Jetzt redet Kaufbeuren

Auch der Erhalt des Bundeswehrstandorts Kaufbeuren war Thema bei „Jetzt red i“. Foto: Becker

Das Bayerische Fernsehen weilte letzte Woche mit der beliebten Fernsehsendung „Jetzt red i“ in Kaufbeuren. In einer Aufzeichnung konnten Bürger ihre Sorgen und Schwierigkeiten damit einem breiten Fernsehpublikum vorstellen. Das Team ist in ganz Bayern unterwegs und versucht dabei, nah am Menschen die Probleme der Bürger auf den Tisch zu bringen. Allerdings muss es sich um Themen von allgemeiner oder überregionaler Bedeutung handeln, die nicht im Bereich der kommunalen Verwaltung auf Stadt- oder Landkreisebene gelöst werden können.

Die erfolgreiche und zugleich älteste Bürgersendung gibt es seit 40 Jahren. Für Tilmann Schöberl als Moderator geht es darum, „mal zu sagen, was Sache ist“. Letzte Woche gelang dies auch in Kaufbeuren. Mit einem enormen logistischen Aufwand war tags zuvor die Zeppelinhalle in ein Fernsehstudio mit Wirtshausambiente für etwa 250 Besucher verwandelt worden. Die Ausgabe der kostenlosen Eintrittskarten für Redner und interessierte Besucher war ebenfalls am Vortag erfolgt. In seiner Begrüßung betonte Moderator Schöberl nochmals das Ziel der Sendung: „Wir wollen etwas weiterbringen und die verantwortlichen Amtsleiter oder Politiker vor einem breiten Fernsehpublikum mit den Anliegen der Bürger konfrontieren.“ Walter Heinlein als Vorsitzender des Turnvereins Kaufbeuren mit über 2000 Mitgliedern sah große Bedenken für die Zukunft des Ehrenamtes in der Vorstandsarbeit. Verwaltungsvorschriften und Gesetze gelten bei Amateuren wie Profis gleichermaßen. Beispielhaft nannte er den Datenschutzbeauftragen. „Es bleibt kaum noch Raum für die sportliche Arbeit“, so Heinlein. Günther Seydel als Vorsitzender mehrerer Vereine ergänzte, dass man zwingend verlässliche Versicherungsleistungen im Bereich Rechtsschutz und Haftpflicht benötige. Kaum noch Zuschüsse Generaloberin Sr. Regina Winter kritisierte, dass für kirchliche Häuser kaum noch Zuschüsse gezahlt würden, die jedoch dringend in der Betreuung von rund 30 Bedürftigen beim täglichen Mittagessen benötigt würden. Finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite zur Anmietung einer Halle wünscht sich auch Helmut Winkler für das Feuerwehrmuseum, das derzeit auf drei Standorte im Stadtgebiet verteilt ist. Landwirt Franz Epp beklagte die schleppende Bearbeitung eines Bauantrages für den Neubau seines Biohofes, obwohl er keinerlei Zuschüsse beantragt habe. Pfarrer Thomas Kretschmar bemängelte bei Integrationsprojektion die maximal dreijährige Laufzeit für Zuschüsse. „Zeit, Energie und Geld gehen beim jeweiligen Neustart verloren und es versandet viel in Strukturen“, so der Pfarrer und fordert eine Verstetigung der Projekte für mindestens fünf Jahre. "Wald wird ausgekehrt" Rolf Triebel monierte, dass für die Hackschnitzelherstellung „der Wald ausgekehrt“ wird und sah die nachhaltige Waldbewirtschaftung in Gefahr. Ähnlich sah dies Ingeborg von Rumohr, die einen Ausverkauf der Wälder durch Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsfläche befürchtete. Stefan Schopf vom Jagdschutz- und Jägerverein forderte die Abschaffung des Zwangs zum Abschuss wegen Verbiss aufgrund nackter Prozentzahlen