"Himmlische Weibsbilder"

Der Künstler Detlef „Det“ Blumberg beim Erläutern seiner Crescentia-Figur Foto: Zasche

Detlef „Det“ Blumberg, Jahrgang 1954, ist – anders als sein Vater, der seine Kunst als Ausgleich zu seinem fordernden Brotberuf betrachtete – mit Leib und Seele Künstler, 24 Stunden am Tag und 7 Tage in der Woche. „Da braucht man keine Erholung, das IST Erholung“, sagt er. Vergangene Woche wurde sein neues Ateliers eingeweiht.

Blumberg tummelt sich in allen möglichen Sparten der bildenden Künste: Malerei, Grafik, Design, Illustration, Bildhauerei, Archi­tektur, Fotografie. Aber die sakrale Plastik ist inzwischen einer der Schwerpunkte seines Schaffens geworden. Die intensive Beschäftigung mit religiösen Themen für die beiden „Sub Rosa“-Ausstellun­gen in der Kartause Buxheim und im Polizeipräsidium Augsburg hat ihn geprägt. Det Blumbergs aktuelle Ausstellung „Himmlische Weibsbilder“ – der etwas provokante Titel wurde von Schwester Regina Winter, der Generaloberin des Crescentia-Klosters, abgesegnet – ist nun anlässlich der Einweihung seines neuen Ateliers in der Kaiser-Max-Straße 4 aus dem zwar stimmungsvollen, aber nasskalten Gewölbe in der Ludwigsstraße in die neuen Räumlichkeiten umgezogen. Diese Aus­stellung beschäftigt sich mit Leid, Leidbewältigung und darin bewiesener Stärke von Frau­en. In dem Zyklus sind sechs aus der Bibel und der Zeitgeschichte bekannte Frauengestalten ab­gebildet. Die alttestamen­ta­ri­sche Judith, die Malerin Frida Kahlo, die Gewerkschafterin Therese Studer und Frie­densnobel­preisträgerin Rigoberta Menchú stehen für die vier antik-philosophischen Kardinaltugenden Klugheit, Tapferkeit, Maß und Gerechtigkeit. Die göttlichen Tugenden aus der Bibel, Liebe und Glau­be, werden von Maria Magdalena und der Hl. Crescentia verkörpert. Diese sechs Frau­en stehen oder sitzen auf­recht da. Die siebente Frau des Zyklus, „die Getretene“, liegt stellvertretend für alle Frauen dieser Welt, denen in irgendeiner Form Gewalt, Unrecht und Leid widerfahren ist, am Boden als stum­me Aufforderung an die Vorübergehenden, ihr und ihren Leidensgenossinnen eine Hand zu reichen und aufzuhelfen. Sie stellt somit das Prinzip der Hoffnung dar, die noch fehlende dritte göttliche Tugend. Die mit der Kettensäge den groben französischen Eichenbohlen abgetrotzten, fast lebensgroßen Figu­ren sind mit wenigen, jedoch symbolträchtigen Farben gefasst und strahlen eine urwüchsige Kraft und Stärke aus, die den Betrachter geradezu zwingt, ein wenig innezuhalten und nachzudenken. Wer nun mehr darüber erfahren möchte, was den Künstler Det Blumberg bei jeder einzelnen seiner Frau­enge­stalten dazu bewogen hat, gerade diese Frau zur Trägerin seiner Botschaft zu machen, der gehe hin und sehe sie sich selbst an. Bis 2. Oktober 2011 ist die Ausstellung in den neuen Räumen noch geöffnet.

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