Defizit der Kliniken sinkt weiter

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Vor allem in die Füssener Klinik hat der Klinikverbund Ostallgäu-Kaufbeuren in jüngster Zeit viel Geld investiert.

Landkreis – Mit einer guten Nachricht konnte der Vorstand der Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren, Dr. Philipp Ostwald, bei der Verwaltungsratssitzung vergangene Woche aufwarten: Demnach sei es gelungen, die Vorgaben des Wirtschaftsplans mit einer millionenschweren Verbesserung zu unterbieten.

„Der Jahresabschluss für das Jahr 2015 weist nur noch ein Defizit von 4,8 Millionen Euro aus und ist damit 2,1 Millionen Euro besser als vorgesehen“, so der Klinikchef. 

„Der Trend geht weiter nach unten“, stellte auch der Verwaltungsratsvorsitzende des Klinikverbundes Kauf­beuren-Ostallgäu, Stefan Bosse, zufrieden fest: „Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“. „Die Zeit der hohen Defizite ist endgültig vorbei“, ist auch Vorstand Dr. Ostwald überzeugt. Deutlicher könne man nicht zeigen, dass der eingeschlagene Weg der richtige sei. 

„Über diesen Erfolg bin ich sehr glücklich“, so Ostwald. Man habe auch 2015 konsequent den zu seinem Amtsantritt definierten Sanierungsweg verfolgt. „Doch hatte und hat eines dabei stets oberste Priorität: Einsparmaßnahmen dürfen keinesfalls medizinische Leistungen betreffen“, betonte der Vorstand. „Nur mit dem stetigen Ausbau des medizinischen Leistungsspektrums und der damit einhergehenden kompetenten, hochwertigen medizinischen Versorgung können wir dauerhaft das Vertrauen der Patienten halten“, ist sich Ostwald sicher. Dass dies gelungen sei, belegten auch die in 2015 weiterhin gestiegenen Patientenzahlen auf rund 31.000 stationär versorgte Patienten, „was einen Anstieg von rund zwei Prozent bedeutet“, so Ostwald auf Nachfrage des Kreisboten. Die Auslastung der drei Häuser im Verbund liege zudem laut dem Klinikchef zusammengefasst bei rund 80 Prozent. 

Nun müsse man daran arbeiten, das gute Image, das die Kliniken Ostallgäu-Kaufbeuren mit den drei Standorten in Buchloe, Füssen und Kaufbeuren genießen, weiterhin zu festigen. Auch dafür habe man die Weichen gestellt, so Ostwald. So habe man sich zur Qualitätsoptimierung und Prozessverbesserung der großen Herausforderung einer Verbundzertifizierung nach DIN EN ISO 9001:2015 gestellt und das Prüfungsaudit im März 2016 erfolgreich gemeistert. In Kürze ist die Übersendung des Zertifikats zu erwarten. Im Klinikum Kaufbeuren wurde zur Verbesserung der Patientenflüsse die räumliche Erweiterung des Notfallzentrums in Angriff genommen und vor kurzem eröffnet (wir berichteten). Mit der Erweiterung um einen Eingriffsraum stehe ein zusätzlicher OP-Saal zur Verfügung. 

In der Klinik St. Josef ist der Bau eines Linksherzkathetermessplatzes zur Errichtung einer Abteilung für Kardiologie auf den Weg gebracht worden (wir berichteten). In der Klinik Füssen konnte, wie berichtet, im Januar das Interimsbettenhaus als Voraussetzung für den Neubau des Bettenhauses in Betrieb genommen werden. Gleichzeitig fand und findet die Sanierung der durch den Brand beschädigten Kreiß- und Operationssäle statt. Ferner soll das Krankenhaus in Füssen um die Angiologie erweitert und eine Bereitschaftspraxis an Anfang Juli am Krankenhaus realisiert werden. 

Darüber hinaus habe man dort, wo für die bessere Versorgung der Patienten mehr Personal benötigt wurde, mehr Personal eingesetzt, erläuterte Ostwald. Demnach seien im medizinischen Bereich 40 neue Arbeitskräfte eingestellt worden, sieben Arbeitsplätze wurden hingegen im Bereich Wirtschaft und Verwaltung abgebaut. Die Personalkosten seien damit insgesamt durch ein Mehr an Pflegekräften und Ärzten gestiegen. 

Als Gegenmaßnahme konnten durch sinnvolle Umstrukturierungen in vielen Bereichen weiterhin eine Vielzahl von Überstunden abgebaut werden, so Ostwald. „Wir freuen uns über die positiven Entwicklungen im Klinikverbund“, erklärte auch Bosse. Vorstand Ostwald habe gezeigt, dass es durchaus möglich sei, sehr gute Medizin für die Menschen in Stadt und Landkreis anzubieten, das Angebot sogar noch zu erweitern und dennoch das Defizit deutlich zu senken. Dies seien gute Perspektiven für die Zukunft. „Der Imagewechsel ist vollzogen, das Vertrauen der Menschen in der Region in unsere Kliniken ist zurückgekehrt“, resümierte Bosse. Darauf komme es an, um den Erfolg des Klinikverbunds dauerhaft zu garantieren. „Die schwarze Null rückt langsam in greifbare Nähe“, so der Verwaltungsratsvorsitzende. Er dankte dabei vor allem den Mitarbeitern, die eine hervorragende Arbeit geleistet hätten. 

Bleibt Ostwald Klinikchef? 

Im Mittelpunkt des Reformprozesses steht aber auch Klinikchef Dr. Philipp Ostwald. Dessen Vertrag läuft noch gut 1,5 Jahre. Auf die Frage, ob er seinen Vertrag verlängern würde, erklärte der Klinikchef: „Der Verwaltungsrat und der Vorstand sind sich einig, dass eine Kontinuität in der Führung wichtig ist“. Ostwald machte gegenüber unserer Zeitung deutlich, dass die „schmerzliche Entscheidung“ die Häuser in Marktoberdorf und Obergünzburg zu schließen, „richtig war“. Das Defizit von 4,8 Millionen Euro für 2015 und das geplante Defizit von 4,6 Millionen Euro für 2016 würden dies bestätigen. 

Noch deutlicher würden die Zahlen laut Ostwald ausfallen, wenn man die Kosten und Einnahmen kalkulieren würde, wenn es bis heute zu keinen Klinikschließungen gekommen wäre. Demnach hätte man dem Krankenhausverbund ohne Schließungen und mit den Veränderungen bei den Tariflöhnen sowie Vergütungsgrundlagen für Krankenhausleistungen fiktiv bis 2016 über 30 Millionen Euro Defizit erspart. „Aus wirtschaftlicher Sicht waren die Krankenhausschließungen damit die richtigen Entscheidungen“, so Ostwald abschließend.

von Kai Lorenz/kb

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