Kaufbeurer mit internationalem Renommee

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Ausnahmekünstler: Klarinettenspieler Klaus Hampl in seinem Element.

Kaufbeuren/Berlin – Der Kaufbeurer Klarinettist und Kulturpreisträger Klaus Hampl hat seinen vielen internationalen Projekten ein weiteres hinzugefügt. Zusammen mit dem Quartetto di Roma, einem der besten italienischen Streichquartette, verhilft er einem fast vergessenen Werk zu neuer Beachtung: dem Klarinettenquintett von Paul Ben-Haim.

Der gebürtige Münchner jüdischer Abstammung war Komponist und langjähriger Kapellmeister in Augsburg. Das Quintett wird nunmehr im „Deutschlandradio“ auf einer CD eingespielt. Als krönenden Abschluss dieser Studioproduktion findet ein Konzert in der Bayerischen Vertretung in Berlin statt. Schirmherr ist der Botschafter des Landes Israel, S. E. Yakov Hadas-Handelsman. Der Zeitpunkt könnte passender nicht sein: Vor 50 Jahren wurden wieder die diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland aufgenommen. 

Der Glanz in den Augen und das Lächeln um die Lippen erinnern an einen Buben, der ein lang ersehntes Weihnachtsgeschenk bekommen hat. Man spürt die Freude und Zufriedenheit über ein gelungenes Projekt. „Ich möchte mit Musik Menschen berühren“, ist eines der Leitmotive für das Handeln des schwäbischen Klarinettisten. 

Seine Faszination für in Vergessenheit geratene Kompositionen hat nun einen Abschluss gefunden. Die CD-Einspielung im „Deutschlandradio Kultur“ als einem der führenden Studios in Deutschland für derartige Projekte wird abschließend mit einer Aufführung in der Bayerischen Vertretung in Berlin in Anwesenheit prominenter Gäste gekrönt. 

In der Zusammenarbeit mit seinem Freund, dem israelischen Komponisten Abel Ehrlich (1915-2003), der 2002 eigens ein Werk für Hampl geschrieben hatte, kam er dem Werk von Paul Ben-Haim auf die Spur. Ziel von Hampl war es, die Aufmerksamkeit auf den Komponisten und Musiker zu lenken, der in Schwaben zwischen 1924 und 1931 Generalmusikdirektor in Augsburg am Stadttheater Herausragendes geleistet hat. 

Der Klarinettist ist stets mit großem Engagement und Gespür auf der Suche nach vergessenen hochkarätigen Kompositionen. Er setzt sich dafür ein, dass diese wieder Eingang ins Konzertleben finden. Speziell das Klarinettenkonzert von Paul Ben-Haim hatte Hampl fasziniert und so führte ihn der erste Weg zu seinen langjährigen Freunden in Rom, dem Quartetto di Roma, die er mit seiner Begeisterung ansteckte. 

Breite Unterstützung 

Danach begann die Suche nach einem Produzenten. Mit dem „Deutschlandradio Kultur“ fand er einen äußerst renommierten Partner, der die CD-Einspielung in seinen Studios anbot und damit den Startpunkt für eine erfolgreiche Zusammenarbeit legte. Besondere Unterstützung erfährt das Projekt durch den israelischen Botschafter S. E. Yakov Hadas- Handelsman, der in einem persönlichen Schreiben an Hampl die Übernahme der Schirmherrschaft und sein Kommen zugesagt hat. Dies gilt auch für den italienischen Kulturattaché Professor Aldo Venturelli vom italienischen Kulturinstitut in Berlin, der das Projekt aufgrund der langen und erfolgreichen Zusammenarbeit von Klaus Hampl mit dem Quartetto di Roma ebenfalls unterstützte. 

Förderung erhält Hampl für dieses Projekt von der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft und der Rupert-Gabler-Stiftung, zudem kooperiert er eng mit Dr. Peter Fassl, dem Bezirksheimatpfleger von Schwaben. Aus dieser Konstellation fand das Projekt auch die Würdigung und den Rückhalt der Bayerischen Staatskanzlei in Person von Staatssekretär Franz Pschierer, der in seiner Eigenschaft als Präsident des allgäu-schwäbischen Musikbundes eine besonders ausgeprägte Beziehung zur Musiklandschaft hat. Auch die Kulturförderung der Stadt Kaufbeuren mit Günter Pietsch kooperiert mit Hampl bei seinen Projekten. 

