Amtsinhaber Stefan Bosse als Kaufbeurer OB mit absoluter Mehrheit wiedergewählt

Stefan Bosse bleibt OB – CSU verliert rund ein Viertel ihrer Sitze

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Ein Küsschen als Belohnung für den Papa: Stefan Bosse und seine Töchter sind sichtlich glücklich über den Ausgang der Wahl.

Kaufbeuren – Der alte Oberbürgermeister der Stadt Kaufbeuren ist gleichzeitig der neue: Stefan Bosse von der CSU hat es mit einem Ergebnis von 57,48 Prozent wieder geschafft. Weniger gut fiel die Wahl für seine Partei aus: Die CSU muss fünf Sitze abgeben und verliert so die absolute Mehrheit.

Stefan Bosse von der CSU bleibt Oberbürgermeister von Kaufbeuren. Wenige Minuten nach 19 Uhr brandete im neuen Sitzungssaal Applaus auf: 57,48 Prozent der Stimmen für Bosse, 23,34 Prozent für den Herausforderer von der FDP Johannes Espermüller und 19,18 Prozent für Catrin Riedl von der SPD. „Ich bin hochzufrieden, erfreut und erleichtert über das Ergebnis. Ich wusste, es wird eine schwierige Wahl mit zwei bekannten Mitbewerbern, das Ergebnis war für mich schwer einzuschätzen“, so der alte und neue OB kurz nach Verkündigung des Endergebnisses. Er freue sich zudem, es im ersten Wahlgang „geschafft“ zu haben – war doch die zweite Amtszeit, so Bosse, „keine leichte“. 

Die gelöste Stimmung nach der Bekanntgabe des endgültigen Ergebnisses zur OB-Wahl war dem Sieger am Sonntagabend deutlich anzumerken. Denn: Es habe in den vergangenen Jahren so manches „schwierige Thema“ gegeben, erinnerte sich Bosse im Gespräch mit dem Kreisboten

Ob „die drei Streusalzopfer“ – das Eisstadion, die Leinauer Brücke und das Parkhaus Süd – oder der zweifelhaften Ruhm Kaufbeurens als Stadt mit den „schlechtesten Autofahrern“, ob Fliegerhorst oder Klinikverbund, dies alles waren Themen, die dem Stadtoberhaupt gerade in den letzten drei Jahren seiner zweiten Amtszeit nicht immer nur Zuspruch bei der Bürgerschaft eingebracht hatten. „Es gibt Themen, bei denen kann man nur verlieren“, so Bosse. Der CSU-Kandidat holte sich mit 57,48 Prozent die absolute Mehrheit, das Vertrauen der Bürger in den Amtsinhaber überwog, auch wenn die Wahlbeteiligung zu wünschen übrig ließ. 

Nicht einmal die Hälfte aller Kaufbeurer Stimmberechtigten schafften den Weg zur Wahlurne, 45,83 Prozent betrug die Beteiligung. Warum das so ist, darauf weiß auch Bosse keine Antwort, vermutet aber eine „freundliche Distanz“ zur Politik bei verschiedenen Bevölkerungsgruppen. Er selbst wolle sich bei allen bedanken, die ihn gewählt haben, und er hoffe, in den kommenden sechs Jahren „auch die zu überzeugen, die mich diesmal nicht gewählt haben“. Er wolle sich nun mit aller Kraft der kommenden Amtszeit widmen. 

Nicht wirklich zufrieden zeigte sich die OB-Kandidatin der SPD, Catrin Riedl, die seit 2002 im Stadtrat sitzt. „Die 20-er Marke hätte ich schon gerne gerissen“, erklärte sie angesichts ihres Ergebnisses von 19,18 Prozent. Das Ziel „Stichwahl“ habe man verfehlt, das müsse man „realistisch sehen“. Nach der Bekanntgabe des Ergebnisses der OB-Wahl wollte sie sich am Sonntagabend ganz auf die Stadtratswahl konzentrieren. „Hier liegt die eigentliche Spannung, ob die Mehrheitsverhältnisse im Stadtrat sich verschieben“. Sie danke allen, die sich im Wahlkampf mit ihrer Arbeit eingebracht hätten. Dass die Wahlbeteiligung so gering war, findet sie „eine Katastrophe“ – es sei schade, dass es nicht gelinge, mehr Bürger für die Belange ihrer eigenen Stadt zu interessieren. 

Nach dem offiziellen Teil im Rathaus, wo die Kandidaten Bosse und Riedl mit Unterstützern auf die Kaufbeurer Ergebnisse der Kommunalwahl warteten, nahm später in gelöster Atmosphäre auch Johannes Espermüller, OB-Kandidat der FDP, Stellung zum Wahlergebnis. Der Veterinärmediziner, der seit 2002 im Stadtrat sitzt, konnte sich mit 23,34 Prozent im Endergebnis noch vor Catrin Riedl platzieren. Wie Stefan Bosse, so fand auch er das Ergebnis „schwer vorherzusagen“. Er selbst sei zufrieden: „Die FDP ist durch meine Kandidatur als Partei zusätzlich wahrgenommen worden. Und auf Anhieb als FDP-Stadtrat, der den amtierenden OB herausgefordert hat, fast ein Viertel aller Stimmen zu bekommen, kann sich auch sehen lassen“. Seinen hohen Bekanntheitsgrad in der Bevölkerung, der durch die Kandidatur noch zugenommen hat, wolle er für seine Arbeit im Stadtrat nutzen. Wie Riedl, so legt auch Espermüller sein Augenmerk nach dem verpassten Einzug in die Räume des Oberbürgermeisters auf das Gremium. „Es werden zukünftig kontroverseste Diskussionen zu erwarten sein!“ verspricht er. 

