Der Kreisbote lässt die wichtigsten Ereignisse Kaufbeurens Revue passieren

Zwölf Monate mit großen Projekten

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Realität und Planung: das Modell des Fachmarktzentrums vor dem noch realen Hintergrund des Standortes.

Kaufbeuren – Am Ende eines Jahres werfen viele Menschen einen Blick zurück und ziehen beruflich oder auch ganz persönlich eine Bilanz der vergangenen zwölf Monate. Auch der Kreisbote mit seiner Geschäftsstelle und Redaktion in Kaufbeuren hat dies getan. Es gab viele Ereignisse, über die berichtet worden ist. Einige lassen wir Revue passieren und stellen sie Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, in einer kleinen Auswahl nachfolgend zusammengefasst dar. 

Kommunalwahl 

Nach den Bundes- und Landtagswahlen wurden die Bürger im März an die Wahlurnen gerufen, um ihre Kommunalvertreter zu wählen. In Kaufbeuren traten mit Stefan Bosse (CSU), Catrin Riedl (SPD) und Johannes Espermüller (FDP) drei Kandidaten um das Amt als Stadtoberhaupt an. Bosse als amtierender Oberbürgermeister setzte sich mit rund 57 Prozent durch. Einen herben Rückschlag erlebte die Fraktion der CSU: Sie verlor fünf ihrer bis dahin 20 Sitze und büßte damit die absolute Mehrheit ein. Elf neue Mitglieder zogen in den aus CSU, FDP, FW, Grüne, KI und SPD bestehenden 40-köpfigen Stadtrat ein. Die Wahlbeteiligung betrug 46 Prozent. 

Im Landkreis setzte sich Maria Rita Zinnecker (CSU) nach einem engagiert geführten Wahlkampf als erste Frau für das Amt einer Landrätin im Ostallgäu nach einer Stichwahl durch. Die frischgebackene Landrätin und der wiedergewählte Kaufbeurer OB freuten sich auf eine zukünftige gute Zusammenarbeit. Große Enttäuschung herrschte beim Verlierer und Amtsinhaber Johann Fleschhut (FW), der insbesondere in der Schließung von zwei Kliniken den Grund für seine Wahlniederlage sah. 

Eisstadion 

Im Juli hat der Stadtrat in einem anderen Fall ebenfalls die Weichen gestellt: Der Wunsch nach einem Ratsbegehren für einen Bürgerentscheid fand keine Mehrheit im Gremium. Dabei geht es um den Bau eines neuen Eisstadions. Die Stadt hatte das nicht mehr instandsetzungsfähige Stadion vom Eissportverein Kaufbeuren (ESVK) erworben. Geplant ist ein neues Eisstadion im Bereich der Trainingsplätze der Spielvereinigung Kaufbeuren mit einer Kapazität von maximal 3500 Zuschauern, welches den Rahmenbedingungen für die Spielkonzession eines Profivereins entspricht und nach derzeitigem Stand etwa 20 Millionen Euro kosten soll. 

Fachmarktzentrum 

Seit Längerem währt in der breiten Öffentlichkeit eine heftige Diskussion um die weitere Gestaltung des altstadtnahen Quartiers „Forettle“. Während ein Teil der Bevölkerung gerne ein „neues Stadtviertel“ auf den Gelände hätte, unterstützt ein anderer Teil die von der Stadtratsmehrheit gewünschte und im Bebauungsplanentwurf beschlossene Errichtung eines Fachmarktzentrums (FMZ), für die es einen Berliner Investor gibt. 

Vergangene Woche hat der Stadtrat nun durch Änderung des bisherigen Satzungsbeschlusses dem Investor Baurecht für das FMZ eingeräumt. Bei zwei am erforderlichen Quorum gescheiterten Bürgerentscheiden im Juli hatten sich schon deutlich mehr Bürger für eine Fortführung der Planung zu einem FMZ, als für die Neuplanung des gesamten Gebietes vom Forettle bis zum Bahnhof mit Wohnbebauung und Gewerbe entschieden. Für das FMZ sind bisher 7300 Quadratmeter Verkaufsflächen (VK) vorgesehen, insgesamt wären 8500 Quadratmeter VK möglich. 

Neue Vereine 

Bereits zum Jahresende 2013 hatte sich mit dem „Bürgerforum Kaufbeuren e. V.“ ein Verein zur Unterstützung einer aktiven Beteiligung und bürgerschaftliches Engagement von Bürgerinnen und Bürgern an der Entwicklung von Stadt und Region sowie der Förderung des Heimatgedankens gegründet. Sein Zweck ist gemäß Satzung unter anderem die Entwicklung hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft insbesondere unter Berücksichtigung der Belange zukünftiger Generationen. 

