Lebenshilfe Ostallgäu feiert 50-jähriges Jubiläum mit einem ganzjährigen Festprogramm

Schon viel geschafft – noch viel zu tun

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Kaufbeurer Unternehmen haben die Lebenshilfe Ostallgäu im Jubiläumsjahr unterstützt: Je einer vierstellige Summe spendeten das Architekturbüro Stadtmüller.Burkhardt.Graf (1.200 Euro), die Kreis- und Stadtsparkasse (1500 Euro) und das Autohaus Haeberlen (1.000 Euro). Auf dem Foto: die Architekten Michael Graf und Christian Stadtmüller, Lebenshilfe-Schriftführerin Birgit Dausacker, SK-Marketingleiter Erhard Strinzel, der 2. Vorsitzende der Lebenshilfe Hans Raabe, Vorsitzende Yvonne Schur und Thomas Demmeler (Haeberlen).

Ostallgäu/Kaufbeuren – „Wir möchten den Menschen im Ostallgäu zeigen, was Menschen mit Behinderung eigentlich alles können!“ Das ist der größte Wunsch von Wilfried Negele, Geschäftsleiter der Lebenshilfe Ostallgäu, für das aktuelle Jubiläumsjahr 2014. Die Organisation lädt bis zum Herbst zu zahlreichen Events im ganzen Landkreis und Kaufbeuren ein.

So selbstverständlich, wie sich Begriffe wie „Inklusion“ oder „Förderung“ in den Ohren der meisten Menschen anhören, ist deren Umsetzung im Alltag bei weitem nicht immer. „Da gibt es sicher noch eine Menge zu tun“, so Yvon- ne Schur, die Vorsitzende der Lebenshilfe Ostallgäu – allerdings mit einer Menge Optimismus in der Stimme. Denn was der Verein in den vergangenen rund 50 Jahren aufgebaut hat, ist beachtlich. Bei einem Pressegespräch vergangene Woche erläuterten Yvonne Schur als Vorsitzende, Wilfried Negele als Geschäftsleiter, sowie Schriftführerin Birgit Dausacker und der zweite Vorsitzende Hans Raabe den Werdegang der Lebenshilfe seit der Gründung. Die Kaufbeurer Geschäftsstelle Am Sonneneck, ist ein großer, heller und freundlicher Bau mit angeschlossener Tagesstätte, es riecht am Tag des Gesprächs schon appetitlich nach dem Mittagessen. Frühförderung, Therapie- und Betreuungsangebote vom Kleinkind bis zum Erwachsenen, betreutes Wohnen, Beratung zum Thema Inklusion – bei der langen Liste mit Angeboten und Hilfen, die die Lebenshilfe heute bereit hält, ist es kaum zu glauben, dass all dies aus einer Selbsthilfegruppe von Eltern behinderter Kinder entstanden ist. 

„Vor 50 Jahren waren all diese Angebote noch Zukunftsmusik“, erzählt Yvonne Schur: „Wenn ein Kind mit einer Behinderung geboren wurde, waren die Eltern völlig auf sich selbst gestellt. Es gab keine Hilfskonzepte, keine Förderung – die Schwierigkeiten, die Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen durchstehen mussten, kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen“. 

Langen Weg bewältigt 

„Ganz klein“ habe die Lebenshilfe angefangen, so Schur weiter. „Die Eltern sind wirklich von Tür zu Tür ,klinkenputzen' gegangen, um für ihre Sache zu werben. Heute dagegen reiche das Spektrum an Hilfs- und Förderkonzepten „von der Wiege bis zur Bahre“. Anders zu Beginn des bis heute rein ehrenamtlich geführten, gemeinnützigen Vereins: Damals standen vor allem geistig behinderte Kinder im Mittelpunkt. 1965 wurde als erste Einrichtung eine Tagesstätte für diese Zielgruppe in Oberbeuren geschaffen. Heute leben allein 170 Erwachsene in den betreuten Wohneinrichtungen der Lebenshilfe im Landkreis. 

