Traumberuf auf Umwegen

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In den „lebenden Werkstätten“ im Gewölbe der Sparkasse durften die Jugendlichen selbst Hand anlegen.

Kaufbeuren – Die Unternehmen der Region sind auf der Suche nach guten Auszubildenden. Wegen des demografischen Wandels und weil immer mehr Jugendliche sich nach dem Schulabschluss für den Besuch einer weiterführenden Schule entscheiden, sinken die Bewerberzahlen für die klassische „Lehre“.

Doch auch hier bieten sich vielfältige Möglichkeiten für einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Dafür warben die Firmen beim 27. Berufsinfotag des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft und präsentierten im Forum der Sparkasse Kaufbeuren über 150 Ausbildungsberufe in verschiedensten Bereichen. 

Als Orientierungshilfe bei der Berufswahl hat sich der Berufsinfotag mittlerweile fest etabliert. Wie groß der Informationsbedarf ist, zeigte sich an der durchgehend großen Besucherzahl vom Vormittag bis Veranstaltungsschluss um 16 Uhr. Jugendlichen, Eltern, Lehrern und Interessierten habe sich laut Michael Sambeth, Sprecher der Kreis- und Stadtsparkasse Kaufbeuren, am Sonntag wieder die Möglichkeit geboten, sich spontan und ohne lange Wege über Ausbildungsangebote schlau zu machen – und bei Interesse auch gleich mit den jeweiligen Unternehmensvertretern ins Gespräch zu kommen. 

Im ersten Stock bot der Arbeitskreis zudem Vorträge und Bewerbungstipps. Laut Jürgen Wendlinger von der Bildungsberatung der Stadt, die ebenfalls mit einem Stand vertreten war, suchen neben Schülern auch immer mehr Erwachsene nach einer Möglichkeit, sich beruflich zu verändern. 

Handwerk im Fokus 

Neu war in diesem Jahr die Ausstellung der Kreishandwerkerschaft im Sparkassen-Gewölbe. Im Rahmen der „lebenden Werkstätten“ konnten die Besucher bei Friseuren oder Maurern selbst buchstäblich „Hand anlegen“. Gerade auf dem Bau oder im Lebensmittelhandwerk werde händeringend nach gutem Nachwuchs gesucht, so Kreishandwerksmeister Robert Klauer sowie der stellvertretende Obermeister der Bauinnung Kaufbeuren und Maurermeister Manfred Wind. Körperliche Arbeit habe bei vielen von Haus aus kein gutes Image. 

Das sei aber ein Vorurteil, so Klauer. Wer Interesse an einem Beruf mit Abwechslung, Eigenverantwortung und Menschenkontakt habe und körperlich belastbar sei, der sei gut beraten, es mit einem Praktikum im Handwerk zu versuchen. Wo kleinere, ländliche Betriebe mit familiärer Atmosphäre und rascher Eigenverantwortung punkten, bieten große Firmen vielfältige Aufstiegs- und Weiterbildungsmöglichkeiten. 

Das bestätigte auch Daniel Blaubach, zentraler Ausbildungsleiter beim Unternehmen Dobler, der zusammen mit Geschäftsführer Peter Dobler im Erdgeschoss einen der größten Ausbilder der Region präsentierte. Rund 14 Ausbildungsberufe gibt es hier, vom Bauzeichner über Maurer oder Straßenbauer bis hin zu Zimmerer oder Berufen im Bereich Mechatronik. Auch hier gehören Vorurteile gegenüber Bauberufen der Vergangenheit an. Mit „Soft Skills“ wie Lernbereitschaft und Belastbarkeit könne zwar auch mal eine schlechte Note im Schulzeugnis ausgeglichen werden. Technisches und räumliches Verständnis sowie gutes Auftreten gegenüber Kunden seien aber in praktisch jedem Bauberuf Voraussetzung. 

Gute Vernetzung und Information sind wichtig 

Neben den klassischen Berufszweigen waren beim Berufsinfotag aber auch weniger bekannte Bereiche zu finden. So konnten sich die Besucher über die Ausbildungszweige Chemielaborant/ in, Reiseverkehrskaufmann/frau, Milchtechnologie, Hauswirtschaft oder Abwassertechnologie informieren. Auch die Berufsfachschule für Altenpflege war vertreten, ebenso Bundeswehr und Polizei. 

Abgekommen sind viele Unternehmen übrigens von den früher üblichen „Bewerbungsfristen“. Wer sich für eine Ausbildung interessiert, kann sich jederzeit informieren und meist relativ unkompliziert ein Praktikum vereinbaren – ohne ein solches stellt heute kaum ein Unternehmen mehr einen Azubi ein. 

Über die von Jahr zu Jahr wachsende Resonanz beim Berufsinfotag freute sich AK-Vorstandsmitglied Rudolf Wisbauer, selbst viele Jahre Schulleiter der Marien-Realschule. Er betonte, der Trend gehe bei vielen Jugendlichen hin zu weiterführenden Schulen – „Die Leute fehlen dann natürlich erst einmal in den Ausbildungsbetrieben“. Er setzt auf eine möglichst gute Vernetzung zwischen Schulen und Wirtschaft –„da gibt es tolle Synergieeffekte“, so Wisbauer – sowie eine gezielten Informationspolitik von Seiten der Unternehmen, damit junge Menschen „genau den Berufszweig finden, der zu ihnen passt“. 

Für Jugendliche, die eine Lehrstelle suchen, biete die derzeitige Situation gute Chancen: „Jeder, der will, findet auch was“, ist Wisbauer überzeugt. Er wies auch auf das 30-jährige Jubiläum des Arbeitskreises Schule-Wirtschaft hin, das im Dezember bei einer eigenen Veranstaltung begangen wird.

von Michaela Frisch

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