gut, wenn die Fläche des alten Eisstadions zur zentralen Aktiv-Fläche im Jordanpark würde.

Kaufbeuren – 125 Jahre Jordanpark durfte ganz Kaufbeuren im vergangenen Jahr feiern. Mit einem Fest zeigte die Stadtgesellschaft, welche Bedeutung dieser Landschaftspark für Kaufbeuren hat. Zugleich steht in etwa eineinhalb Jahren der Umzug des Eisstadions aus dem Jordanpark an. Dies sehen die Stadtratsfraktionen SPD, Grüne und FDP als Chance, dem Park die Originalgröße zurückzugeben, wozu sie sich in einer Pressemitteilung bekennen. Kritik gibt es vor allem bezüglich der Pläne, auf dem Areal des alten Eisstadions das neue Behördenzentrum anzusiedeln (wir berichteten).

Auch der Heimatverein Kauf­beuren wird nicht müde, sich gegen diese Pläne zu stemmen und spricht gar von einem „verhängnisvollen Weg“, sollte dieses Projekt dort umgesetzt werden. 

Doch der Reihe nach. Am kommenden Mittwoch soll im Bauausschuss der Auftrag erteilt werden, das Gebiet von bestehendem Eisstadion und ehemaligem Gasthaus Bad im Hinblick auf die Eignung für die Unterbringung von Polizei und Landesamt für Finanzen zu untersuchen. Dazu gehören neben Alternativen zur Anordnung von Behördengebäuden auch Baugrund-Untersuchungen. Für den Heimatverein ist damit klar, dass hiermit der Weg für das anvisierte „Behördenzentrum“ geebnet wird, in dem neben der Polizei auch die Behörde des Landesamtes für Finanzen im Zuge der Behördenverlagerung unterkommen soll. 

Heimatverein gegen Vorhaben 

Mit Blick auf das „Forettlezenter“ sei man aus Sicht des Heimatvereins dabei, das alte Gewerbegebiet entlang des Mühlbachs „rücksichtslos zu beseitigen“. Einzig die Einzeldenkmäler stünden dann noch – „zusammenhanglos, wie Solitär. Ein Teil der sichtbaren Wirtschaftsgeschichte der Stadt wurde/wird ohne Hemmungen ausradiert. Das ist, wie wenn man gerade die spannendsten Seiten aus einem Buch herausreißt!“, heißt es in einem offenen Brief des Heimatvereins an die Stadträte. Dies sei schade, denn wenn man das Charakteristische dieses Areal beseitige, dann sei es letztlich gleichgültig, ob man sich in Kaufbeuren, Gütersloh oder Pirmasens befinde. 

Auf die Spitze getrieben werde diese Entwicklung aus Sicht des Heimatvereins jedoch mit den Plänen zum sogenannten Behördenzentrum. „Die Verlegung des Eisstadions eröffnet die einmalige Gelegenheit, dem Jordanpark einerseits wieder stärker seinen Charakter des historischen Landschaftsparks zurückzugeben und auf der anderen Seite die Nutzungsmöglichkeiten attraktiver zu machen. Das wäre ein Gewinn für alle Bürger“, heißt es in dem offenen Brief. 

Diese Chance nicht zu nutzen, sondern sie geradezu ins Gegenteil zu verkehren, wäre aus Sicht des Heimatvereins „ein verhängnisvoller Weg“. Das geplante Behördenzentrum am Ort des alten Eisstadions wäre demnach „weder ein Gewinn für die Altstadt, kein wirklicher Gewinn für die Polizei und, weil Polizeigebäude bestimmte bauliche Vorgaben erfüllen müssen, eine ästhetische Zumutung für den Park“. 

Laut der Mitglieder des Heimatvereins sollten nicht „die Ab- und Irrwege der Forettle-Planung“ wiederholt werden. Stattdessen sollte „die Chance für eine Planung genutzt werden, die zu einer Verbesserung der Lebensqualität für alle führt“. Sie fordern eine in den Gremien und in der Öffentlichkeit ergebnisoffene Diskussionen und ein „Nein“ zum „Behördenzentrum“ an diesem Ort. Stattdessen sollte aus Sicht des Heimatvereins der Jordanpark erweitert werden. 

"Plus an Qualität"

„Das ist eine historisch einmalige Chance, die sich uns hier bietet“, so Stadtrat Johannes Espermüller von der FDP. „Denn mit dem Umzug des Eisstadions können wir unserem Jordanpark seine Fläche zurückgeben und so die Weichen in Richtung Zukunft stellen.“ Dies ist der zentrale Gedanke, den die drei Stadtratskollegen Johannes Espermüller, Oliver Schill (Grüne) und Ralf Baur (SPD) parteiübergreifend in den Stadtrat einbringen wollen. 

„In Richtung Zukunft“ bedeutet für die drei Stadtratskollegen, dass die Fläche des alten Eisstadions zur zentralen Aktiv-Fläche im Jordanpark wird. „Dort könnte – direkt am Jordanbach – eine attraktive Gastronomie mit hoher Aufenthaltsqualität entstehen. Und mit einem Fieselplatz könnten wir ein Angebot für Jugendliche mitten in der Stadt schaffen und zugleich an den Eislaufplatz aus früheren Zeiten erinnern“, erläutert Oliver Schill in dem Schreiben. 

Stadtplaner Ralf Baur, Kaufbeu­rens ehemaliger Baureferent, ergänzt: „Unser Jordanpark tut sich heute schwer, allen Ansprüchen gerecht zu werden. Wir haben Ruhe und Muße auf der einen, und die Aktivitäten wie Spielen, Freizeitsport, Musik, Erleben auf der anderen Seite. Mit der zurückgewonnenen Fläche können wir dann sowohl Aktivität, als auch Ruhe genügend Raum geben. Alles fände seinen Platz“. Sein Stadtratskollege Schill weiter: „Wenn wir schlussendlich auch das fertige Parkpflegewerk wieder aus der Schublade holen und in Angriff nehmen, dann könnte unser Park auch in seiner alten Pracht mit seinen zahlreichen Sichtachsen wiedererwachen.“ 

„Wir stärken Naherholung und Ökologie, und bringen mit der Arrondierung ein Plus an Qualität in die Stadt. Alle öffentlichen Belange gewinnen“, bringt es Espermüller zusammenfassend auf den Punkt. „Wir laden alle unsere Stadtratskollegen zu einer Entscheidung Pro-Jordanpark ein. Ganz einfach, weil es unserer Stadt gut tut“, so die drei Stadtratskollegen unisono. 

"Keine Perspektive" 

Der Antrag von SPD, Grüne und FDP hat für Oberbürgermeister Stefan Bosse „natürlich Charme“, wie er auf Anfrage desKreisbote mitteilte. Allerdings gebe es dann aus Bosses Sicht „keine Perspektive“ für den von der Polizei gewünschten altstadtnahen Neubau und die Ansiedlung der neuen Behörden in Bahnhofsnähe. „Polizei und Vertreter von Staatskanzlei und Landesamt für Finanzen hatten sich für den Standort Eisstadion ausgesprochen“, betonte der Rathauschef. Darüber hinaus würden die Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf entfallen, „es entstünden erhebliche zusätzliche Kosten für Bau und Unterhalt der geforderten Aktiv-Fläche“, so Bosse. All das müsse der Stadtrat sehr sorgfältig abwägen. Das Parkpflegewerk für den bestehenden Park soll laut Bosse übrigens auf jeden Fall umgesetzt werden, „so bald es die Haushaltslage zulässt“.

von kb/Kai Lorenz

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