Test-Zentrum auf Kaufbeurer Fliegerhorst

Kaufbeuren als Hightech-Standort für Autos

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Um eine weitere wirtschaftliche Entwicklung des Fliegerhorstes nach Abzug der Truppen zur Stadt hin nicht zu stören, komme laut Professor Dr.-Ing. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC, nur der untere (südliche), also der von der Sadt abgewandte Teil, für das Testzentrum in Fragen. Ein weiterer Flugbetrieb könnte im Übrigen trotz Testgelände für Geschäfts- und kleine Privatmaschinen aufrecht erhalten werden.

Kaufbeuren/Kempten – „Kaufbeuren als Hightech-Standort für Autos der Zukunft“ – Das könnte bald Realität werden. Zumindest wenn es nach den Wünschen der Hochschule Kempten und dem ADAC geht.

Beide haben zusammen beim Bayerischen Wissenschaftsministerium einen „Antrag zur Einrichtung eines Forschungs-, Lern- und Testfelds für Fahrerassistenz, autarkes Fahren und vernetzte Mobilität“ gestellt. Entstehen soll das geplante Zentrum auf dem Kaufbeurer Fliegerhorst. Wie berichtet, wird der Bundeswehrstandort bis zum Jahre 2017 geschlossen.

Wie Professor Dr.-Ing. Reinhard Kolke, Leiter Test und Technik beim ADAC, gegenüber dem Kreisboten mitteilte, wäre auf diesem Areal genügend Platz, um das Testgelände mit insgesamt rund 500.000 Quadratmeter unterzubringen. (siehe hierzu auch Konzept-Skizze). Dass solch eine Einrichtung dringend gebraucht wird, zeigt allein der Umstand, dass die bestehenden Test-Zentren wie etwa das ADAC Technik Zentrum in Landsberg an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen, erklärte Kolke. „Wir platzen sprichwörtlich aus allen Nähten“. Ähnlich geht es anderen Unternehmen wie etwa Reifenherstellern, die dann auf dem Areal in Kaufbeuren testen könnten. Somit würde die Stadt Kaufbeuren, unter anderem auch davon profitieren, dass starke Partner und neue Unternehmen den Weg in die Wertachstadt finden, so Kolke. Damit entstünden unter anderem neue Arbeitsplätze. Kolke rechnet als Synergieeffekt mit Unternehmensgründungen neuer Zulieferer zum Thema Fahrerassistenz, alternative Antriebstechnik und Vernetzung.

Aber auch die regelmäßige Anwesenheit von Testkunden solle sich positiv auf Kaufbeuren auswirken. Somit werde der Wirtschaftsstandort gestärkt. Auch werde Kaufbeuren durch die Hochschulinstitute zum Hochschulstandort.

Antrag gestellt

Der Antrag beim Bayerischen Wissenschaftsministerium für das Test-Zentrum auf dem Fliegerhorst-Areal Kaufbeuren wurde bereits gestellt. Damit einher geht die Zielsetzung bis 2050 die Zahl der Unfalltoten im Straßenverkehr auf nahe Null zu senken, so der ADAC-Experte. Da über 90 Prozent aller Verkehrstoten laut ADAC nach wie vor durch menschliche Fehler verursacht würden, wachse die Nachfrage nach intelligenten Fahrerassistenz-Systemen, die bei Bedarf einspringen und so helfen, Unfälle zu vermeiden, resümierte Kolke. Dabei fallen Stichworte wie „autonomes Fahren“ oder „vernetzte Mobilität“. Also Systeme, die bei Gefahr selbstständig eingreifen und etwa einen Bremsvorgang einleiten oder einfach die Spur halten. „Verkehrssicherheit sowie die Vision des autonomen und unfallfreien Fahrens ist nur durch zunehmende Fahrzeugvernetz- ung realisierbar“, ist sich Kolke sicher. Aber auch zukunftsweisende Antriebtechniken, Fußgängerschutz und eine umweltverträgliche Fortbewegung stehen im Fokus.