Mit der Vielzahl der Einrichtungen und Angebote, die die Lebenshilfe in den vergangenen fünf Jahrzehnten gründen konnte, stieg auch die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Heute ist die Organisation an vielen Schulen im Rahmen der Inklusion aktiv, steht mit Behörden, Eltern und Lehrern in Kontakt. Jeder in Kaufbeuren kennt beispielsweise die hiesigen „Wertachtal-Werkstätten“ mit 540 Werkstattbeschäftigten innerhalb der Einrichtung und in ausgelagerten Arbeitsplätzen, und dem Wohnheim in der Alten Poststraße stattete schon die ehemalige Gesundheitsministerin Ulla Schmidt einen Besuch ab. Besonders von sich reden macht auch die Sportgruppe der Lebenshilfe, in der rund 100 Teilnehmer aktiv sind: Seit deren Gründung im Jahr 2009 weist die Bilanz 47 Gold-, 19 silber- und neun Bronzemedaillen auf, und „das nicht nur bei speziellen Sportevents für Behinderte. Auch zum Beispiel beim ,V-Markt-Lauf' oder dem ,Dachau-Trail' konnten unsere Läufer problemlos mithalten“, freut sich besonders Hans Raabe, dessen Sohn ein Mitglied der erfolgreichen Sportgruppe ist. Auch freut sich die Lebenshilfe derzeit auf den Bezug des Neubaus, der auf der anderen Straßenseite entsteht – bis cirka September sollen die neuen Räume für Tagesstätte, Therapiebereich und Verwaltung fertig sein. 

Also gibt es beim Thema Inklusion bald eigentlich gar nichts mehr zu tun? „Nein, so ist es nicht“, antwortet Yvonne Schur entschieden: Ein Stillstand würde Rückgang bedeuten. Geschäftsleiter Wolfgang Neumeyer sieht es ähnlich. „Die Bedürfnisse ändern sich ständig. Aktuell stellt uns beispielsweise der demografische Wandel vor neue Herausforderungen. Der Bedarf an Angeboten für Senioren mit einer Behinderung wird in den kommenden Jahren stark ansteigen“. Verbesserungsmöglichkeiten gebe es außerdem vor allem bei der Finanzierung von Hilfangeboten, weil durch starre Regelungen Einzelfälle manchmal durch das Raster fallen oder nicht bedarfsgerecht gelöst werden können. Dies sei aber ein grundsätzliches Problem der Politik und der gesetzlichen Vorgaben: „Wir arbeiten mit dem Bezirk Schwaben sehr gut zusammen“, so Neumayer. 

Am wichtigsten sei, dass die Akzeptanz im Alltag weiter wachse: „Wenn man mit einer Gruppe behinderter Menschen in ein Café geht, und die anderen Gäste und das Personal begrüßen einen freundlich und helfen, Platz zu machen, dann tut das richtig gut“, gibt Hans Raabe zu verstehen. Unter diesem Aspekt schließt sich auch der Kreis hin zum Jubiläumsjahr: „Wir wollen zeigen, was behinderte Menschen alles können!“ so Raabe. Dementsprechend sei auch der große Festakt im Modeon ohne die sonst üblichen „Grußworte“ der Ehrengäste geplant: „Es sollen lieber die, im Mittelpunkt stehen, um die es geht: Die Menschen mit Einschränkungen“. von Michaela Frisch

Das vorläufige Jubiläumsprogramm

9. Mai, 19 Uhr im Haus Hopfensee, Höhenstraße 14, Füssen: Konzert mit Günther Siegl und seiner Band „Spider Murphy Gang“ 

16. Mai, 11 Uhr im Modeon, Marktoberdorf: Haupt-Festakt 

• 31. Mai, 19.30 Uhr im Jugendzentrum „JuZe“, Hauberrisserstr. 8, Kaufbeuren: Inklu- sives Band-Festival – es nehmen teil Musiker mit und ohne Behinderung 

27. Juni, 19 Uhr in der „Kulturwerkstatt“, Ganghoferstr. 6, Kaufbeuren: Theaterabend zum Jubiläum. Auf der Bühne stehen Menschen mit einer Behinderung (Generalprobe am 26. Juni um 16 Uhr) 

5. Juli, Tagesstätte Am Sonneneck 47, Kaufbeuren: Traditionelles großes Sommerfest der Tagesstätte mit Gottesdienst und anschließender Modenschau 

5. Juli, Kaufbeuren: Sport-Event der Lebenshilfe 

• 20. September, Marktoberdorf: Herbstfest mit Wohnheim und Frühförderung 

30. September (alternativ: 1. Oktober), Kaufbeuren: Filmfestival „Rendez-vous“ der Lebenshilfe mit verschiedenen Kurzfilmen zum Thema Behinderung 

 • 14. Oktober, 19.30 Uhr im „Fendt-Forum“, Micheletalweg 14, Marktoberdorf: Fachvortrag mit dem bekannten Neurobiologen Manfred Spitzer 

Herbst 2014, Buchloe: Fachvortrag zum Thema „Inklusion“ (Veranstaltung ist derzeit noch in der Planungsphase) 

Weitere Infos zum Verein Lebenshilfe Ostallgäu e. V. finden Interessierte im Internet auf der Homepage www.lebenshilfe-ostallgaeu.de. (dort sind auch die jeweiligen Aktualisierungen des Jubiläumsprogramms einzusehen) sowie in den kommenden Ausgaben des Kreisbote Kaufbeuren.

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