Am Montag fiel die Stadtratsentscheidung

"Ein ausgezeichneter Platz zum Leben" 

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Nicht gegeneinander, sondern miteinander: Auf Augenhöhe machten Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell (rechts) und Florian Schmid den Schritt in Richtung Neuerschließung des ehemaligen Krankenhausareals in Marktoberdorf.

Marktoberdorf – Jetzt ist der Vertrag unter Dach und Fach. Das rund vier Hektar große Areal der ehemaligen Kreisklinik Marktoberdorf ist verkauft worden. Wie mehrfach berichtet, war das Areal durch den Eigentümer, dem Kommunalunternehmen Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren (KU), in einem europaweiten Bieterverfahren zum Kauf ausgeschrieben worden. Den Zuschlag hat nun das Bauunternehmen Hubert Schmid aus Marktoberdorf erhalten.

Die Kreisstadt verzichtet hingegen auf ihr Vorkaufsrecht, kann im Gegenzug von Hubert Schmid aber Flächen des ehemaligen Krankenhaus-Areals käuflich erwerben. Wie groß der Anteil am Kuchen ist, konnte auf der gemeinsamen Pressekonferenz am Donnerstag nicht abschließend geklärt werden. Es soll sich laut Marktoberdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell aber um mehr als die Hälfte der Fläche handeln.

Wie berichtet, hatte die Stadt Marktoberdorf im März 2015 eine Vorkaufsrechtssatzung für das ehemalige Klinikgelände erlassen. Im Juli 2015 folgte dann zeitgleich mit dem Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan „Hochwiesstraße“ der Erlass einer Veränderungssperre. Seither war das Areal immer wieder Gegenstand von Spekulationen, auch der Kauf der Firma Hubert Schmid wurde durch unsere Zeitung bereits thematisiert. Bei dem Verkauf an Hubert Schmid sei laut Bürgermeister Dr. Hell ein „für alle Beteiligten angemessener Preis“ ausgehandelt worden.

Harte Verhandlungen

Als bekannt wurde, dass das Marktoberdorfer Unternehmen durch den Klinik-Verwaltungsrat den Zuschlag bekommen würde, traten die Stadt und Hubert Schmid in „monatelange, zum Teil harte Verhandlungen“ ein, so Hell. Als Ergebnis präsentierten beide am Donnerstag nun einen Vertrag. Dieser beinhaltet den Verkauf eines „maßgeblichen Anteils“ der Fläche an die Stadt Marktoberdorf. Hier habe das Unternehmen beim Verkauf der Flächen an die Stadt laut Hell „keine Gewinnerzielungsabsicht“. Die Grundstücke werden also nicht teurer verkauft, als vom KU gekauft. Entgegen weitläufiger Gerüchte, das Objekt gebe es für einen symbolischen Euro, sagte Hell, das sei ein „Wunschgedanke, mehr nicht“. Die Aufteilung der Fläche soll nach Bekanntmachung des noch zu erarbeitenden Bebauungsplanes erfolgen. Im Gegenzug verzichtet die Stadt auf die Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts. Der Stadtrat billigte mehrheitlich den Vertrag in seiner Sitzung am vergangenen Montag.

„Wir sehen in der Firma Hubert Schmid einen kompetenten Partner, wenn es darum geht, das bisherige Krankenhausareal zeitnah einer zukunftsweisenden Bebauung zuzuführen. Die Stadt bringt die städtebauliche Kompetenz ein, die Firma Hubert Schmid verfügt über weitreichende Erfahrung in der Realisierung von Bauprojekten“, heißt es hierzu von Seiten der Stadt.

Auch das Bauunternehmen ist sich der städtebaulichen Bedeutung dieses Areals bewusst. „Die Stadt benötigt natürlich Flächen zur Schaffung von Infrastruktur und Wohnbauflächen für die Zukunft. Das Areal eignet sich bestens für eine Wohnbebauung, die für die Entwicklung der Stadt Marktoberdorf sehr wichtig sein wird“, erklärte Florian Schmid, Geschäftsführer von Hubert Schmid. So sei es von Anfang an das Bestreben gewesen, mit der Stadt Marktoberdorf auf der Fläche gemeinsam etwas zu verwirklichen.

