"Jetzt sind wir im Fokus"

Oberbürgermeister Stefan Bosse blickt durchaus optimistisch in die Zukunft. Vor allem die Sicherung der Bildung und Arbeitsplätze liegt ihm für 2012 und darüber hinaus am Herzen.

Seit wenigen Tagen ist das alte Jahr zu Ende. Weiter geht jedoch die Diskussion um die Zukunft Kaufbeurens, die vor allem seit der Entscheidung zur Schließung der TSLw 1 an Schärfe und Kontroversität zugenommen hat. Im Gespräch mit dem KREISBOTEN nimmt der Oberbürgermeister der Wertachstadt, Stefan Bosse (CSU), Stellung zu den Plänen für Kaufbeuren im neuen Jahr 2012. Im Zentrum steht dabei laut Bosse vor allem die Herausforderung, hier langfristig Arbeitsplätze zu erhalten beziehungsweise zu schaffen.

Eine Aufgabe, die sich 2011 eher als „undankbar“ erwiesen hat, gibt Bosse im neuen Jahr ab: den Vorsitz des Kliniken-Verwaltungsrates für das Kommunalunternehmen Ostallgäu-Kaufbeuren. Dieser geht turnusgemäß auf Landrat Johann Fleschhut über. Auf die Frage, ob er froh sei, dass er diesen Posten nun abgeben darf, betont Bosse: „Ich bin darüber weder froh noch unglücklich. Die objektiven Fakten in Bezug auf den Klinikverbund sprechen eine klare Sprache, da bleibt nicht viel Raum für Handlungsalternativen. Es wäre beispielsweise auch 2011 nicht viel anders gelaufen wenn Johann Fleschhut den Verwaltungsratsvorsitz gehabt hätte!“ Auch in der Zukunft gebe es seiner Meinung nach keine Alternative zu einer engen Zusammenarbeit im Klinikbereich zwischen der kreisfreien Stadt und dem Landkreis – unabhängig vom Ausgang des Bürgerentscheids. "Endlich ein Fahrplan" Froh sei er, dass es nun endlich einen klaren „Fahrplan 2012“ für den Klinikverbund gebe, dieser müsse allerdings natürlich den jeweiligen Entwicklungen angepasst werden. In Bezug auf die Casa Medica, die nach einem bundesweit gültigen Gerichtsurteil von den Patienten beziehungsweise deren Krankenkassen keine Sonderzuschläge für den gehobeneren Standard mehr ver- langen darf, stellt Bosse klar: „Bislang hatten wir jährlich durch die Casa Medica Einnahmen von rund ein bis zwei Millionen Euro. Dies hat das Gesamtdefizit abgefedert. Obwohl diese hohen Einnahmen jetzt wegfallen, wird die Casa Medica trotzdem vorerst weiter so bestehen wie sie jetzt ist.“ Standort-Konzepte Spürbare Änderungen wird es laut dem Stadtoberhaupt auch beim zweiten großen Thema, der Schließung des Bundeswehrstandortes, erstmal nicht geben: „Die Bundeswehr wird Kaufbeuren nicht schnell verlassen, nach jetzigem Stand wird dies möglicherweise erst 2017 oder 2018 geschehen“. 2012 werde sich am normalen Betrieb des Fliegerhorstes also nichts ändern. „Trotzdem ist es wichtig, nicht still auf den Tag X zu warten, sondern bereits jetzt Vorsorge- und Ausgleichsmaßnahmen zu treffen“, kündigt Bosse an. Auch konkrete Forderungen an den Bund müssten so zeitnah wie möglich gestellt werden: „Jetzt ist die öffentliche Diskussion im Gange, wir stehen im Fokus. Das ist der beste Zeitpunkt für Verhandlungen!“ Zu einem zukunftsträchtigen Konzept gehören laut Bosse eine Verbesserung der Infrastruktur wie der Ausbau der B12, aber vor allem Investitionen in die Bildung. „Eine Außenstelle der Hochschule Kempten rückt für Kaufbeuren in greifbare Nähe. Ich bin mir sicher, dass wir gegenüber der Staatsregierung darlegen können, dass man nur mit solchen Maßnahmen Kaufbeuren effektiv helfen kann“, so Bosse. Der Freistaat werde die Stadt darüberhinaus mit Behördenverlagerungen und hohen Förderungen für Planungen und Verkehrserschließungen unterstützen. Zudem sei es gelungen, die 2009 errichete Außenstelle der „Fachhochschule für öffentliche Verwaltung und Rechtspflege (FHVR) in Bayern, Fachbereich Finanzwesen, in Herrsching am Ammersee“ bis mindestens 2020 in der Wertachstadt zu behalten. Neue Firmenansiedlungen wie der Modepark Röther oder vor allem das HAWE-Werk, das nach langem Hoffen nun tatsächlich in Kaufbeuren errichtet wird, geben laut Stefan Bosse den Weg in die Zukunft vor. Seit Sommer produziert HAWE bereits auf dem Momm-Gelände, 2012 werden hier Maschineninvestitionen über rund zehn Millionen Euro erfolgen. Arbeitsplätze sichern „Wir freuen uns über jeden Betrieb, der sich hier langfristig ansiedeln möchte und werden alle unsere Möglichkeiten ausschöpfen, um unseren Standort für Unternehmen besonders attraktiv zu machen.“ Denn das größte Problem, das Kaufbeuren in der Zukunft zu schaffen machen könnte, ist laut Bosses Meinung der Mangel an Arbeitsplätzen. Neben den bislang genannten Projekten verspricht der Oberbürgermeister Kaufbeuren auch ein Jahr der „regen Bautätigkeit“: „Wir sind dabei das Gelände des alten Gutshofs an der Kemnater Straße zu erwerben und hoffen, dort bis 2013 ein Baugebiet ausweisen zu können.“ An der Schelmenhofstraße beim Bahnhof werde außerdem der P+R-Platz umgestaltet: „Es gibt Überlegungen, dort überdachte Car-Ports zu errichten und die Bauten mit Photovoltaik zu belegen“. Es müssten dazu aber noch Gespräche mit einem potenziellen Investor geführt werden. Auch an mehreren Schulen im Stadtgebiet stehen Renovierungen und Erweiterungen an, ganz unter dem Motto „Wir bauen an Kaufbeurens Zukunft“. Persönlicher Wunsch Trotz der Turbulenzen und Einbrüche im vergangenen Jahr sieht der Oberbürgermeister also durchaus Licht am Ende des Tunnels. Wie aber lautet sein „ganz persönlicher Wunsch“ für 2012? „Mir persönlich liegt, neben der Zukunft der Schule der Luftwaffe, ganz besonders das Thema Hochschule am Herzen. Wenn wir hier im neuen Jahr weiter kommen würden, wäre das für Kaufbeuren eine tolle Sache!“

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