Die Wählerinitiative „Mein Aktives Kaufbeuren e. V.“ (MAK) gründete sich im März. Sie versteht sich als Interessenvertretung kommender Generation und junger Familien und tritt nach eigener Darstellung unter anderem für einen Dialog zwischen allen Bevölkerungsgruppen und Generationen ein. Das Ziel von MAK ist die Verwirklichung echter Bürgerbeteiligung, vor allem für junge Menschen und Familien. MAK will bei zukünftigen Kommunalwahlen im Stadtrat Mandate erreichen. 

Der Verein „Neues Kaufbeuren e.V.” hat sich im August formiert. Er sieht sich als eine partei- und stadtteilunabhängige Gruppierung mit einer Plattform für alle Bürger, welche die Konsensfähigkeit fördert und langfristig die Information der Bevölkerung und das Aufzeigen von alternativen Lösungsansätzen in allen Politikbereichen anstrebt. Eines der kurzfristigen Ziele des Vereins ist die Initiierung eines Bürgerbegehrens gegen einen Eisstadionneubau. 

Geothermie-Projekt 

Ruhig geworden ist es derzeit um das in unmittelbarer Nachbarschaft zu Kaufbeuren auf Mauerstettener Grund liegende Geothermie-Projekt der Firma Exorka. In Teilen der Bevölkerung hatte sich aus Befürchtungen vor möglichen Gefahren gegen das aus ihrer Sicht als „Fracking“ bezeichnete Verfahren ein teils massiver Protest gerichtet. Obwohl die Zustimmung vom Bergamt Süd vorliegt, ist ein Beginn der Arbeiten aber noch nicht in Sicht. Geplant und genehmigt waren eine „Stimulation der Erdschichten in 4.500 Metern auf hydraulisch-chemischem Weg“ – so die offizielle Bezeichnung der Geneh- migung. 

Nun könnte eine weniger effiziente Nutzung der Bohrung zum Tragen kommen. Dabei wird das Gestein über das vorhandene Bohrloch mit einer sogenannten „Tiefenwärmesonde“ quasi als „Wärmetauscher“ lediglich zur Produktion von Wärme, nicht von Strom, genutzt. Der Einsatz von Druck und Chemikalien würde entfallen. Die Gemeinde mit Bürgermeister Armin Holderried prüft nach eigener Darstellung noch sorgfältig, welche „tragfähige und einvernehmliche Lösung“ für das 1,8 Hektar große Grundstück erreicht werden könne.

Veränderungen im und am Fliegerhorst 

Immer wieder rückt der Fliegerhorst in den Fokus der Öffentlichkeit. Mal lauter, mal spektakulär, mal mehr nach innen gerichtet. Nach mehrmaligen Anflügen der Landebahn landete im September ein Luftfahrzeug vom Typ „Eurofighter Typhoon“ (EF) im „Tiger“-Anstrich auf dem Flugplatz des Technischen Ausbildungszentrums der Luftwaffe (TAusbZLw) in Kaufbeuren. Der Jet gehört zum Taktischen Luftwaffengeschwader 74 aus Neuburg (TaktLwG 74) und ersetzt zukünftig ein Flugzeug in der Ausbildung des technischen Personals. Das Flugzeug wir nun für die Ausbildung von Personal in den Bereichen Technik und Avionik genutzt. Die Maschinen werden routinemäßig immer wieder ausgetauscht, damit der jeweils aktuelle Änderungszustand auch in der Ausbildung verfügbar ist. 

Im Oktober bot sich dann der breiten Öffentlichkeit in Kaufbeuren ein wahrlich nicht alltägliches Bild. Im Schritttempo rollte ein Eurofighter (EF) fest verzurrt auf einem Schwerlasttransporter durch die Straßen. Dabei legte er den Weg vom Fliegerhorst bis zur B12 nahezu im Schritttempo zurück. Das bisher in der Ausbildung genutzte Flugzeug war weitestgehend demontiert worden. Mit Tiefladern wurde es zur Industrie gebracht und wird dort im Rahmen einer umfangreichen Instandsetzungsmaßnahme wieder für den Einsatzflugbetrieb vorbereitet. Etliche Sicherheitskräfte begleiteten den Transport, viele Schaulustige hatten sich entlang der Straßen eingefunden, um den Transport des 16 Meter langen und elf Meter breiten Flugzeugs zu sehen. 

