Wahlkampfauftakt in Buchloe

"Kriminaltät fällt nicht vom Himmel"

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Fünf Kandidaten an drei Tischen im Kolpinghaus in Buchloe (v.l.): Toni Resch (FDP), Angelika Schorer (CSU), Dr. Paul Wengert (SPD), Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen) und Markus Trinkwalder (FWV). Die Moderation hatte Matthias Fack inne (stehend zwischen dem ersten und zweiten Tisch). Er ist u.a. Präsident des Bayerischen Jugendringes.

Buchloe – Die Wahlkreiskandidaten für die Landtagswahl stellten sich erstmals im Rahmen einer Diskussionsrunde in Buchloe vor

Wer einen Wahlkampf mit vielen Spitzen gegen den politischen Gegner erwartet hatte, der wurde enttäuscht. Die Kandidaten des Wahlkreises 711 für die Landtagswahl lieferten sich am Sonntag im Kolpinghaus in Buchloe zwar harte aber absolut faire Wortduelle. Vor allem aber hatten sie unter der Moderationsleitung von Matthias Fack Gelegenheit, ihre persönlichen Positionen und Ziele darzustellen.

Der politische Frühschoppen mit dem Titel „WählBar“ war eine Aktion von Kolping in Bayern.Angelika Schorer (CSU), Dr. Paul Wengert (SPD), Theresa Schopper (Bündnis 90/Die Grünen), Toni Resch (FDP) und Markus Trinkwalder (FWV) hatten den Weg nach Buchloe gefunden. Zunächst stellten sich die Kandidaten den knapp 60 Buchloern, unter ihnen viele Stadträte und Bürgermeister Josef Schweinberger, kurz vor.

Dann sollten die Themen Familienpolitik, Arbeitsmarktpolitik und Bayern in Diskussionsrunden behan- delt werden. Das Thema Bayern blieb dann aus Zeitgründen auf der Strecke, was dem Gesamteindruck aber keinen Abbruch tat, denn teilweise gingen die Themenbereiche ineinander über.„Warum wollen sie in den Landtag“, frage Matthias Fack seine Gäste. Angelika Schorer griff als Erste zum Mikrofon und eröffnete den Frühschoppen. „Ich will gestalten und Dinge umsetzen“, sagte sie. Ihre Schwerpunkte sieht Schorer, die bereits seit 10 Jahren für die CSU im Landtag ein Mandat hat, weiter in den Bereichen Kommunal- und Innenpolitik und vor allem im sozialen Bereich.

Die aus Füssen stammende Theresa Schopper ist seit 1983 bei den Grünen. Der Satz „Wir haben die Erde nur geborgt“ ist Grundlage ihres politischen Engagements. Schopper hat bereits Landtagserfahrung in mehreren Legislaturperioden.Für die Freien Wähler (FW) hat Markus Trinkwalder aus Kaufbeuren das Handtuch in den Ring geworfen. Der in Biessenhofen lebende Beamte will die Lebenssituation in Bayern mitgestalten und vor allem die Wahlmüdigkeit bei den jungen Wählern durch aufrichtige und authentische Kommunikation bekämpfen. Trinkwalder tritt erstmals als Landtagskandidat an.Viel politische Erfahrung kann der Spitzenkandidat der SPD in die Waagschale werfen. Dr. Paul Wengert war Oberbürgermeister der Stadt Augsburg und Erster Bürgermeister von Füssen. Seit 2008 hat Wengert einen Sitz im Landtag.

Der gelernte Jurist, der auch Theologie studiert hat, war Staatsanwalt und hat auch als Strafrichter gearbeitet. „Kriminalität fällt nicht vom Himmel“, sagte er, wenn er über Sozialpolitik spricht.Toni Resch, in Fuchstal geboren, tritt für die FDP in den Ring. Der studierte Geologe sieht Politik als die Gemeinschaftsleistung vieler Politiker an. Als Problem sieht er, dass die Landtage in Deutschland durch den Einfluss des Bundes und der EU zunehmend in eine Nischenfunktion gerieten. Für Resch ist die lokale Politik die beste Politik oder wie er es wörtlich ausdrückte: „Kirchturmpolitik ist die ehrlichste Politik“.Nach der Vorstellung präsentierten die Kandidaten ihre Vorstellungen zur Familienpolitik. Alle waren sich einig, dass Familie eine wichtige Rolle weiterhin spielt. Familie ist auch dort, wo alleinerziehende Mütter oder Väter leben, meinte Schopper. Sie verwies auf die geänderte Familiensituation in Deutschland. „Jede 2. Ehe ist geschieden, deshalb müssen wir die Familien mit Kinderkrippen- und Kindergartenplätze unterstützen“, sagte sie. Ähnlich argumentierte der Sozialdemokrat Wengert.

