Ein See hat Geburtstag

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Lauschiger Platz: Das Naherholungsgebiet rund um den See bietet viele schöne Ausblicke. An einigen wird auch die Verkrautung sichtbar.

Kaufbeuren – Ausgerechnet an seinem Geburtstag beschert man dem Bärensee weniger Wasser (siehe extra Artikel). Doch die idyllischen Plätze sind dennoch geblieben und in einigen Tagen erreicht er wieder seine alte Größe von etwa 50 Hektar Wasseroberfläche.

Das Aufstauen der Wertach mit dem Bau der Staumauer und dem Kraftwerk vor 60 Jahren war wegen der Überflutung großer Auen nicht unumstritten. Heute ist der See nicht nur bei Seglern und Fischern ein beliebtes Naherholungsziel. Doch seit einigen Jahren kämpft das Gewässer mit einer starken Verkrautung und die Badequalität ist laut Hinweistafeln eingeschränkt.

Der Bärensee verdankt seinen Namen keineswegs dem Bären, sondern dem männlichen Hausschwein, das im Dialekt „Saubär“ genannt wird. In früheren Jahren hatten die Bauern ihr Schweine zum Sattfressen in den Eichenwald an der Wertach getrieben. Der Wald wurde zum Bärenwald und als ein erheblicher Teil des Waldes im See untergegangen war, wurde der See zum Bärensee. Seine Entstehung verdankt er dem Umstand, dass Anfang der 1950er Jahre die Kaufbeurer Baumwollspinnerei Momm den wachsenden Energiebedarf preiswert aus eigener Wasserkraft erzeugen wollte.

Auwald überflutet

Der Bau war seinerzeit umstritten, da Auwaldbereiche überflutet wurden und aufgrund von Streitigkeiten mit den Grundstückseigentümern konnte der See nicht in seiner vollen Größe verwirklicht werden. Die Uferlinien des Sees orientieren sich weitgehend am ursprünglichen Flusslauf, der an dieser Stelle früher in weit ausholenden Schleifen verlief. Eine davon wurde durch einen 200 Meter langen Durchstich abgeschnitten, um den Hochwasserschwall von einem Steilufer abzuhalten. Die heute gut 50 Hektar große Spiegelfläche des rund 2,5 Kilometer langen Oberwasserspeichers besteht daher aus dem einstigen Flusslauf sowie aus Kulturland, Sumpf, Auen und Auwald. Der Gesamtstauraum beträgt etwa 1,5 Millionen Kubikmeter Wasser.

Besitzerwechsel

Nach verhältnismäßig kurzer Bauzeit von nur zehn Monaten konnte das Wasserkraftwerk am Staudamm in Hirschzell Anfang 1956 in Betrieb genommen werden. Die feierliche Eröffnung fand am 15. Mai 1956 statt. Es erzeugt über zwei Kaplan-Wasserturbinen mit 1530 Kilowatt Leistung bei einer Flussnutzbarkeit von 80 Prozent jährlich etwa 5,9 Millionen Kilowattstunden. 1996 erwarb VWEW das Kraftwerk samt See von der Weberei Momm. Im Laufe der Jahre wurden umfangreiche Sanierungen durchgeführt, darunter von 2009 bis 2010 Betonsanierungen im Kraftwerksbereich. 2012 folgte der Bau einer 300 Meter langen Fischtreppe als einer von insgesamt sechs solcher Einrichtungen der VWEW.

Naherholungsziel

Seit einigen Jahren verkrautet der See regelmäßig in weiten Teilen und ist aufgrund seiner eutrophen Eigenschaft durch die ihn umgebenden landwirtschaftlichen Nutzflächen auch als Badegewässer nur eingeschränkt geeignet. Dennoch ist das im Landschaftsschutzgebiet Bachtel- und Bärensee liegende Gewässer ein beliebtes Naherholungsziel für die Menschen der Umgebung.

von Wolfgang Becker

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