Kammermusik und mehr 

Wer Klaus Hampl näher kennt, weiß, dass er ein Vollblutmusiker ersten Ranges ist. In seinem umfangreichen Repertoire kann er mit klassischen Werken großer Meister wie Brahms und Mozart begeistern. Obwohl der bekennende Allgäuer und Romantiker seine Wurzeln traditionell in der Kammermusik hat, ist er immer mit viel Kreativität auf der Suche nach neuen, völlig anderen Klangkombinationen. Dies führte unter anderem dann auch zur Zusammenarbeit des Kammervirtuosen mit der Gitarrenlegende Sigi Schwab und dessen Band bestehend aus internationalen Jazzmusikern. 

In diesen Konzerten mischten sich Klassik und Jazz von Bach bis Blues auf eine außergewöhnliche Art und Weise: Es entwickelt sich ein Kosmos von raffinierter Musikalität, die völlige Perfektion und Improvisation einschließt. „Musik hat immer eine eigene Dynamik“, sagt Hampl lächelnd. 

Weltweit unterwegs 

Ob auf den Podien im Münchner Herkulessaal oder in der Philharmonie von St. Petersburg, ob in Berlin oder Rom, Mailand oder im südafrikanischen Durban: Klaus Hampl zählt zu den international gefragtesten deutschen Klarinettenvirtuosen. Die Liste renommierter Musiker und Ensembles, mit denen Klaus Hampl zusammenarbeitet, reicht vom russischen Rimsky-Korsakow-Quartett über das italienische Trio Michelangelo und das Quartetto di Roma bis hin zum Bamberger Streichquartett. 

Der Solist steht auch für Perfektion in der Umsetzung. Dabei gelingt es ihm, in geradezu genialer Weise, sich zurückzunehmen und seine eigenen Fähigkeiten in die Partnerschaft mit den Ensembles zu integrieren. Wiederholt haben zeitgenössische Komponisten, darunter der inzwischen verstorbene Doyen der israelischen Musik, Abel Ehrlich, Werke für Klaus Hampl geschrieben, die der Klarinettist dann in gefeierten Interpretationen zur Aufführung brachte. 

Ungewöhnliche Orte 

Mit ausgefallenen Konzertprojekten möchte Klaus Hampl sowohl anspruchsvolle Musikliebhaber ansprechen als auch ein nicht spezialisiertes Publikum dazu bewegen, Bekanntschaft mit den Meisterwerken der Musik zu machen. Dazu zählt auch die Wahl von Auftrittsorten, denen nicht von vornherein das Etikett des „Kulturtempels“ anhaftet. Orte, die man mit klassischer Musik eigentlich nicht in Verbindung bringt, die jedoch gerade durch diese ungewöhnliche Kombination Neugierde erwecken. 

Außerdem ist es das Bestreben von Klaus Hampl, durch die Wahl von organisatorischen und künstlerischen Partnern den Kreis der Interessenten an seinen Konzerten auszuweiten. Besonders am Herzen liegt ihm dabei die Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern. Dazu gehört beispielsweise das 2001 aufgeführte „Konzert im Hangar“ an der Technischen Schule 1 der Luftwaffe in Kaufbeuren mit dem Quartetto di Roma vor einem Monumentalgemälde von Peter Casagrande. 

Hohe Auszeichnungen 

Klaus Hampl ist international unterwegs und mit zahlreichen Ehrungen und Preisen versehen. Für seine Verdienste bei der grenzüberschreitenden Realisierung von Konzertprojekten und Workshops wurde Klaus Hampl von seiner Heimatstadt Kaufbeuren mit dem Titel des Kulturbotschafters geehrt. 2004 erhielt er den „Großen Kulturpreis der Rupert-Gabler-Stiftung“, im Jahr darauf wurde ihm der „Sudetendeutsche Kulturpreis“ im Goldenen Saal der Stadt Augsburg verliehen. 2006 erfolgte die Aufnahme in die „Sudetendeutsche Akademie der Wissenschaften und Künste“.

 Klaus Hampl liegt insbesondere die Nachwuchsförderung am Herzen, und so hat er inzwischen drei Musikwettbewerbe ausgerichtet. Die großen europäischen Musikkritiker nennen ihn einen „Klangzauberer“. Die Einspielung der beiden Klarinettenquintette von Henri Marteau und Max Reger wurde zum Kritikererfolg des Jahres 2012 gekürt.

 Der Kritikerpapst Joachim Kaiser – vergleichbar mit dem Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki kommentierte: „Der Klarinettist Klaus Hampl ist ein Kammermusiker hohen Ranges. In den bedeutenden Klarinetten-Quintetten der Literatur drängt er sich keineswegs dominant solistisch vor. Sondern er fügt sich als ‚Primus inter Pares‘ wunderbar diskret, aber mit dunkler Fülle, bemerkenswerter Farbigkeit und souveräner Artikulation ins Solisten-Ensemble ein. So bereitet seine Kunst zugleich spirituelles und sinnliches Vergnügen.“

von Wolfgang Becker

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