Landkreis plant Aktionsplan zur "Inklusion"

Recht auf Teilhabe

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Landrätin Maria Rita Zinnecker will in Sachen Inklusion Tempo machen.

Landkreis – Nach der Bundesregierung und dem Freistaat Bayern geht auch der Landkreis Ostallgäu nach eigener Meldung das Thema Inklusion verstärkt an.

Mit einem kommunalen Aktionsplan soll die Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention auf den Weg gebracht werden. Alle Menschen sind – auch laut Grundgesetz – von Geburt an frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Ein solches Recht ist auch die Teilhabe an der Gesellschaft, die Inklusion. Sie wurde 2008 von den Vereinten Nationen als Menschenrecht für Menschen mit Behinderungen erklärt. 

Inklusion (lateinisch „Enthaltensein“) bedeutet, dass alle Menschen selbstbestimmt am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Denn noch immer werden Menschen mit einem Handicap, mit einer wie auch immer gearteten Behinderung, aus dem normalen Leben ausgeschlossen. Manchmal bewusst, meist aber eher unbewusst. Das beginnt schon bei solch einfachen Dingen wie einer Türschwelle oder einer zu schmalen Tür, durch die ein Rollstuhl nicht hindurchpasst. Und reicht über die Bildung und Erziehung, die Ausbildung und Lehre über den Beruf bis hin zur Mobilität (Öffentlicher Nahverkehr), den Tourismus, Kultur, Freizeit und Sport. Nicht zu vergessen das Bauen und Wohnen, aber auch Pflege und Vorsorge sowie die Kommunikation. 

9000 Betroffene 

Das sind auch die Themen, die man seitens des Landkreises Ostallgäu, genauer gesagt durch die Koordinationsstelle für Bildung und Inklusion, nun angehen möchte. Nachdem am „Runden Tisch“ bereits die Themenschwerpunkte festgelegt wurden, sind nun die Betroffenen – aber nicht nur die – gefragt. „Offiziell gibt es um die 9000 Menschen mit Behinderung im Ostallgäu“, erläuterte Landrätin Maria Rita Zinnecker (CSU) jetzt bei der Vorstellung des Aktionsplans im Landratsamt. 

Barrierefrei bis 2023 

Dabei würden allerdings nur die gezählt, die einen Schwerbehindertenausweis haben, den es ab 50 Prozent Behinderung gibt. „Die Dunkelziffer liegt aber höher, geschätzt bei 12.000“, so Zinnecker weiter. Dazu zählen etwa Menschen, die im Laufe der Zeit schwerhörig geworden sind. Nachdem auf Bundes- und Landesebene entsprechende Aktionspläne bereits in die Wege geleitet wurden, „wollen wir das auf Landkreisebene auch vorantreiben“, bekräftigte die Landrätin die Pläne bei einem Mediengespräch. Ziel sei die Barrierefreiheit bis zum Jahr 2023. Davor aber gehe es um „die Barrieren, die wir im Kopf abbauen müssen“. 

Mit dem Aktionsplan soll zunächst eine Bestandsaufnahme gemacht, anschließend Umsetzungsstrategien erarbeitet werden. „Dafür wollen wir die Betroffenen mit einbinden“, skizzierte Zinnecker das Vorgehen. Es gebe viel zu tun bis zum Jahr 2023 und es sei klar, dass man nicht alles bis dahin möglich machen könne. Aber, betonte die Landrätin, „Wir machen uns auf den Weg“. Ansprechpartner für weitere Fragen zum Thema ist Dr. German Penzholz, der Bildungs- und Inklusionsbeauftragte des Landkreises, den man im Landratsamt oder über seine E-Mail-Adresse erreichen kann. Zur Thematik fand am Dienstag (nach Redaktionsschluss) eine Auftaktveranstaltung für den Aktionsplan im Modeon in Marktoberdorf statt. Über die Ergebnisse wird im Kreisbote zeitnah berichtet. von Oliver Sommer

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