"Regelrechtes Gesamtkunstwerk"

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Künstler und Förderer: Franz Josef Pschierer (v. li.), Klaus Hampl, Stefan Bosse und Sigi Schwab bei der Präsentation der CD-Einspielung.

Kaufbeuren – „Mit den Partnern ‚Deutschlandradio Kultur‘ und dem Label ‚Naxos‘ ist ein regelrechtes Gesamtkunstwerk entstanden: von der Wahl des Ensembles, des Tonstudios, des Cover-Designs bis hin zur Präsentation am heutigen Tag.“ Mit diesen Worten beglückwünschte OB Stefan Bosse den Kaufbeurer Kulturpreisträger und international agierenden Klarinettenspieler Klaus Hampl zur CD-Präsentation einer Einspielung der Klarinettenquintette von Paul Ben-Haim und Samuel Coleridge-Taylor im Historischen Rathaussaal. Die CD wurde in den Studios von Deutschlandradio Kultur in Berlin zusammen mit dem Quartetto di Roma aufgenommen.

Ein vor fünf Jahren gestartetes Projekt von Klaus Hampl hat sowohl mit Unterstützung der Stadt, aber auch zahlreicher Sponsoren und hochrangiger politischer Vertreter mit der nun vorgestellten CD sein Ende gefunden. Die Stadtspitze bescheinigte dem Klarinettenvirtuosen „Geduld und langen Atem für eine Idee, von der er elektrisiert, fasziniert und überzeugt“ war. In kurzen Worten ging der OB auf den „dramatischen Projektverlauf“ ein. „Fünf Jahre organisieren, reifen lassen, neu denken, hoffen, bangen“, so Bosse, „fünf Jahre Faszination, Begeisterung, Fortschritte, Rückschläge und Dramatik bis hin zum Diebstahl wertvoller Instrumente mitten in der Ewigen Stadt Rom.“

Neben Angehörigen, Freunden und Kooperationspartnern von Hampl konnte der OB zahlreiche Gäste aus Politik, Verwaltung und Kirchen sowie aus Handel, Banken und aus der Kulturszene begrüßen. Jonathan Glick, Vize-Generalkonsul des Staates Israel, hatte kurzfristig absagen müssen. Mit besonderer Freude begrüßte der OB den in München ansässigen Sigi Schwab, den er als „legendären Gitarristen und Komponisten“ bezeichnete, welcher stets neue künstlerische Türen aufstoße zwischen Klassik, Avantgarde, Jazz und Weltmusik.

Sigi Schwab Freund und Partner von Hampl in der Gruppe Camerata Bavarese – zollte Hampl höchsten Respekt für dessen Werk „auf unfassbar hohem Niveau“. Er berichtete von Jahrzehnte langen eigenen Erfahrungen in der Studioarbeit mit „einer unmusikalischen Atmosphäre und ständigen Unterbrechungen“. In diesem Kampf dürfe man seine Linie nicht verlieren. „Ein traumhaft schöner Beitrag, grandios gemacht!“ schloss die Gitarrenlegende Schwab, der die Verbindung von E- und U-Musik als „wahren Cross-over“ bezeichnete und ein Lob für die Region parat hatte: „Ich habe bei Auftritten noch nie ein so intensives Publikum erlebt.“

Klaus Hampl bedankte sich bei der Stadt für die Möglichkeit der CD-Vorstellung im alten Sitzungssaal des Kaufbeurer Rathauses als „Schmuckkästchen der Stadt“. Zu Beginn des Projektes habe sich für ihn die zentrale Frage gestellt, warum zwei Komponisten wie Taylor und Ben-Haim in Vergessenheit geraten können. Die nicht einfache Suche nach Noten speziell für den einstigen Augsburger Musikdirektor Ben-Haim habe ihn letztlich auch in die israelische Botschaft mit nachfolgender Unterstützung seines Vorhabens geführt. Der Diebstahl der Geige seines Freundes Marco Fiorini vom Quartetto di Roma während der Vorbereitung in Rom sei dann ein Tiefpunkt gewesen. Nur durch die großzügige Leihgabe einer Amati-Geige habe die Aufnahme weitergehen können und Marco „phänomenal gespielt“.

Staatssekretär Franz Josef Pschierer, ebenfalls Unterstützer der CD-Produktion, war zwar kurz vor der Veranstaltung vor Ort, musste aber wegen einer Auslandsreise zum Flughafen nach München. In einem vorbereiteten Grußwort dankte Pschierer der auch Präsident des Allgäu-Schwäbischen-Musikverbandes ist – Hampl für sein „beeindruckendes Engagement“. Dieser habe es sich zur Aufgabe gemacht, klangschöne in Vergessenheit geratene - Werke, wieder zum Leben zu erwecken. Er verband mit der vorgestellten CD die Hoffnung, den Künstler Paul Ben-Haim und seine Kompositionen auch in Deutschland wieder einem größeren Publikum bekannt zu machen. Pschierer kündigte an, sich dafür einzusetzen, dass dem israelischen Botschafter als einem der Unterstützer dieses Projektes die vorgestellte CD in entsprechendem Rahmen in Berlin überreicht werde.

von Wolfgang Becker

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