Erst Gerangel, dann Kompromiss: Wahl der neuen Jugendbeauftragten

Das Amt untereinander geteilt

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Kathrin Zajicek und Gertrud Gellings teilen sich ab sofort als Doppelspitze das Amt des Jugendbeauftragten.

Kaufbeuren – „Jugendpolitische Themen sammeln, kanalisieren und dann gegenüber dem Stadtrat und anderen Gremien vertreten“ – das soll, verkürzt formuliert, die Aufgabe eines zukünftigen Jugendbeauftragten in Kaufbeuren sein. Angetreten für das Ehrenamt waren die Stadträtinnen Gertrud Gellings (CSU) und Kathrin Zajicek (FDP).

Nachdem in der jüngsten Sitzung des Stadtrates am Dienstag keine von beiden die Vertreter des jeweils anderen Lagers von sich überzeugen konnte, steht nun fest: Die beiden werden sich das Amt zukünftig gleichberechtigt teilen. Wie genau die Zusammenarbeit aussehen wird, ist noch nicht geklärt. 

So gut und vielfältig die Jugendarbeit in Kaufbeuren ist, fehlte den Themen der jungen Mitbürger bislang „die Stimme im Stadtrat“. Soweit war man sich im Gremium einig, als im Juli 2014 auf Antrag von Walter Nocker (CSU) beschlossen worden war, die Stelle eines ehrenamtlichen „Kinder- und Jugendbeauftragten“ zu schaffen. Damit hatte die Einigkeit bei diesem Thema aber schon ein Ende, wie sich am vergangenen Dienstag zeigte. 

Mit Gertrud Gellings (CSU) und Kathrin Zajicek (FDP) waren zwei recht unterschiedliche Kandidatinnen für das Amt der zukünftigen Jugendbeauftragten angetreten. Für Gellings sprachen sich CSU und KI aus, Zajicek durfte stattdessen auf die Unterstützung ihrer eigenen Partei sowie SPD, Freie Wähler und Grüne hoffen. Es kam zu einer regen und teilweise hitzigen Diskussion. 

Führte Dr. Thomas Jahn (CSU) für Gertrud Gellings vor allem ihre Tätigkeit als Krankenschwester mit einer Zusatzausbildung in Suchtprävention, sowie ihr Engagement in Tänzelfestverein und -knabenkapelle ins Feld, plädierte Bernhard Pohl (FW) für Kathrin Zajicek, sie sei als mit Abstand jüngstes Stadtratsmitglied „nah an der Jugend“. 

Ulrike Seifert (Grüne) bat darum, den Beschluss noch einmal zurücksetzen, zu ungenau war ihr die Definition des Amtes. „Es sollte auch um Kinder und Familien gehen“, zitierte Seifert den ursprünglich zugrunde liegenden Beschluss vom Juli. Hier sei noch von einem Kinder- und Jugendbeauftragten gesprochen worden. 

OB Stefan Bosse lehnte ab – „Es geht hier jetzt erst einmal um einen Jugendbeauftragten, der die Anliegen der Jugendlichen ab 14 Jahren vertreten soll“, erklärte er. 

Zusammenarbeit ja – aber wie? 

Im Rahmen der Diskussion sorgte auch der Vorschlag von Ernst Holy (KI), Gertrud Gellings als Jugendbeauftragte und Zajicek als Stellvertreterin zu etablieren, zwar für den Beifall von CSU und KI, aber für keine Einigung. 

Der Gegenvorschlag Catrin Riedls (SPD): Eine Stellvertreterregelung ja – aber bitte mit Frau Zajicek als Beauftragte und Frau Gellings als Stellvertreterin. Zum „Durchbruch“ in der Debatte kam es erst durch den Vorschlag von Robert Klauer (KI), das Amt gleichberechtigt zwischen beiden Kandidatinnen zu teilen: „Mit einer Doppelspitze dürften gerade die Grünen kein Problem haben“, so Klauer augenzwinkernd. Hiermit konnte sich, bis auf einen Teil der Mitglieder von CSU und KI, die Mehrheit anfreunden. 

Die Kandidatinnen selbst zeigten sich im Rahmen kurzer Statements dazu bereit, zusammen zu arbeiten, auch wenn Gertrud Gellings bei der Frage nach der Gleichberechtigung der Doppelspitze die Hand nicht hob. 

Wie sich unter diesen Voraussetzungen die Zusammenarbeit gestaltet, kann auch Kathrin Zajicek noch nicht sagen: „Ich bin aber offen für alles, wir werden uns als ersten Schritt aber nun sicher zusammensetzen und überlegen, wie man das Amt am besten auf zwei Schultern verteilen kann. Vielleicht ist das gar nicht schlecht. Man kann hier sicher voneinander partizipieren“. Siehe hierzu auch den Kommentar auf Seite 2 der Samstagsausgabe.

Die Aufgaben

Die beiden Jugendbeauftragten haben zukünftig die Aufgabe, jugendpolitische Themen direkt in den Stadtrat einzubringen. Dazu sollen sie engen Kontakt mit vorhandenen Jugendverbänden, Institutionen und Behörden halten, die Anliegen der Jugendlichen sammeln und wirkungsvoll politisch in Stadtrat und weiteren Gremien vertreten. 

Laut Alfred Riermeier, Leiter des Referates für Jugend und Familie der Stadt Kaufbeuren, handelt es sich bei dem Amt des Jugendbeauftragten um einen weiteren wichtigen Baustein im Mosaik der städtischen Jugendarbeit.

von Michaela Frisch

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