Burgenführer Götz Finger nimmt Sie mit auf eine Zeitreise

Serie: Burgen im Ostallgäu

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Ein Rekonstruktionsversuch der Geisburg, wie er heute im „Allgäuer Burgenmuseum“ in Kempten ausgestellt ist.

Ostallgäu – Oftmals sind von ihnen nur noch sogenannte „Burgställe“ in Form von Erhebungen vorhanden, einst wurde von hier jedoch über die Menschen im Ostallgäu geherrscht: Unter dem Titel „Burgen im Ostallgäu“ stellt der Kreisbote in den nächsten Wochen historische Orte und Ziele für geschichtlich Interessierte im gesamten Ostallgäu vor.

Götz Finger als offizieller und zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu und sonst auch unter anderem unterwegs als „Gottfried von Ronsberg“ nimmt Sie dabei an die Hand und zeigt Ihnen Ruinen und Burgställe im Landkreis. 

Heute: Die Geisburg 

Fährt man von Unterthingau nach Aitrang, führt der Weg zum sogenannten „Mottenhügel“ der Geisburg über die B12-Brücke, rechter Hand zur Ortschaft Haugen. Südlich des Weilers Haugen ist auf der gleichnamigen Anhöhe bereits der Hügel der Geisburg zu erkennen. 

„Die Geisburg ist ein sehr schöner Vertreter der Spezies Motte”, erklärt Götz Finger. „Eine Motte, auch Turmhügelburg, ist ein künstlicher Erdhügel mit einem darauf errichte- ten Turm oder Haus“. 

Die Oberfläche des Rechteckigen künstlichen Hügels misst genau 19 x 33 Meter. Umgeben wird er heute von einem circa 1,5 Meter tiefer Graben, der nach außen von einem etwa einen Meter hohen Graben umringt wird. „In den späten 1930iger Jahren hat man das Süddrittel der Burgoberfläche ausgegraben“, so der Burgenführer. Hierbei wurde eine ausschließlich hölzerne Bebauung festgestellt, die auf die zweite Hälfte des 12. Jahrhunderts zurückreicht.

„Dieser Befund deckt sich mit der Geschichte, die über diese Anlage in den Annalen des Allgäus wiedergegeben wird. Die Geisburg verdankt ihren Namen dem Geschlecht der „Geisere von Thingau“, die ab 1172 bis in das späte 14. Jahrhundert in den Urkunden regelmäßig auftauchen. 

Adelige und Kreuzzüge 

• 1172: erste Nennung eines Hinricus Tuningun, genannt Geizer, im Gefolge des Herzogs Welf 

• 1181 – 1185 – 1188: „Heinricus de Tungowe“ erscheint im Gefolge des Herzogs Welf VI 

• 1187 wird dieser Heinricus als Marschall des Hezogs Welf VI. erwähnt 

• 1241 Heinrich von Thingau wirkt als Zeuge für Graf Ulrich von Ulten. In diesem Jahr weilte der Graf auf der Burg Kemnat, wo er sich zum Kreuzzug gegen die Mongolen rüstete 

• im Jahr 1303 wird ein Johann von Thingau als Zisterzienser im Kloster Stams erwähnt 

• 1323 wird Berchthold von Thingau als Klosterherr von Kempten erwähnt 

• 1338 übereignet ein Hermann von Thingau dem Spital in Kaufbeuren einen Hof in Tattenhofen (abgegangener Ort in der Nähe von Eurishofen) 

• 1390/91 erscheint zum letzen Mal ein Vertreter der Geisere von Thingau in einer Urkunde. Es handelt sich dabei um einen Fritz von Thingau, der mit einer Anna Schenken con Baldenstein verheiratet war, die ein Jahr darauf als Witwe von Thingau genannt wird. 

„Die Geisburg ist ein schönes Beispiel einer hochmittelalterlichen Ministerialen-Burg, wobei diese Burg nicht zu den kleinen gehört”, erzählt der Burgenexperte Finger.

Der Burgenführer

Götz Finger ist staatlich geprüfter Techniker für Baudenkmalpflege und Altbauerneuerung, sowie offizieller und Zertifizierter Führer der Burgenregion Allgäu. Er ist Mitglied des Allgäuer Burgenvereins und Gründer und Mitglied der „Ronsberger Ritterschaft e.V.“, Unter anderem als Markgraf Gottfried von Ronsberg (12. bis Anfang des 14. Jahrhunderts) und Freiherr Götz von Thingau veranstaltet Götz Finger regelmäßig Führungen zu Ostallgäuer Ruinen und Burgställen. Götz Finger wohnt in Kaufbeuren.

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