Bei 50 Prozent Singlehaushalten müssen Alleinerziehende jede Unterstützung erhalten und das Angebot an Krippen- und Kindergartenplätzen müsse ausgebaut werden. Ein wenig Wahlkampf ließ der Sozialdemokrat Wengert doch aufblitzen. Er erinnerte den politischen Gegner daran, dass die SPD schon viel früher Krippenplätze schaffen wollte. Das sei aber damals nicht konsensfähig gewesen und wurde sogar als „sozialistisches Teufelszeug“ abgetan.„Ehe und Familie steht bei uns ganz oben“, sagte Schorer für die CSU. „Man müssen bei der Ganztagsbetreuung aber den Eltern die Wahlfreiheit lassen“, sagte die in Jengen lebende Abgeordnete. Viel Beifall erhielt sie für ihren Satz: „Man muss nicht alle Kinder fremdbetreuen“.

Markus Trinkwalder von den Freien Wählern meinte, dass Eltern wissen, was für ihre Kinder am Besten ist und sprach sich für Wahlfreiheit zwischen Elternbetreuung und Fremdbetreuung aus. In diesem Punkt herrschte Übereinstimmung zwischen den Kandidaten. Theresa Schopper schlug in die gleiche Kerbe und sprach sich für die Wahlfreiheit aus.Bei der Ganztagsbetreuung schaltete Dr. Paul Wengert noch einmal in den Wahlkampfmodus. „Eine Aufbewahrung der Kinder ist nicht das, was wir wollen“ und versuchte den Widerspruch von der CSU-Abgeordneten Angelika Schorer herauszufordern.

Einig waren sich dann doch alle Kandidaten, dass Buchloe in Sachen Familie vorbildlich unterwegs sei.Die Diskussion um die Arbeitswelt fiel etwas unterschiedlicher aus. „Wir müssen das Krebsgeschwür des Minijobs ausmerzen“, forderte der SPD-Mann. Die „Aufstockung von Löhnen mit Hartz-4“ fand Wengert entwürdigend und forderte den gesetzlichen Mindestlohn. CSU- Frau Angelika Schorer konterte mit Zahlen und verteidigte den Minijob. Auswüchse müssten allerdings bekämpft werden.Seine Probleme mit dem gesetzlichen Mindestlohn äußerte der Liberale Toni Resch.

Es seien sowieso zu viele Regularien im System eingebaut. Er forderte vom Gesetzgeber: „Erst das Hirn einschalten“. Bündnis 90/Grünen-Abgeordnete Theresa Schopper sprach bei den Minijobs von einer „Honigfalle“. Man verdiene zwar, sei aber letztlich ohne Altersvorsorge.Im Wesentlichen waren es bekannte Positionen der Parteien, die in Buchloe ausgetauscht wurden. Toni Resch von der FDP merkte an, dass die Positionen und Meinungen bei vielen Themen gar nicht so unterschiedlich seien, wie es oft im Wahlkampf dargestellt werde.

Immerhin schaffte es Matthias Fack als Moderator mit seiner Abschlussfrage, die Kandidaten nochmals herauszufordern. „Angenommen, sie kommen in den Landtag – wie sieht Bayern nach zwei Jahren aus, wenn sie drin sind?Toni Resch von der FDP: „Wir sind zu stark reguliert.“ Alles Vereinfachen lautet sein Motto. Matthias Trinkwalder möchte eine nachhaltige Politik und keine Schulden mehr machen. Und er will schnell die Energiewende realisieren, worauf Theresa Schopper ihm prompt anbot, bei den Grünen mitzumachen. Sie will Wasser, Boden und Luft schützen. Weiter kämpft sie dafür, dass die soziale Herkunft nicht weiter über Bildung entscheiden darf.

Eine ganze Reihe von Argumenten brachten CSU und SPD abschließend ein. Angelika Schorer will eine familienfreundliche Politik machen, um mehr Bürger in den Landkreis zu ziehen. Außerdem fordert sie den Ausbau der Verkehrs-Infrastruktur. Dr. Paul Wengert wird weiter gegen den sozialen Wildwuchs angehen und gegen befristete Arbeitsverträge kämpfen, die eine Lebensplanung fast unmöglich machen. „Die Schule soll im Dorf bleiben“, forderte er und will auch kleine Schulen erhalten.
Von Siegfried Spörer

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