Die Kaiserin zum Thema Asyl

Sich selbst mal kritisch hinterfragen

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Die Kasierin.

Die Kaiserin beschäftigt sich in ihrer heutigen Glosse mit dem Thema Asyl…

Bürgerinnen und Bürger,

über 500 Flüchtlinge haben bereits in Kaufbeuren eine vorübergehende Heimat gefunden. Und wie es sich für einen Rechtsstaat gehört, so hat auch jeder Flüchtling das Recht auf ein faires Asylverfahren. Es ist also noch unklar, wie vielen Flüchtlingen dauerhaft Asyl gewährt wird. Auch ist immer noch unklar, wie es mit der Verteilung auf andere EU-Staaten aussieht. Denn es werden immer mehr. 

Viel erschreckender ist jedoch die stetig steigende Zahl der Flüchtlingsgegner, auch in unserer Stadt. Auf meinen Streifzügen durch die sozialen Netz- werke lernte ich einen ganz neuen Hass kennen. Menschen richten über Menschen, die sie selbst nicht einmal kennen. Sie sehen als einzigen Grund ihrer Flucht das Deutsche Leben in „Saus und Braus“ in dem sie sich selbst als die Benachteiligten fühlen. Sie argumentieren mit selbst erfundenen Geschichten, teilen rechte Parolen, stellen ihr Leben über das der Anderen. Das ist traurig. Würden all' diese willkürlichen Geschichten stimmen, wäre ihr Hass vielleicht ein Stück weit nachvollziehbar. Ist er aber nicht. Ihre Argumente zeigen einmal mehr, warum es auch für erwachsene Menschen Schuhe mit Klettverschluss gibt. Man darf nur hoffen, dass es in Kaufbeuren zu keinem Aufmarsch kommt, keine Asylunterkünfte in Brand geraten. 

Aber ja, man darf sicher auch verlangen, dass sich die Hilfesuchenden an die Staatsform anpassen, in die sie geflohen sind. Die Art und Weise, wie manch einer oder manch eine argumentiert ist schlicht und einfach dumm und weltfremd! Liebe Asylgegner, natürlich hat es die heutige Generation nicht gerade leicht. Aber ist dies ein Grund dafür, die zu bekämpfen, die sich bei uns ein besseres, sicheres Leben erhoffen? Menschen verlassen nicht ihre Heimat ohne zu wissen, dass das, was auf sie wartet, nicht mindestens besser ist, als ihr bisheriges Leben. Niemand würde doch sein eigenes Kind in ein Boot setzen, mit dem Risiko, es kommt nie an, außer man sieht es als seine allerletzte Chance. Und Hand aufs Herz. Würde ganz Kaufbeuren seine Sachen packen und unsere Stadt verlassen, weil es hier zu gefährlich wird – würdet ihr bleiben und der Dinge harren, die da kommen? Würdet ihr Euch einem Krieg stellen, dessen Grund ihr nicht teilt? Stellen wir uns doch bitte der Realität. Auch die Politik sollte hier mehr Aufklärung an der Basis vornehmen, anstatt mit Begriffen wie Transitzonen und Einreisezentren zu arbeiten. Auch ist die ganze Zeit von Wirtschaftsflüchtlingen die Rede. Jüngste Zahlen sagen, dass es sich derzeit gerade mal um 2,4 Prozent aller Flüchtlinge handelt. 

Der Rest sind Kriegsflüchtlinge und haben ihr Leben aufs Spiel gesetzt, um ihr Leben, und das ihrer Familien zu retten. Es wird also Zeit, dass ihr eure niederen Argumente für euch behaltet und selbst etwas für euer Leben unternehmt. Und wer sich nicht vorstellen kann, wie das Leben im Krieg wirklich ist, der sollte sich auf den Weg ins Altenheim machen und sich die grausamen Geschichten von früher anhören. Auch ein Besuch im Stadtmuseum kann hier das fehlende Wissen vermitteln. In Deutschland herrschte vor nicht einmal 70 Jahren noch Krieg. Oder vielleicht setzt ihr euch einfach mal mit den Menschen auseinander, die ihr so scharf kritisiert und besucht sie in einer der Flüchtlingsunterkünfte. 

Mein Vorschlag: Flüchtlingsaustausch. Ein Flüchtlingsgegner lebt für eine Woche im Kriegsgebiet – vielleicht das richtige Format für etwaige TV-Sender. Zumindest erreicht man so eine Vielzahl derer, die in den Sozialen Netzwerken lautstark ihre Parolen teilen. Und wer sich immer noch an Berichten über Straftaten von Flüchtlingen seinen Hass bereichert, der sollte sich die Frage stellen, wie viele kriminelle Deutsche es gibt. Die Aufmerksamkeit für Flüchtlingskriminalität ist nur deutlich höher und deshalb präsent. Zudem dient sie perfekt zur Ablenkung über längst verschwundene Themen wie zum Beispiel Vorratsdatenspeicherung.

Mit hoheitlichen Grüßen,

Ihre Kaiserin

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