ohne Relation im Forst- und Verkehrsgutachten. Wenzel Ellenrieder als Inhaber eines Autohauses berichtete über „Abmahnabzocke“ der „Deutschen Umwelthilfe“ in Radolphzell. Wegen formaler Fehler hinsichtlich des Europäischen Emissionsschutzgesetzes bei der Preisauszeichnung war es zu einer Abmahnung und nach einer Zahlungsweigerung zu einer Klage beim Landgericht mit einem Streitwert von 30.000 Euro gekommen. Das Heimtückische daran: Grundlage waren rund 80 heimlich gemachte Fotos der Umwelthilfe innerhalb und außerhalb der Firma, ohne sich auszuweisen. Weitere Firmen waren ebenfalls betroffen. Als unverständlich bezeichneten Thomas Schnabel, Thomas Schmidt und Deiner Kiefer als Vertreter der Gablonzer Industrie die vierfach höheren Gebühren des Wasserwirtschaftsamtes gegenüber zivilen Untersuchungsstellen für die Abwasseruntersuchungen ihrer Betriebe. Martin Klein als Leiter der Städtischen Musikschule forderte entweder die vom Staat vorgesehene Unterstützung von 25 Prozent (derzeit etwa zehn Prozent) oder Zuschüsse für die aufgelegten Projekte für alle Kinder. Günter Blasini als Rektor der Gustav-Leutelt-Schule plädierte für Sozialpädagogen auch für die Grundschulen der Klassen eins bis vier. Damit könnten Probleme frühzeitig erkannt und eingedämmt werden. Wegen des hohen Migrationsanteils in Neugablonz forderte Sylwia Pohl mehr Lehrer. Standortfragen Ein anderes Problem hat die Außenstelle der Fachhochschule für Finanzen. Dozent Manfred Knoll führte aus, dass trotz Verlängerung der Verweildauer in Kaufbeuren die Mietverträge noch nicht unterzeichnet seien. Alle Studenten und Dozenten würden sich darüber hinaus eine dauerhaften Verbleib wünschen. Einen Verbleib in Kaufbeuren wünschen sich auch die Angehörigen der Bundeswehr. Thomas Schwab, Jürgen Matzerath und Heinz Rössler sahen nicht nur die von Oberbürgermeister Stefan Bosse dargestellte wirtschaftliche Bedeutung. Die Angehörigen des Fliegerhorstes seien in allen Bereichen der Bevölkerung verwurzelt, fühlten sich wohl und seien überall willkommene Partner. Schülertourismus und B12 Katharina Wiedemann als Unternehmerin fordert die Abschaffung des Schülertourismus quer durch Bayern für einzelne Ausbildungsberufe. Beispielhaft nannte sie die Ausbildung zum Mikrotechnologen, bei dem Schüler von Lindau, Kempten, Kaufbeuren und Ulm bis Regensburg in die Berufsschule fahren müssten. Produktionsleiter Jürgen Linder ergänzte, dass allgemeine Fächer abgetrennt und überall unterrichtet werden könnten. Wiedemann forderte außerdem den dringenden vierspurigen Ausbau der unfallträchtigen B12. Landrat Johann Fleschhut wünschte sich im gleichen Zusammenhang eine Erschließung von Buchloe über Marktoberdorf bis Kempten. Und Oberbürgermeister Stefan Bosse ergänzte, aus der jetzigen „2 + 1-Lösung“ könnte ja in Anlehnung an eine fränkische Trasse der „Allgäu-Schnellweg“ entstehen. Später als geplant endete die zweieinhalbstündige Aufzeichnung. In der Fernsehsendung am 15. Juni 2011 vertritt der Programmbereichsleiter Professor Andreas Bönte die Bürger im Studio. Er konfrontiert dann Politiker und Verantwortliche live mit ausgewählten Beiträgen, diskutiert mit ihnen und sucht nach Lösungen.

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