Workshop zu Reggio-Pädagogik

"Kinder stärker machen"

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19 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Kindertageseinrichtungen in Kaufbeuren nehmen an der Fortbildung im Bereich Reggio-Pädagogik teil. Foto: Gängler

Kaufbeuren – Kinder lernen am besten, wenn sie von einer Sache begeistert sind. Dieser Ansatz prägt die sogenannte „Reggio-Pädagogik“, benannt nach der norditalienischen Stadt Reggio nell’ Emilia. Seit der Entstehung in den 1960er und 70er Jahren hat das Konzept erfolgreich Kreise gezogen.

Auch Mitarbeiter der städtischen Kindertagesstätten in Kaufbeuren nehmen derzeit an einem intensiven Workshop teil. Trägerin und Organisatorin der Fortbildungsreihe ist die Stadt Kaufbeuren. „Das kompetente Kind und die aktive Beteiligung der Kinder am Lernen beschäftigt uns schon seit langem. Das Reggio-Konzept greift diesen Ansatz sehr gut auf“, erläutert Ulrike Villa-Fuchs, zuständig für die Fachberatung der Kindertagesstätten bei der Stadt Kaufbeuren. 

„Wir möchten den Erzieherinnen und Erziehern das nötige Rüstzeug in die Hand geben, um die pädagogische Qualität in den Kitas ständig weiterzuentwickeln“, so Villa-Fuchs weiter. Und Alfred Riermeier, Leiter des Referats für Jugend und Familie, fügt hinzu: „Uns ist wichtig, dass ein Ausbau der Kindertagesstätten nicht nur quantitativ erfolgt. Die Qualität gibt den Ausschlag“. 

„100 Sprachen hat ein Kind – Bildungsprozesse Reggio-orientiert begleiten“, das ist das Motto, unter dem sich 19 Erzieherinnen und Erzieher seit Januar eingehend mit dem Konzept der Reggio-Pädagogik beschäftigen – und damit, wie dieser Ansatz in der Praxis umgesetzt werden kann. P

rofitieren sollen davon dann die sieben städtischen Kindertagesstätten, in denen derzeit laut Stadt rund 400 Kinder untergebracht sind. Bei dem auf Modulen aufgebauten Workshop geht es laut Referentin Christine Krijger-Böschen unter anderem um folgende Fragestellungen: „Wie begleiten wir Kompetenz und Selbstwirksamkeit beim Lernen? Wie unterstützen wir die Autonomieentwicklung?“ 

Vier Module 

Die Fortbildung umfasst vier Module von ein bis zwei Tagen und läuft noch bis Juli dieses Jahres. Krijger-Böschen hat die Leitung des evangelischen Kin- derhauses Günzburg inne und ist zudem freie Fortbildnerin in Reggio-orientierter Konzeptionsentwicklung. Im Jahr 2003 besuchte sie selbst eine Reggio-Tagung: „Die Arbeit in dieser Woche war so intensiv – da war es um uns geschehen“, erinnert sie sich an den großen Eindruck, den das Pädagogikkonzept seinerzeit auf sie machte. 

„Die Reggio-Pädagogik sieht die Vielfalt der Kinder. Sie geht auf jedes Kind ein und schafft den Platz, den jedes Kind für sich benötigt. So bekommt jeder Heranwachsende seinen Platz für individuelle Entwicklungen. Kinder müssen nicht beschäftigt werden, Kinder haben Ideen, sie wollen tätig werden“, betont sie. 

Die Rolle des Erziehers und des Kindes würden neu definiert. Die Kinder dürfen zum Beispiel ihre Essen selbst portionieren. Räume werden gemeinsam umgestaltet, Eltern verstärkt in Projekte mit eingebunden. Die Kinder werden zudem dazu angehalten, Lösungen bei bestimmten Problemstellungen selbständig herauszufinden. 

Jede individuelle Entwicklung wird dokumentiert – „auf Augenhöhe“ mit den Kindern, so Krijger-Böschen. „So kann das Kind selbst seine persönliche Entwicklung sehen und mit verfolgen“. Auch werde auf altershomogene Gruppen geachtet. „Die Kleinen sollen zu aufrichtigen Menschen werden, die eigenständige Entscheidungen treffen, die sich später positiv auswirken und sie dazu stehen können. Sie werden nicht unterrichtet, sondern aufgerichtet“ fasst die Referentin zusammen. 

Villa-Fuchs sieht es ähnlich: „Das Kind wird als Konstrukteur seiner Entwicklung und seines Wissens und Könnens betrachtet. Bis jetzt ist die Resonanz auf unseren Kurs sehr gut. Die Kinder in unseren Kitas werden sicher davon profitieren.“

von Mona Gängler

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