515 Goldene Lorbeerkränze

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OB Stefan Bosse (links) mit den strahlenden, frischgebackenen Kulturpreisträgern 2015, dem Vorstands-Dreigestirn des Tänzelfestvereins Kaufbeuren e.V.: Irmgard Ernszt (von links), Horst Lauerwald und Christian Mayer.

Kaufbeuren – Über 500 Lorbeerkränze der Marke „Kranzgold“, einen für jedes Vereinsmitglied, hatte Günther Pietsch angeblich bestellt – und was hatte er bekommen? „Hochelastische Strumpfhosen für jeden Anlass“!

Die Stadt nahm sich zum Gaudium des Publikums selbst auf die Schippe, als bei der Kulturpreisverleihung vergangene Woche im Stadttheater wiedermal alles mögliche schiefging. Diesmal stand es jedoch so im Drehbuch. Schallendes Gelächter und Applaus quittierten daher auch die Bemerkung von OB Stefan Bosse, mit welcher er seine Ansprache einleitete: „Seit dem Umbau ist hier der Wurm drin – das ist ja das reinste Tollhaus!“ 

Zu der Veranstaltung konnte er nicht nur eine Reihe von Vertretern aus Geistlichkeit, Wirtschaft und Politik begrüßen, sondern als besondere Ehrengäste aus Kaufbeurens Partnerstädten Gablonz und Szomba- thely auch Primator Petr Beitl und Vizebürgermeister Tibor Koczka mit ihren Ehefrauen. 

Die Verleihung des Kaufbeurer Kunst- und Kulturpreises 2015 an den Tänzelfestverein als „Jörg-Lederer-Preis für Bildende Kunst und Heimatpflege“ war im März des Jahres vom Stadtrat einstimmig beschlossen worden. Der Kunst- und Kulturpreis wurde 1979 während der Amtszeit von Alt-OB Rudolf Krause von der Stadt Kaufbeuren gestiftet. 

Es gibt ihn in sechs verschiedenen Kategorien: Musik, Literatur, Bildende Kunst und Heimatpflege, Darstellende Kunst, übergreifende Kulturpflege sowie als Jugendpreis. Jede Sparte hat einen Namenspatron. Man fragt sich wahrscheinlich, was Jörg Lederer eigentlich mit dem Tänzelfestverein zu tun hat. Beide seien weit über Kaufbeuren hinaus bekannt und beiden sei die Fähigkeit zu eigen, ein eindrucksvolles Bild zu gestalten, voller Farbe, Lebens- und Sinnenfreude, Mut und Zuversicht, argumentierte Bosse. 

Dafür, dass das dem Tänzelfestverein Jahr um Jahr aufs Neue gelinge, gebe es ein Rezept mit drei Zutaten, führte das Stadtoberhaupt weiter aus: Das Bewahren des Feuers anstelle der Anbetung der Asche (wie Gustav Mahler „Tradition“ definiert hat), das Mitleben anstelle bloßen Zuschauens und die Offenheit für einen ständigen Wandel. 

Die Laudatio erfolgte durch Günther Pietsch, Dr. Rochus Höhne und Thomas Garmatsch gemeinsam. Diese drei hielten sie jedoch nicht nur – analog zum alljährlich von Rosi Lauerwald neu verfassten Eröffnungsstück spielten sie natürlich ihre launige Lobrede und priesen darin das Tänzelfest enthusiastisch als „schönstes Kinderfest der ganzen Welt“. 

Ihre Parodie auf die Kaiser-Einzugsszene gipfelte in der feierlichen Überreichung einer der „irrtümlich“ gelieferten „Strumpfhosen für jeden Anlass“ – somit also auch passend für eine Kulturpreisverleihung – auf einem roten Kissen an den verdutzten Tänzelfestvereinsvorstand Horst Lauerwald. 

Der OB rettete ihn durch die Verlesung und Übergabe der offiziellen, wie immer für den jeweiligen Preisträger individuell gestalteten Urkunde. In diesem Fall trug sie als Schmuck das Logo des Tänzelfestvereins, einen kleinen Fahnenschwinger. „Der Preis gehört nicht nur sämtlichen Mitgliedern und fast der ganzen Stadt“, meinte Horst Lauerwald in seinem Dank, „sondern vor allem den rund 1700 Kindern, die jedes Jahr mitmachen. Wenn die mal nicht mehr wollen, schaumer alt aus.“ 

Für die musikalische Umrahmung der Verleihungsfeierlichkeiten waren sowohl der Kaufbeurer Fanfarenzug als auch einige Mitglieder der Tänzelfestknabenkapelle zuständig. Zu deren Klängen traten dann auch die kleinen Tänzer der Gruppe „Bürgerkinder“ mit „Hopsa Schwabenliesl“ auf und heimsten verdienten Beifall ein. 

Schließlich rundete die von den Zuschauern stehend mitgesungene Kaufbeuren-Hymne, das Buronlied, die Veranstaltung ab. Aus dem Publikum konnte man nach minutenlangem stehenden Applaus, Gejohle und Getrampel sowohl für die Preisträger als auch für den unterhaltsamen Abend Kommentare hören wie „DAS war wenigstens eine anständige Veranstaltung“. 

Und von jetzt an braucht jeder, der gerne auch einmal Kulturpreisträger sein möchte, einfach nur in den Tänzelfestverein einzutreten...

von Ingrid Zasche

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