Mehr nach innen gerichtet war der im Juli erfolgte Kommandowechsel der Abteilung Süd am Technischen Ausbildungszentrum der Luftwaffe auf dem Fliegerhorst. Oberst Harald Burghardt wurde in den Ruhestand versetzt, als Nachfolger trat Oberstleutnant im Generalstab (i. G.) Dr. Volker Pötzsch seinen Dienst an. Den Kommandowechsel in Form eines militärischen Appells vollzog der Kommandeur des TAusbZLw, Oberst Peter Kraus, dessen Sitz in Faßberg ist. Zahlreiche Gäste aus Politik und Wirtschaft und viele Ehemalige nahmen neben den Angehörigen der Schule an der Zeremonie teil, darunter auch Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe aus dem Verteidigungsministerium. 

Fliegerhorstsiedlung 

Außerhalb des Kasernenzaunes machte die unmittelbar angrenzende Fliegerhorstsiedlung von sich reden. Die von den amerikanischen Streitkräften nach dem Zweiten Weltkrieg im Rahmen der Übernahme des Fliegerhorstes errichtete Siedlung für ihre Angehörigen war 2013 vom Bund verkauft worden. Die zuständige Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) hatte im Zuge eines Bieterverfahrens das gesamte Gelände in einer Größe von 7,8 Hektar mit 14 Wohnblöcken und 216 Wohneinheiten an einen Münchner Investor veräußert. 

Die damit verbundenen Abkoppelungen von Ver- und Entsorgung sowie der Heizung sorgten bei einigen Mietern zum Herbstbeginn für Unruhe. Hintergrund war die noch nicht fertiggestellte neue stationäre Heizungsanlage. Doch die vom Vermieter zugesagte Wärmeversorgung zum 1. November wurde eingehalten und die zuvor als Notlösung verteilten elektrischen Heizgeräte wurden wieder entbehrlich. Der neue Eigentümer erschließt außerdem in naher Zukunft auf dem bestehenden Areal der Siedlung Grundstücke für die Errichtung von 50 Eigenheimen. 

HAWE-Werk 

Im September eröffnete das Unternehmen „HAWE Hydraulik“ offiziell sein neues Werk neben der Bundesstraße 12. Das architektonisch beeindruckende Gebäude bezeichnete Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner in ihrer Ansprache in Bezug auf Effizienz, Energiekonzept und die modern gestalteten Arbeitsplätze von einer „echten Zukunftsfabrik“. 

Die vier Hallen mit etwa 30000 Quadratmetern Produktionsfläche auf einer 20 Fußballfeldern entsprechenden Fläche hatte ein Investitionsvolumen von 100 Millionen Euro und bietet zunächst 400 Arbeitsplätze. Das weltweit tätige Unternehmen produziert in Kaufbeuren HAWE Hydraulikventile für Betonpumpen, Kräne, Bohrgeräte und Baumaschinen. Kaufbeuren hatte sich unter 300 Bewerbern als Standort durchgesetzt. 

Klinikum Ostallgäu-Kaufbeuren 

Nach nunmehr 20-jähriger Bauzeit konnten die Umbaumaßnahmen am Kaufbeurer Klinikum im Oktober abgeschlossen werden. Damit verfügen der Landkreis Ostallgäu und die Stadt Kaufbeuren über ein modernes Krankenhaus der Versorgungsstufe 1, in dem jährlich rund 45.000 Patienten ambulant und 20.000 Patienten stationär auf hohem medizinischem Niveau versorgt werden können. Gefeiert wurde dies mit einem „Tag der offenen Tür“ mit „Medizin zum Anfassen“, wie Vorstand Dr. Philipp Ostwald feststellte. 

Auch das Notfallzentrum mit Oberarzt Dr. Christof Albert werde nach dessen Worten den deutlich gestiegenen Anforderungen durch Ausbildung des Personals und veränderten Ablaufstrukturen Rechnung getragen. Endgültig geklärt ist aber nach wie vor nicht die noch offene Frage der ausstehenden Defizit-Regelung des Klinikverbundes zwischen Stadt und Landkreis. 

Das „Kinderhaus am Klosterwald“ hatte mit Jahresbeginn seinen Betrieb aufgenommen. Die ersten Kinder begannen mit ihren Elternteilen eine Eingewöhnungszeit mit langsamen ersten Kontakten sowohl mit den Erziehern als auch mit anderen Kindern. Die anfänglich noch nicht ausgelastete Einrichtung für maximal 24 Kinder in der Krippe und 50 Kinder im Kindergarten hat sich mittlerweile weiter gefüllt. Zurzeit sind dort insgesamt rund 50 Kinder untergebracht, sowohl von Angehörigen des Klinikums als auch von außerhalb. von Wolfgang Becker

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