Angesichts der Größe des Areals und der erhöhten Anforderung, was die Umwandlung des ehemaligen Krankenhausgeländes zu Bauland betrifft, hätten sich nun „zwei starke Partner im Sinne eines Zusammenwirkens von Kommune und Privatwirtschaft auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt“, betonen beide Vertragsparteien unisono. Beide erkennen darin eine für beide Seiten „vorteilhafte Lösung“. Denn auch bei einer Ausübung des gemeindlichen Vorkaufsrechts durch die Stadt hätte nach dem Willen des Gesetzgebers (§ 89 Baugesetzbuch, „Veräußerungspflicht“) bei Weiterveräußerung von Teilflächen der ursprüngliche Käufer bevorzugt berücksichtigt werden müssen.

Auch die Gefahr der Rückzahlung von Fördermitteln (laut Hell zwischen sechs und acht Millionen Euro), welche der Freistaat Bayern noch zu Zeiten des Betriebes gewährt hatte, konnte zwischenzeitlich ausgeschlossen werden. Allerdings musste sich der Käufer notariell zum zeitnahen Abbruch des Klinikgebäudes verpflichten. Die Arbeiten dafür sollen laut Schmid im Herbst beginnen. Hierfür ist eine genaue Vorbereitung und Planung nötig hinsichtlich Recyc­ling und eventueller Altlastenbeseitigung. Da das Gebäude im Jahr 1967 fertiggestellt wurde, könnten damals Materialien verwendet worden sein, die einer besonderen Entsorgung bedürfen, so Bürgermeister Dr. Wolfgang Hell.

Vor allem Wohnungen sollen entstehen

Ziel der Firma Hubert Schmid ist im Baugebiet Hochwiesstraße die Errichtung von Wohnungen. Dies umfasst sowohl den gehobenen Geschosswohnungsbau als auch Wohnungen für eigene Mitarbeiter.

Als Bauunternehmen vor Ort sei Hubert Schmid spezialisiert für die Bereiche Hochbau, Tiefbau, Abbrucharbeiten und das fachliche Know-How im Bereich Entsorgung und Recycling. Dies sei ein wichtiger Faktor für die gemeinsame Zusammenarbeit mit der Stadt Marktoberdorf. Darüber hinaus sollen die kompletten handwerklichen Leistungen überwiegend von ortsansässigen Arbeitskräften und Nachunternehmern aus der Region ausgeführt werden, verspricht das Unternehmen.

Auch die Stadt begrüßt den Umstand, dass die Firma Hubert Schmid im Baugebiet Hochwiesstraße neben anspruchsvollem Geschosswohnungsbau auch Betriebswohnungen erstellen will. Gerade letzteres trage zu einer Entlastung des angespannten Wohnungsmarktes im preiswerteren Segment bei und erfülle dadurch indirekt die Intention des sozialen Wohnungsbaus.

Schließlich sei es von Anfang an erklärtes Ziel des Stadtrates gewesen, Wohnraum für unterschiedliche Bevölkerungs- und Einkommensschichten zu schaffen, zusätzlich auch erforderliche Infrastruktureinrichtungen wie etwa eine Kindertagesstätte oder ein Wohnheim für Menschen mit Handicap.

Der Stadt sei bewusst, dass für viele Mitbürger die Krankenhausgeschichte mit vielen Emotionen verbunden gewesen sei. Die Stadt habe damals für den Erhalt des Krankenhauses gekämpft und verloren. Dies sei nun mal eine unveränderbare Tatsache und daher müsse man in die Zukunft blicken. „Nachdem dort keine Menschen mehr geheilt werden können, so sollen dort viele Bürgerinnen und Bürger gut und glücklich wohnen dürfen. Das wird ein ausgezeichneter Platz zum Leben“, erklärte Marktoberdorfs Bürgermeister abschließend.

Auch der städtische Bauamtsleiter Ralf Baur ergänzte, auf dem ehemaligen Krankenhausareal sollen „weder ein Ghetto, noch eine Luxusecke“ entstehen. Die zukünftigen Bewohner sollen demnach einen „Querschnitt der Bevölkerung“ darstellen. Hier entsprächen die Überlegungen des Stadtrats dem Konzept von Hubert Schmid.

Laut Baur stehe noch nicht fest, wie der „Stadtteil“ in Zukunft konkret aussehen wird. Hier werde es in gewohnter Weise eine Bauleitplanung geben, außerdem auch eine öffentliche Auslegung, bei der sich die Bürger zu Wort melden können sowie Beteiligungen von Betrieben.

von Martina Staudinger und Kai Lorenz

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