Jubelnder Barock

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Die Aurelius Sängerknaben Calw und ein Instrumentalensemble des „studio XVII augsburg“ mit Roland Götz am Orgelpositiv unter der Gesamtleitung von Bernhard Kugler in der Klosterkirche Irsee.

Irsee – Der Chor der Aurelius Sängerknaben Calw – 26 junge Sänger von zehn bis 19 Jahren in den Stimmlagen Sopran, Mezzosopran, Alt und nach dem Stimmbruch Tenor und Bariton – kam in der jubelnden Barockarchitektur der Klosterkirche Irsee aufs Schönste zur Geltung, als dort die unter dem Namen „Irseer Psalter“ bekannten Vesperpsalmen des Irseer Musik-Priors Meinrad Spieß aufgeführt wurden.

Immer wieder durfte ein anderer Sängerknabe vortreten und mit glockenreiner Stimme ein Solo singen. Begleitet wurden sie unter der Gesamtleitung von Bernhard Kugler von einem Instrumentalensemble des „studio XVII augsburg“ mit Roland Götz am Orgelpositiv, Jane Berger und Ilona Sieg mit Barockviolinen, Susanne Zippe und Simon Steinkühler mit Barockviolen, Elisabeth Mergner am Barockfagott und Günter Holzhausen an der Violone. 

Das Konzert fand nicht nur anläßlich des 309. Jahrestags der Grundsteinlegung von Kloster Irsee statt. Dr. Stefan Raueiser, Leiter des Schwäbischen Bildungszentrums Irsee, rief gleichzeitig in Erinnerung, dass der Berzirk Schwaben vor 42 Jahren beschlossen hatte „ein halb verfallenes Klostergebäude mit einer schrecklichen jüngeren Vergangenheit nicht etwa dem allseits – übrigens auch bereits in Irsee – akzeptierten Verfall preiszugeben, sondern einer siebenjährigen Generalsanierung zu unterziehen, so dass Kloster Irsee durch den Dreiklang von Bildungsarbeit, Kulturangeboten und Tagungszentrum neu belebt ist“. Und dass man somit nicht nur auf 300 Jahre barocke Musikkultur in Irsee zurückblicken könne, sondern auch kurz vor dem 35. Geburtstag des Schwäbischen Bildungszentrums stehe. 

In diesem Konzert wurden erstmals nach rund 300 Jahren aus den Psalmen-Vertonungen von Meinrad Spieß (1683 bis 1761) die vier Sonntags-Psalmen 109 bis 112 und ein Magnificat wieder zu Gehör gebracht. Der damals gerade 34-jährige Irseer Chordirektor hatte diese im Jahr 1717 als Opus II „Cithara Davidis noviter animata (= Davids Harfe neu belebt)“ beim bischöflichen Drucker Leonhardus Parcus veröffentlicht. Gleichzeitig bestimmte er, dass – um so frischen Wind in die tägliche Routine des Psalmen-Gebets zu bringen – wöchentlich nur ein Psalm konzertant aufzuführen sei, die übrigen sollten nach wie vor rezitiert werden. 

Um dem Publikum den Zugang zu den lateinischen Texten zu erleichtern, erfolgte jeweils vor dem Gesang eine Lesung der Texte auf deutsch, abwechselnd durch die Lektorin der Pfarrgemeinde Irsee, Franziska Rauchenecker, und durch Dr. Raueiser. Roland Götz, Experte für Alte Musik, gab einen kurzen Überblick über Leben und Werk des Irseer Musik-Priors, der ein Zeitgenosse von Bach und Händel war. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem Beifall für einen ergreifend schönen Abend.

von Ingrid Zasche

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