Historisches in neuem Glanz

Der Rüdiger-Brunnen ist ein zentraler Blickpunkt in Neugablonz.

Gedankenvoll schließt er die Hände zum Gebet zusammen: Der „Rüdiger von Bechelaren“, der als bronzene Figur auf dem gleichnamigen „Rüdigerbrunnen“ vor der Neugablonzer Herz-Jesu-Kirche thront, wirkt bei Tag als beeindruckender Blickfang. Bei Nacht wurde aber bis vor kurzem aus dem einladenden Platz ein eher düsterer Ort, und der Rüdiger als solcher war kaum noch zu erkennen. Das hat sich seit vergangenem Mittwoch geändert: Dank eines „anonymen Spenders“ konnte die Stadt im Zuge einer notwendigen Sanierung auch eine neue Brunnenbeleuchtung anbringen. Jetzt ist der Rüdiger auch in den dunklen Abend- und Nachtstunden als imposantes Wahrzeichen erkennbar.

Rund 5.000 Euro habe der Neugablonzer Bürger, der ungenannt bleiben möchte, der Stadt Kaufbeuren für die Beleuchtung gespendet, so Oberbürgermeister Stefan Bosse. Nur so viel ist sicher: Es handelt sich laut Bosse um einen Geschäftsmann, der selbst die Vertreibung aus Gablonz an der Neiße miterlebt hat und sich in der „neuen Heimat“ Neugablonz ein erfolgreiches Leben aufbauen konnte. „Nun möchte er der Stadt etwas zurückgeben“, berichtet der Rathauschef von seiner Begegnung mit dem großzügigen Geber. Bereits im Jahr 2010 gab es Überlegungen von Seiten der Stadtverwaltung, den Brunnen aufgrund stetigen Wasserverlusts zu sanieren. In diesem Zusammenhang habe man die Nachricht bekommen, dass ein Neugablonzer Unternehmer eine neue Beleuchtung sponsern wolle. Als im Frühjahr 2011 die Konzeption und Festlegung der Sanierung erfolgte, wurden in Abstimmung mit dem Sponsor auch gleich die neuen Leuchtmittel eingeplant. Im Herbst des selben Jahres wurde der Rüdigerbrunnen dann für eine Summe von 35.000 Euro umfassend repariert, der Bauhof übernahm den Einbau der Beleuchtung. Dabei handelt es sich um 14 LED-Bodeneinbauleuchten à 3 Watt, die in Form eines LED-Bands in das Becken eingelassen sind. Im ersten Halbjahr 2012 fanden dann während des Betriebs noch einige Feinarbeiten statt. Besonders erwähnenswert sei laut Ralf Baur, Referatsleiter der Bauverwaltung, dass im Vergleich zu den vergangenen Jahren keine zusätzliche Energie für die Beleuchtung des „Rüdigers“ aufgewendet werden muss: Weil einige Straßenlaternen im Umfeld des Brunnens parallel mit moderner LED-Technik ausgerüstet worden sind, gleicht sich die dabei eingesparte Energie mit der Beleuchtung des Denkmals aus. Für Effizienz sorgt darüberhinaus – wie auch bei den Straßenlaternen – eine Belichtungs-Zeitschaltuhr. Der Oberbürgermeister sieht in dem Vorgang indes ein „schönes Beispiel, wie privates Engagement und das Know-how der Stadt Hand in Hand gehen können“. Auch der Spender selbst habe betont, wie sehr er die Zusammenarbeit mit dem Baureferat der Stadt Kaufbeuren zu schätzen wisse“, berichtete Ralf Baur. Historie in neuem Licht Viele Neugablonzer werden sich über die sorgfältige Sanierung und die neue Illumination sehr freuen, denn gerade für die älteren Bürger, die selbst die Vertreibung aus Gablonz an der Neiße miterleben mussten, sehen in dem Brunnen eine liebgewonnene Erinnerung an die „alte Heimat“. Dort hatte der Rüdigerbrunnen, dessen Statue 1904 der Bildhauer Franz Metzner geschaffen hatte, als Wahrzeichen der Stadt gedient. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs landeten die Teile des Brunnens mit ihrer heroischen Symbolik auf der Müllhalde, auf dem früheren Standplatz wurde ein Kriegsdenkmal sowjetischer Prägung installiert. Ab 1954 versuchten die heimatvertriebenen Gablonzer, mittlerweile zu großen Teilen in Neugablonz angesiedelt, das Wahrzeichen für die neue Heimat zu erwerben, doch erfolgreich waren diese Bemühungen erst Ende der 60er Jahre. Am 17. Februar 1968 kamen die Statue sowie die Reliefplatten dann in der Wertachstadt an. Weitere Ideen Mit der Beleuchtung des Brunnens sei die Zusammenarbeit mit dem anonymen Geldgeber übrigens noch lange nicht beendet, ließ Bosse verlauten: dieser habe die Idee geäußert, die Planeten des Sonnensystems vom Kaufbeurer Rathaus aus bis zum Gablonzer Haus aufzustellen, und zwar im korrekten Größen- und Entfernungsverhältnis. „Die Sonne möchte der Spender dabei am Kaufbeurer Rathaus verankern, am Gablonzer Haus würde dann der Planet Pluto Platz finden“, erläutert der Rathauschef die Wünsche des unbenannten Geschäftsmanns. Bleibt nur zu hoffen, dass Pluto dann nicht dem Wappenbaum ins Gehege kommt: dieser soll nämlich, entgegen vorheriger Überlegungen, an seinem bisherigen Standort verbleiben. Die grünen Inseln am Neuen Markt sollen, laut offizieller Mitteilung der Stadt, dagegen entfernt werden, um für den Wochenmarkt Platz zu schaffen.

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