Ein Selbstversuch

Nervenkitzel in luftiger Höhe

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Einfach in den Gurt fallen lassen und abwärts schweben!

Marktoberdorf – Schon während meines Kletterexperiments spüre ich einige Muskeln am ganzen Körper ganz schön intensiv. Das kann die nächsten Tage mit einem schmerzenden Muskelkater ja heiter werden. Der neu eröffnete Waldseilgarten „Klette am Ette“ etwas außerhalb von Marktoberdorf bleibt mir also auf jeden Fall in Erinnerung – und das nicht nur wegen des Muskelkaters, sondern vor allem wegen der großen Portion Spaß und Erlebnis!

Die Ausrüstung mit Helm, Gurt und Verbindungsmittel ist schnell angelegt und schon kann es losgehen. Doch halt – erst muss ich an einer Sicherheitsdemonstration mit zwei weiteren Erwachsenen und drei Kindern teilnehmen. Safety first. Das sieht ja noch ganz leicht aus, was Peter uns da zeigt: der Sicherungsring muss immer am Beginn eines jeden Parcours in das Sicherungsseil eingeführt und ein weiterer Sicherungskarabiner parallel dazu mit eingehängt werden, damit man kontinuierlich über die jeweiligen Parcours gesichert ist. 

Und dann stehe ich auch schon an einer Fichte am ersten von insgesamt acht Parcours mit jeweils um die zehn Elemente. Die ersten drei Parcours muss ich durchklettern, danach kann ich frei wählen, wo ich weitermachen möchte. Also fange ich leicht an und steigere mich. Was heißt leicht?! Auch die als „leicht“ ausgewiesenen Parcours haben es in sich. Ich hänge erst einmal meinen Sicherheitsring in das Stahlseil über mir und begehe den Parcours. 

Muskelgruppen, die ich sonst nie benutze, werden beansprucht, vor allem in den Armen. Während ich über hölzerne Balken, wackelige Wippen, Hängebrücken und hängende Reifen balanciere, muss ich meine Arme ständig anspannen, sonst wackle ich zu sehr und verliere die Balance. Das will ich nicht riskieren, auch nicht in nur etwa zwei bis drei Metern Höhe. Gut, dass an den meisten Stationen ein Seil zum Festhalten angebracht ist. 

Schon jetzt merke ich wie meine Stirn anfängt zu schwitzen und die Haare unter dem Helm nass werden. Immer wenn ich warten muss, dass meine Vorderfrau ein Element passiert hat und ich an der Reihe bin, beobachte ich ihre Technik und wie sie ihre Füße setzt, denn bei ihr sieht das ziemlich stabil und graziös aus. Bei mir fühlt sich das allerdings nicht so an, aber, so denke ich mir, der Spaß steht im Vordergrund, und den habe ich definitiv. 

Wie viel Witz die Betreiber in den Bau der Parcours gesteckt haben, lässt mich grinsen: da stolziere ich einmal in mehrere Kochtöpfe, während über mir hölzerne überdimensionale Löffel und Gabeln hängen und fahre später mit einem Tretbulldog über ein schmales Brett. In der Ferne entdecke ich übereinandergestapelte Bierkisten, die den Aufstieg zum schwersten Parcours mit der Nummer 8 darstellen. Ein paar Stationen weiter sehe ich einen Brotzeit-Parcours, wo man auf einer in luftiger Höhe hängenden Bierbank verschnaufen kann. 

Doch für mich bleibt dazu keine Zeit. Über wackelige Metallketten geht es in eine Badewanne, in der ich mich zur Plattform an der nächsten Fichte hangle. Und dann komme ich an der ersten Seilbahn an, an der ich mich abwärts schwingen kann. 

Ein kleines bisschen Überwindung kostet es mich schon, obwohl diese noch gar nicht hoch ist. Doch dann setzte ich mich auf der Plattform in die Hocke, fühle mich wie Tarzans Jane und lasse mich in den Sicherheitsgurt fallen. Die Fahrt ist schnell vorbei und ich bremse ungeschickt mit dem Hintern anstatt mit den Füßen und werde im feuchten Laub etwas schmutzig. Was soll’s – gehe ich halt später so in die Redaktion, denke ich mir. 