Große Nachfrage

Für die Umsetzung dieser Techniken bedarf es jedoch hochqualifizierter Mitarbeiter. Einige von ihnen sollen ab Sommersemester 2014 in der Hochschule Kempten ausgebildet werden. Dort bietet die Einrichtung dann einen Studiengang „Master Fahrerassistenz“ an und möchte bei Prüfeinrichtungen mit dem ADAC kooperieren. Dabei wird eine Trägerschaft der beiden Partner als „Public Private Partnership“ (PPP) angestrebt, die nicht profitorientiert und damit unabhängig von Fahrzeugherstellern ist. „Mit diesem Konzept wird die Unabhängigkeit von einzelnen Fahrzeugherstellern gewahrt, so dass das Testgelände für viele industrielle Partner sowie für die Durchführung von Forschungsvorhaben im öffentlichen Auftrag interessant wird“, so der ADAC-Experte.

Anfragen aus der Industrie nach einem qualitativ hochwertigen Studienangebot zum Thema Fahrerassistenzsysteme wurden an die Hochschule Kempten vor allem von den Unternehmen Continental, Bosch, BMW, AVL und AGCO-Fendt gerichtet. „Alleine die Firma Continental, die in Lindau ein Entwicklungszentrum für Fahrerassistenzsysteme betreibt und ein zweites gerade in Ulm eröffnet hat, spricht von einem Bedarf von rund 70 Ingenieuren jährlich“, so Kolke. Daher seien die Berufsaussichten für Ingenieure und Informatiker, die in einem Masterstudiengang auf der Grundlage einer fundierten Erstausbildung in Maschinenbau, Elektro- und Informationstechnik, Mechatronik oder Informatik eine hochqualifizierte akademische Zweitausbildung in Fahrerassistenz- systemen erhalten, „als hervorragend anzusehen“. Ein ähnlicher Studiengang, der mit starkem Fokus für bestimmte berufliche Aufgaben qualifiziert, sei in Deutschland bisher nicht bekannt, resümiert Kolke.Von den bayerischen Fahrzeugherstellern sowie Zulieferern wie zum Beispiel Continental lasse sich zudem ein großes Interesse erwarten, wenn die Entwicklung des Geländes auf dem Fliegerhorst Kaufbeuren mit Möglichkeiten zum Aufbau und zur Einrichtung insbesondere moderner Vernetzungskomponenten wie zum Beispiel vernetzte Ampeln an Kreuzungen, Sensoren und Leistungskomponenten in Fahrbahnen und an Parkplätzen realisierbar sind.

„Insbesondere lässt sich mit dem derzeit im Ausbau befindlichen „Fahrerassistenz-Zentrum“ Ulm ein relativ nahes Entwicklungszentrum ansprechen, das noch kein Testgelände besitzt und dessen Orientierung andernfalls nach Baden Württemberg ausgerichtet ist“, so der ADAC-Experte Reinhard Kolke.Die Hochschule Kempten mit ihrer starken regionalen Verankerung bei der heimischen, mittelständisch geprägten Industrie einerseits, aber auch der guten Vernetzung zu anderen Forschungseinrichtungen in den relevanten Gebieten andererseits, biete ideale Voraussetzungen fü̈r die erfolgreiche Einrichtung eines Forschungs-, Lern- und Testfeldes „Fahrerassistenz, autarkes Fahren und vernetzte Mobilität. Gerade ein PPP mit einem weiteren Wettbewerbunabhängigen Partner, wie dem ADAC, biete die Chance ein derartiges Zentrum auf breite Basis zu stellen, öffentlichkeitswirksam darzustellen und automatisch eine Vielzahl von Interessenten für Kooperationen anzuziehen.

„Kaufbeuren kann sich zum Hochtechnologie-Standort entwickeln. Technologiepark und Ausgründungen aus der Fachhochschule können erweitert, sowie mittelständische Ansiedlungen ermöglicht werden“, ist sich der ADAC-Experte sicher.Dabei setzt Kolke aber auf eine stufenweise Realisierung. Ein genauer Zeitplan liege demnach noch nicht vor: „Wir wünschen uns für den zukunftsweisenden Antrag der Hochschule so bald wie möglich ein positives Signal von der Bayrischen Staatsregierung. – Der ADAC wird in Kaufbeuren für die Verbraucher Zukunftsmobilität testen, die Hochschule macht Kaufbeuren zu einem erweiterten Hochschulstandort mit neuen Instituten und wir können gemeinsam Zulieferunternehmen mit Weltruf in die Region bringen!“, so Kolke und fügt abschließend hinzu: „Auf dieser Grundlage könnten dann weiter wichtige Gespräche geführt werden“.
Von Kai Lorenz

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