Ein königliches Dokument

Nur im direkten Vergleich fällt der Unterschied auf: Links das Original und daneben die Faksimile Foto: Becker

Das durch den ersten römisch-deutschen König Rudolf I. von Habsburg am 3. Februar 1286 unterzeichnete sogenannte „Rudolfinische Privileg“ für die Stadt Kaufbeuren hat seinen sicheren Platz in einem Tresor der Stadt eingenommen. Nach Anfertigung einer Faksimile (originalgetreue Nachbildung) ist die nach Aussage von Stadtarchivar Dr. Stefan Fischer als Original vorhandene „wichtigste Stadturkunde“ damit wieder unter Verschluss.

Im Auftrag der Stadt Kaufbeuren hatte das Stadtmuseum die Nachbildung durch den Papier- und Buchrestaurator Alfred Stemp aus Eichenau anfertigen lassen. Für Dr. Astrid Pellengahr, Leiterin des Stadtmuseums, ist dieses Exemplar ein wesentlicher Bestandteil der Abteilung über die Geschichte der Reichsstadt Kaufbeuren in der zukünftigen Dauerausstellung des im Bau befindlichen Museums. Das Original hat, wie Dr. Fischer erläuterte, einen abenteuerlichen Weg durch die Jahrhunderte hinter sich gebracht. Manchmal waren es auch glückliche Umstände, die einen Verlust oder eine Zerstörung verhindert haben. Überfälle, Machtwechsel und nicht zuletzt mehrere Kriege konnten dem Dokument nichts anhaben. Da die Urkunde aus konservatorischen Gründen auch zukünftig nicht im Original ausgestellt werden kann, wurde die Nachbildung angefertigt. Diese ist vom Original auf den ersten Blick für einen Betrachter kaum zu unterscheiden. Lediglich das Siegel aus einer Mischung von Bienenwachs und Baumharz zeigt Verschleißspuren. Dieses ist an der sogenannten „Plica“, dem umgeschlagenen und damit verstärkten Rand des aus Pergament bestehenden Dokumentes mit einem gedrehten Band aus Seidenfäden befestigt. Wie Restaurator Stemp erläuterte, wird die Qualität der Nachahmung durch hochwertige digitale spezielle Bildaufnahmen und Nachbearbeitung in Verbindung mit entsprechendem Papier erreicht. Die Kosten für die Erstellung beliefen sich auf etwa 800 Euro. Gemessen an den Kosten für das Original ist dieser Betrag geradezu lächerlich: Im Jahre der Erstellung musste die Stadt 80 Goldgulden bezahlen, was damals fast der jährlich zu entrichtenden Reichssteuer von 90 Goldgulden entsprach und nach heutigem Stand etwa 24000 Euro entspricht! Andererseits stellte diese Urkunde einen nicht zu unterschätzenden Wert dar, der anderen Städten wie beispielsweise Landshut oder München versagt blieb. Die Rechtsstellung der Stadt als Freie Reichsstadt wurde damit ebenso bestätigt wie die Zuerkennung eigener Gerichtsbarkeit und das bis heute erhaltene Marktrecht für den am Donnerstag jeder Woche abgehaltenen Wochenmarkt. Somit gab es nur eine höhere Instanz für die Stadt, nämlich den Kaiser persönlich. Bis die erstellte Nachbildung der Öffentlichkeit zugänglich ist, wird es nach Auskunft von Dr. Pellengahr noch etwas dauern: Wenn alles planmäßig läuft, rechnet sie mit der Eröffnung des Museums im Herbst 2012.

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