Los geht’s zum nächsten Parcours, wobei ich merke, dass ich mich immer besser anstelle und immer öfter die Balance halten kann, ohne zu sehr zu wackeln. Es geht jetzt auch zügiger, bis ich einmal etwas warten muss, weil ein Junge vor mir sprichwörtlich in den Seilen hängt und es seiner Mutter – wie immer sehr gekonnt – nach einer Weile gelingt, ihn auf die rettende Plattform zu bugsieren. Hinter mir nörgelt schon ein etwa Zehnjähriger: „Kann es endlich weiter gehen?“, während mir die Verschnaufpause eigentlich ganz gut tut. 

Nachdem ich diesen Part dann besser als gedacht meistere, freue ich mich auch schon auf die bevorstehende Talabfahrt am Seil und lasse mich ohne zu zögern in den Gurt fallen. Diesmal komme ich auch mehr oder weniger anmutig am Boden an. 

Als nächstes möchte ich etwas wagen und gehe den Parcours 7 an. Auf einem Plakat am Baum steht der Schwierigkeitsgrad: mittel bis schwer. Na gut, das wird eine Herausforderung. Der Aufstieg in etwa zehn Meter Höhe geschieht über eine Hängeleiter mit dicken Holzsprossen, die jeweils etwa 20 Zentimeter voneinander entfernt sind. 

Nach nicht einmal der Hälfte bin ich total geschafft, der Schweiß tropft, die Arme und Waden schmerzen und es geht einfach nicht mehr. Ich denke schon daran, in meine Pfeife zu pusten, die zur Ausrüstung gehört und Hilfe verspricht. Doch nach kurzer Überlegung lasse ich mich über das Sicherheitsseil wieder nach unten, auch wenn mein Ehrgefühl sehr an mir nagt. 

Abhaken und weiter geht’s ist meine Devise, also gehe ich Parcours Nummer 6 an, dessen Schwierigkeitsgrad mir mit „mittel“ human erscheint. Auch hier erklimmt man die erste Plattform via Hängeleiter, doch diese ist nicht ganz so hoch. Tricky ist, dass die Sprossen an Stangen, die übereinander hängen und sich gegeneinander drehen, angebracht sind. Mit Armen und Füßen muss ich immer wieder nach der nächsten Sprosse tasten und die ganze Zeit Körperspannung halten. Puh, das geht ganz schön in die Muskeln. 

Geschafft! Sehr stolz auf mich selbst komme ich mit erhitztem Gesicht oben an, schüttle kurz meine schmerzenden Arme aus und blicke auf den bevorstehenden Parcours. Wieder gibt es einige Stationen zu meistern, diesmal nichts für Leute mit Höhenangst. Doch die konnte mir noch nie was anhaben und so gelange ich nach einer Kletterwand mit bunten Haltegriffen über einige Ketten, Seile und Wippen zur letzten Plattform, lasse mich in den Gurt plumpsen und genieße die Schwebefahrt zurück auf festen Boden. 

Auch wenn der Muskelkater sich schon jetzt ankündigt, steht für mich fest: Das war nicht meine letzte Klettermission im Waldseilgarten „Klette am Ette“.

von Martina Staudinger


Der Waldseilgarten am Ettwieser Weiher bietet derzeit acht Parcours mit verschiedenen Höhen- und Schwierigkeitsstufen. Zu dritt betreiben Florian Stowasser, Markus Reichart (ausgebildeter Erlebnispädagoge) und Peter Hartmann den Klettergarten seit 2. August auf etwa 1,2 Hektar, wobei bisher circa 700 Quadratmeter bebaut sind. Das verwendete Material an Holz, Seilen, Ketten, Baumschlingen sowie die Ausrüstung für die Kletterer stammen aus der Region. 

Klettern darf jeder ab 120 Zentimetern Körpergröße. Das Sicherungssystem ist durchlaufend und von den Betreibern und Angestellten kann man aus jeder Situation gerettet werden. Die Betreiber überprüfen regelmäßig die Sicherheit der Elemente und der TÜV prüft jährlich. Ein Baumgutachter wurde vor dem Bau zu Rate gezogen und überprüft die Bäume turnusmäßig auf Standfestigkeit. Die längste und zugleich höchste Seilbahn ist 47 Meter lang und startet aus einer Höhe von etwa zwölf Metern. 

Für Begleitpersonen stehen viele Sitzgelegenheiten wie etwa Sitzsäcke zur Verfügung, außerdem ist der Ettwieser Weiher in direkter Nachbarschaft. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 14 bis 19 Uhr, Samstag, Sonntag und Feiertag 10 bis 20 Uhr, in den Ferien ab 9 Uhr.

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