"Kleine Lösung" für Geothermie-Projekt denkbar

Eine neue Perspektive?

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Verwaist: Die einstige Großbaustelle liegt derzeit verlassen da. Wann und wie es an dem in der Bildmitte abgedeckten Bohrloch weitergeht, ist offen.

Mauerstetten – Dass am Geothermie-Bohrloch bei Mauer-stetten bald wieder Aktivität herrschen soll, löst bei vielen Bürgern – nicht nur der Gemeinde – Besorgnis aus. Doch nach jüngsten Informationen gibt es jetzt Gespräche zwischen Gemeinde und Betreiber über eine „kleine Lösung“ hinsichtlich der Nutzung.

Die Genehmigung vom Bergamt Süd ist zwar erteilt, ob es jedoch zu den geplanten Arbeiten kommt, ist derzeit noch offen. Es geht um das im Fokus der Öffentlichkeit stehende Geothermieprojekt der Firma Exorka in Mauerstetten (wir berichteten mehrfach). Wie Mauerstettens Bürgermeister Armin Holderried im Gespräch mit dem Kreisboten erklärte, stehe er laufend in Kontakt mit dem Unternehmen. Mit dem Hintergrund der neuen Entwicklung trafen sich am Dienstag der „Bund Naturschutz“ (BN) und die „Agenda21KlimaschutzKaufbeuren“ (AKK) zudem zu einer Sondersitzung.

 „Wir sind permanent in Verhandlungen mit dem Betreiber des Projektes“, so Holderried. Das rühre grundsätzlich von der negativen Stellungnahme der Gemeinde zu dem Vorhaben. Durch diese Gespräche habe sich nunmehr auch eine mögliche Option anstelle des jüngst vom Bergamt genehmigten Betriebes abgezeichnet. Statt einer „Stimulation der Erdschichten in 4.500 Metern Tiefe auf hydraulisch-chemischem Weg“ – so die offizielle Bezeichnung der Genehmigung – könnte auch eine einfachere, allerdings weniger effiziente Nutzung der Bohrung zum Tragen kommen. Dabei wird das Gestein über das vorhandene Bohrloch mit einer sogenannten „Tiefenwärmesonde“ quasi als „Wärmetauscher“ lediglich zur Produktion von Wärme, nicht von Strom, genutzt. 

Der Einsatz von Druck und Chemikalien würde somit entfallen. Davon könnten laut dem Bürgermeister zwar Interessenten im direkten Umfeld der Bohrung profitieren – für die Kommune selbst sei aufgrund der Entfernung eine „Nutzung nicht wirtschaftlich“. Doch zunächst müsse mit aller Sorgfalt geprüft werden, inwieweit eine „tragfähige und einvernehmliche Lösung“ für die Gemeinde erreicht werden könne. Der Betreiber sei unter anderem an einem Erwerb des Grundstückes interessiert, derzeit bestehe ein Pachtvertrag. „Es ist noch nichts endgültig“, betont der Bürgermeister, „und wir wissen nicht, was am Ende des Tages rauskommt!“ Man wolle zudem das 1,8 Hektar große Grundstück nicht brachliegen lassen. 

Auslöser HAWE? 

Peter Orendi (BN) und Karl Ilgenfritz (AKK) informierten die Anwesenden am Dienstag in einer gemeinsamen Sondersitzung über den Stand der Dinge aus ihrer Sicht. Ursprünglich war die erteilte Genehmigung für das Projekt vom Juli Gegenstand der anberaumten Sitzung gewesen. „Die jetzige Wende ist zwar überraschend, dennoch bleibt der Standort offen für Versuche“, so Ilgenfritz, „bei mir überwiegt aber die Hoffnung, dass das gefährliche Objekt vom Tisch ist.“ Da mit dem neuen Vorhaben weder Erschütterungen noch Chemie zum Einsatz kämen, könne er „damit leben“. Unter den Teilnehmern der Sondersitzung von BN und AKK machte sich der Verdacht breit, Auslöser für den Kurswechsel der Firma Exorka könne die Inbetriebnahme der Firma HAWE sein und sahen sich durch die Einrichtung einer Messstelle dort darin bestätigt. Das Unternehmen könnte angesichts möglicher Schäden, „Druck aufgebaut haben“, so die Auffassung einiger Versammlungs-Teilnehmer. Auf der Grundlage des „Leitfadens zur Öffentlichkeitsarbeit für Geothermie-Projekte des Bundesministeriums für Wirtschaft vom Juli 2014“ verfassten die Anwesenden einen gemeinsamen Appell, der an Bürgermeister Holderried gerichtet ist. 

Im Rahmen der öffentlichen Geothermie-Gesprächsrunde habe man mit großer Aufmerksamkeit und mit vorsichtigem Optimismus die neue Entwicklung zur Kenntnis genommen und dabei rege diskutiert, heißt es darin. Daher habe man beschlossen, die Anwendung des bisher schon im Forschungsjahrbuch 2011 vorgesehenen „Geothermie-Kommunikationskonzepts“ vorzuschlagen. Im Ergebnis beantragt die Gruppe eine weitere Informationsveranstaltung mit Gegnern und Befürwortern des Projektes. Ziel seien „offene und redliche Informationen“. von Wolfgang Becker

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