Jäger wollen weniger schießen

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Der 1. Vorsitzende der Jägervereinigung Marktoberdorf, Alois Altmann (Mitte), freute sich über das Ehrenzeichen des bayerischen Jagdverbandes. Bei der Hegeschau mit dabei waren außerdem Oberregierungsrat und Abteilungsleiter beim Landratsamt Ostallgäu Ralf Kinkel (v. li.), der Präsident des BJV Prof. Dr. Jürgen Vocke, die Leiterin der Unteren Jagdbehörde Sandra Hartmann, MdL Angelika Schorer, BJV-Vizepräsident Moritz Fürst zu Oettingen-Wallerstein, Landrätin Maria Rita Zinnecker, die schwäbische Bezirksvorsitzende der Jägerinnen und Öffentlichkeitsbeauftragte Paula Wölfle sowie Adolf Stegmann, der in 2015 als einziger einen „Einser-Hirsch“ im Gebiet der Jägervereinigung MOD geschossen hat.

Marktoberdorf – Die Balance wahren zwischen Naturschutz, Wald und Wild – das ist nicht immer einfach, wie Maria Rita Zinnecker weiß. Die jährliche Hege- und Naturschutzschau der Marktoberdorfer Jägervereinigung, auf der auch die Ostallgäuer Landrätin zu Gast war, bildet neben der Ausstellung der Jagdtrophäen stets auch ein Forum zum Austausch zwischen Land- und Forstwirtschaft, Jagdvertretern und Politik.

Einen Erfolg gab es diesmal für das Anliegen der Jäger zu verzeichnen: In allen fünf Hegeringen des mittleren Landkreises wird für die kommenden drei Jahre empfohlen, den Abschuss beim Rehwild nicht zu erhöhen, sondern in der bisherigen Menge beizubehalten. 

Es ist der klassische Disput zwischen Waldbesitzern und Jägern: Wenn der sogenannte „Verbiss“, also der Schaden an Bäumen und Pflanzen durch Wild, der Forstbehörde zu hoch erscheint, sollen die Jäger mehr schießen. Doch die plädieren generell für niedrigere Abschusszahlen: „Das Wild gehört zum Wald mit dazu“, so die grundsätzliche Forderung auch von Alois Altmann, 1. Vorsitzendem der Jägervereinigung Marktoberdorf. Weil das forstliche Gutachten zum Verbiss in 2015 im Vergleich zu 2012 in allen fünf hiesigen Hegeringen gut ausgefallen ist, wurde der Soll-Abschuss beim Rehwild nicht erhöht, sondern beibehalten. „Das ist ein Erfolg. Unser Anliegen ist aber weiterhin eine Senkung der Abschusszahlen“, so Jagdberater Christian Löwenmuth. 

Er appellierte in diesem Zusammenhang an alle Jäger, Revierbegehungen zusammen mit den Forstbeamten durchzuführen. So könnten unterschiedliche Wahrnehmungen der Verbiss-Situation schon im Vorfeld geklärt werden. „Getreu dem Motto: Miteinander reden“, so Löwenmuth. Zuletzt hatten die Jäger im mittleren Landkreis den Jahresabschuss beim Rehwild zu 83,4 Prozent erfüllt, beim Rotwild in den Revieren der Hochwild-Hegegemeinschaft lag die Quote bei 67 Prozent. 

Rindertuberkulose durchweg negativ getestet 

Alois Altmann dankte den anwesenden Jägern nicht zuletzt für die Eindämmung von Fuchsbandwurm und Räude. Auch das Schwarzwild, bei dem im Altlandkreis Marktoberdorf mit einer Strecke von 72 Stück im mittleren Landkreis Ostallgäu 2015 ein neuer Höchststand zu verzeichnen war, müsse konsequent bejagt werden. Bei letzterem zeigte sich bei den standardmäßigen Messungen – fast 30 Jahre nach Tschernobyl – in über 50 Prozent der Fälle eine Strahlenbelastung über 600 Bequerel pro Kilo. Ab diesem Wert darf das Fleisch nicht mehr zum Verzehr angeboten werden. 

Gute Nachrichten gibt es laut Land­rätin Zinnecker dagegen beim Thema Rindertuberkulose: Alle Proben aus den Ostallgäuer Rotwildgebieten seien zuletzt negativ gewesen. „Man kann wohl bereits sagen, dass vom Rotwild in unserem Landkreis keine relevante Infektionsgefahr für das Weidevieh ausgeht“, so Zinneckers Resümee. Anders im südlichen Oberallgäu: Dort seien 2015/2016 wieder acht Stück Rotwild positiv getestet worden. Einen kurzen Überblick zu den Wildunfällen gab Klaus Wobst , Verkehrssachbearbeiter bei der Polizeiinspektion Marktoberdorf. Deren Zahl ist 2015 im Ostallgäu erneut gesunken – um 5,6 Prozent auf 792 Unfälle. 

Plädoyer für tierschutzgerechte Jagd 

Lob für die Hegeschau gab es von der Landtagsabgeordneten Angelika Schorer. Die Veranstaltung gebe stets einen guten Überblick über die Belange des Jagdwesens und den Ist-Stand im Ostallgäu. Die politischen Anliegen der Jäger brachte Prof. Dr. Jürgen Vocke in seiner Rede zur Sprache: Die langfristige Akzeptanz der Jagd in der Öffentlichkeit hänge vorrangig von einer streng tierschutzgerechten Ausübung ab. „Gegen vereinzelte Forderungen nach Jagdmethoden, die gegen Waidgerechtigkeit und Tierschutz stehen, wie zum Beispiel die Jagd mit Nachtsicht- und Nachtzielgeräten oder eine Verlängerung der Jagdzeiten, müssen alle Beteiligten deshalb klar Stellung beziehen“, so Vocke. 

Vorsitzender Alois Altmann will aufhören 

Eine Überraschung für manch Anwesenden war die Ankündigung des 1. Vorsitzenden Alois Altmann, seinen Posten nach rund 25 Jahren aufgeben zu wollen. „Das ist voraussichtlich meine letzte Hegeschau als Vorsitzender“, so der 78-jährige aus Lengenwang, der für seine Verdienste das Ehrenzeichen des bayerischen Jagdverbandes verliehen bekam. Neuwahlen soll es im Herbst geben. Seine persönlichen Highlights seien die Zusammenarbeit mit den Verbänden, die Ausrichtung des Landesjägertags 2006 im Modeon gewesen, ebenso die verschiedenen Projekte mit Kindern wie ein Malwettbewerb des BJV oder eine Baumpflanzaktion in Lengenwang.

von Michaela Frisch

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