Stadt plant Integrationsgruppe für Flüchtlingskinder

"Für alle Kinder ein Gewinn"

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Stayesh (4) und Chatera (5), beide ganz rechts, sind als Flüchtlinge in Kaufbeuren angekommen und fühlen sich mittlerweile wohl in der Kindertagesstätte der AWO in Oberbeuren. Die Erzieherinnen Beate Eder (li.) und Grace Msombe fördern bewusst den Kontakt mit den deutschen Kindern.

Kaufbeuren – Der Besuch eines deutschen Kindergartens ist für Kinder aus Flüchtlingsfamilien eine gute Möglichkeit, ihre neue Heimat kennen zu lernen und mit der hiesigen Kultur in Kontakt zu kommen.

Um den Neuankömmlingen den Übergang möglichst leicht zu machen, arbeiten Stadt, Kindergärten und Schulen schon länger zusammen. Weil das deutsche Kindergarten-System aber vielen Flüchtlingsfamilien nicht bekannt ist, möchte die Stadt nun zusätzlich eine sogenannte Integrationsgruppe ins Leben rufen. Beginnen soll das Projekt Anfang April, Träger soll die Katholische Jugendfürsorge sein. Das Konzept wurde im jüngsten Jugendhilfeausschuss näher vorgestellt. 42 Kinder aus Flüchtlingsfamilien sind derzeit in 13 Kaufbeu­rer Kindergärten und Horten untergebracht. Das klappt laut Aussage von Ulrike Villa-Fuchs, zuständig für Kindertageseinrichtungen beim Kaufbeurer Jugendamt, „in den meisten Fällen gut“ – obwohl es so etwas wie einen Kindergarten in vielen Herkunftsländern wie Syrien oder Afghanistan in der hiesigen Form nicht gebe und die Eltern deshalb nicht selten Berührungsängste hätten. Deshalb möchte die Stadt mittels einer Integrationsgruppe den Eltern das deutsche Betreuungssystem nahe bringen.

„Durch die Fluchterfahrung, den Kulturschock oder aus persönliche Gründen wollen viele Eltern ihre Kinder nicht loslassen. Für die Kinder ist der Besuch einer hiesigen Betreuungseinrichtung aber auf jeden Fall ein Gewinn“, so Villa-Fuchs. Angedacht ist deshalb von Seiten der Verwaltung, dass künftig eine Kinderpflegerin zweimal wöchentlich für jeweils drei Stunden in Kaufbeuren und Neugablonz eine niederschwellige Kinderbetreuung in eigenen Räumen anbieten soll. Hier können Mutter oder Vater dabei sein. Zehn bis zwölf Kinder soll eine Gruppe umfassen. Ziel ist es, die Kinder mittelfristig in eine örtliche Kinderbetreuung zu integrieren. Die Kosten belaufen sich dabei – abzüglich Trägeranteil – für die Kommune auf geschätzte 17.500 Euro pro Jahr.

Als Kooperationspartner hat die Stadt laut Alfred Riermeier, Leiter des Jugend- und Familienreferats, die katholische Jugendfürsorge gewinnen können, welche in Kaufbeuren bereits die Trägerschaft für das Kinderhaus St. Josef und den Katholischen Kinderhort inne hat. Angedacht sei zunächst eine Befristung des Projekts auf ein Jahr. Dieses sei allerdings keine „Extra-Wurst“ für die Flüchtlinge, so Villa Fuchs. Schon seit Jahren gebe es ähnliche niederschwellige Projekte für alle Einwohner Kaufbeurens. „Wir machen für die Flüchtlingskinder nichts anderes, als wir auch für Kinder aus deutschen Familien oder aus Migrantenfamilien tun. Die Stadt und die Bildungseinrichtungen sind grundsätzlich immer bemüht, bedarfsgerechte Projekte anzubieten, die es den Kindern und ihren Familien möglichst leicht machen sich in das bestehende System zu integrieren“, erklärte Ulrike Villa-Fuchs.

Das dies bei den Flüchtlingsfamilien nicht „von heute auf morgen“ funktioniere, sei klar – „die Menschen müssen sich nach ihrer Ankunft und den teils schrecklichen Erlebnissen der Vergangenheit hier erst einmal zurechtfinden“. In der AWO-Kindertagesstätte in Oberbeuren beispielsweise sieht man die Initiative der Stadt positiv. „Die Neuzugänge aus Flüchtlingsfamilien sind für uns eine Bereicherung. Das Sozialverhalten aller Kinder, der Umgang mit fremden Kulturen und Sprachbarrieren – all dies wird gestärkt und kommt der Entwicklung der Kinder zugute, so die Leiterin der Einrichtung, Gertraud Echter-Burkhardt. Schon seit Jahren und nicht erst seit Ankunft der Flüchtlingsfamilien verfolge man hier ein multikulturelles Konzept. So gebe es in der Einrichtung eine rein englischsprachige Erzieherin, außerdem habe man nun das Glück gehabt, eine vakante Stelle kürzlich mit einer Erzieherin besetzen zu können, die neben deutsch auch arabisch spricht. „Es ist aber auch spannend, zu sehen, wie die Kinder über Sprachbarrieren hinweg direkt miteinander kommunizieren“, so Echter-Burkhardt.

Unterstützt werde dies durch die offene Konzeption der Einrichtung, bei der die Kinder gruppenübergreifend miteinander in Kontakt kommen. So manche Barriere ist allerdings nicht so leicht zu überwinden: „Ich habe jetzt noch nicht so viel mit den Flüchtlingskindern gespielt“, sagt der fünfjährige Felix. Allerdings nicht, weil die eine andere Hautfarbe, andere Haare oder eine fremde Sprache haben – „das liegt daran, weil es hier fast alles Mädchen sind“, sagt Felix – und lacht.

Von Michaela Frisch

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