Mahnmal gegen die Vergessenheit

Gegen Vandalismus und Ignoranz

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Voll konzentriert hebt Graveur Daniel Gantz in mühevoller Handarbeit mit Hämmerchen und Mini-Meißeln Span um Span der Umrißlinien von der Metallplatte der Infotafel ab.

Kaufbeuren – Am Samstag, den 9. Mai um 15 Uhr werden an der Uhrfront der Leutelt-Schule „die Hüllen fallen“. Dann kann die für immer verlorene Plastik „Das Geheimnis“ zumindest durch eine Infotafel, die gleichzeitig Vandalismus und Ignoranz anklagt, im Gedächtnis bleiben.

Die mit Sockel etwa 1,50 Meter hohe Plastik, die auf einem Areal direkt vor der Gustav-Leutelt-Schule zwei verschmitzt lächelnde Lederhosenmätze zeigte, von denen einer dem anderen etwas ins Ohr „wischelt“, war den Neugablonzern seit Mitte der 1960er Jahre ein liebvertrauter Anblick. 

Als kleine Sehenswürdigkeit war die Skulptur auf der Kaufbeuren-Webseite mit aufgeführt. Hanne Wondrak (1909 bis 1992), die bekannte Gablonzer Künstlerin, hatte die Skulptur, für die ihre beiden inzwischen erwachsenen Neffen Modell gestanden hatten, seinerzeit der Stadt gestiftet – etwa um die gleiche Zeit wie die ebenfalls von ihrer Hand stammende, 1963 aufgestellte Vertriebenenplastik gegenüber der Herz-Jesu-Kirche. 

Noch einmal zur Erinnerung: Im Oktober 2014 berichtete der Kreisbote ausführlich darüber, wie und warum die Plastik „Das Geheimnis“ verschwunden ist: Im November 2013 wurde „Das Geheimnis“ von unbekannten Tätern umgeworfen und zerbrochen. Zu diesem Zeitpunkt hätte man die Skulptur laut Einschätzung einer Spezialistin für Betonrestaurierung durchaus noch reparieren können. 

Da sich jedoch niemand darum kümmerte, die entsprechenden Fachleute zu informieren, landeten die Bruchstücke im Februar 2014 im Beton-Schredder des Bauhofs. Da bei der Herstellung der Betongussplastik die Technik der „verlorenen Form“ angewandt wurde, lässt sich die Figur nicht einmal dann rekonstruieren, wenn sich ein potenter Sponsor findet. Damit ist ein Stück Neugablonzer Identität unwiederbringlich zerstört. 

Offenbar scheint in diesem Zusammenhang in der städtischen Verwaltung vieles schiefgelaufen zu sein. Baureferent Helge Carl regte damals jedenfalls an, zukünftig die Mitarbeiter für solche Themen sensibilisieren zu wollen. Nicht zuletzt aufgrund der Berichterstattung im Kreisbote bemühte sich die Stadt aber um eine Art „Wiedergutmachung“. 

Die Stadtspitze war mit Eva Maria Simon, der Tochter der Künstlerin und Leiterin des Ortsbildungsausschusses Neugablonz jedenfalls einig, dass dieses Werk von Hanne Wondrak nicht sang- und klanglos in Vergessenheit geraten darf. Daher autorisierte Oberbürgermeister Stefan Bosse den Baureferenten Carl, eine Erinnerungstafel an die zerstörte Plastik in Auftrag zu geben und an der Leutelt-Schule anbringen zu lassen. 

Mit der Anfertigung der Infotafel nach einer von Eva Maria Simon gutgeheißenen Zeichnung wurde Daniel Gantz beauftragt. Sein Entwurf eines Glasanhängers zum Motto des Schwabentags 2012 hatte dem jungen Graveur bereits als Schüler der Neugablonzer Berufsfachschule für Glas- und Schmuck eine Prämierung eingebracht (wir berichteten). 

Derzeit steckt er mitten in Abiturvorbereitungen mit dem Ziel, anschließend Kunst zu studieren. Eva Maria Simon hielt es für eine gute Idee, mit der Schaffung der Infotafel zur Erinnerung an ein Werk ihrer Mutter gleichzeitig einen angehenden Künstler zu fördern. 

Die Tafel wird an der Uhrfront der Leutelt-Schule angebracht und soll am 9. Mai um 15 Uhr (bei jedem Wetter) im Beisein von Eva Maria Simon und allen interessierten Bürgern offiziell enthüllt werden. Am 3. Mai wäre die Künstlerin Hanne Wondrak 106 Jahre alt geworden.

von Ingrid Zasche

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