Dass die Wahlbeteiligung eher mau war, hält den FDP-Kandidaten nicht davon ab, die Tatsache zu loben, dass „diesmal viele junge Leute zur Wahl gegangen sind, die wirklich etwas verändern wollten. Aber es hat nicht gereicht.“ Oberbürgermeister Stefan Bosse muss sich für die dritte Amtszeit auf jeden Fall auf mehr Gegenwind gefasst machen: Die absolute Mehrheit im Stadtrat konnte die CSU trotz des ausgesprochenen Vertrauens zum OB nicht mehr holen. von Michaela Frisch

Ein Verlierer, fünf Gewinner

Alle Wahlen haben eines gemeinsam: Es gibt Verlierer und Gewinner. Bei den Wahlen zum Kaufbeurer Stadtrat hat die CSU fünf ihrer bisher 20 Sitze verloren. Alle anderen Gruppierungen profitierten gleichermaßen und konnten jeweils einen Sitz dazu gewinnen. Die Stimmung bei den Wahlpartys war entsprechend. Neben der Freude bei den Neueinsteigern gab es insbesondere auch enttäuschte Gesichter bei Ralf Nahm (SPD) und Joachim Joanni (CSU), die als amtierende Stadträte mit einer Wiederwahl gerechnet hatten. Somit sind im zukünftigen Stadtrat zehn neue Mitglieder vertreten. Die Wahlbeteiligung lag mit 46,10 Prozent noch 1,7 Prozent unter dem Ergebnis von 2008. 

Wahlsieger sind die Freien Wähler (FW), die gegenüber 2008 um rund 40 Prozent zulegten. Doch es fanden sich zur Wahlparty nur wenige Teilnehmer ein. Vorstandsmitglied Wolfgang Müller äußerte sich positiv. „Wir sind mit dem Ergebnis zufrieden. Mehr wäre schön gewesen, aber schließlich mussten wir mit dem Ausscheiden von Katharina Wiedemann und Christa Becker-Hansen zwei Schwergewichte ersetzen“, so Müller, „und das ist uns mit drei neuen Kandidaten gelungen.“ 

Bei den Grünen herrschte „helle Freude“. Fraktionssprecher Wolfgang Hawel sagte: „Wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis und die Mühe hat sich gelohnt. Ich habe den Karren von hinten angeschoben und junge Leute sind nachgerückt.“ Marita Knauer als frisch Gewählte zeigte sich „total begeistert“. Oliver Schill drückte seine Freude so aus: „Ich freue mich darauf, Verantwortung übernehmen und für die Bürgerinnen und Bürger arbeiten zu können.“ Mit acht Stimmen Vorsprung setzte sich Susanne Eckl als dritte Frau vor Rolf Köhler im nunmehr vierköpfigen Team der Grünen um Ulrike Seifert als amtierender Stadträtin durch. 

Eine tolle Stimmung gab es auch bei der Party derKI, zu der sich über 60 Teilnehmer eingefunden hatten. „Natürlich wäre mehr schöner gewesen, aber wir sind absolut zufrieden“, sagte Fraktionssprecher und 3. Bürgermeister Ernst Holy. Er sehe das Wahlergebnis als Chance, Profil zu beweisen. Die KI habe keinen Landes- oder Bundesverband über sich. „Wir entscheiden nur für die Stadt Kaufbeuren“, so Holy, der komplett mit der alten Mannschaft und verstärkt um Robert Klauer im neuen Stadtrat vertreten ist. 

SPD und FDP feierten gemeinsam. 

Der ehemalige Baureferent Ralf Baur (SPD) wurde um 29 Plätze auf den zweiten Platz vorgewählt. „Für den großen Zuspruch bin ich den Wählerinnen und Wählern natürlich dankbar. Das hätte ich mir in dieser Größenordnung nicht träumen lassen. Ich hoffe, dass sich das Ergebnis mit mehr Farbe im Stadtrat künftig auch auf die Arbeit auswirkt, jetzt wo die CSU keine absolute Mehrheit mehr hat.“ Er wünsche sich mehr Miteinander im Gespräch und dass der Kompromiss, wie in einer Demokratie üblich, gesucht werde. 

Angelika Zajicek (FDP) zeigte sich enttäuscht, dass es nicht gelungen sei, mehr junge Leute zum Wahlgang zu bewegen. „Wir hatten doch in der FDP wie in allen anderen Parteien auch viele junge Gesichter, die sich zur Wahl gestellt haben“. Nach ihren Worten hätte es gut getan, mehr dieser jungen Leute in den Stadtrat zu bekommen, denn diese „haben ganz andere Ideen und Impulse“. 

Verlierer CSU 

Eindeutiger Verlierer der Wahl ist die CSU. Das sieht auch OB Stefan Bosse so und warnt vor den Folgen: „Ich bin enttäuscht und es tut mit Leid für das Team und dafür, was es hier geleistet hat. Das Ergebnis schwächt meine Position und es ist kein Vorteil für die Stadt, wenn der OB keine eigene Mehrheit hat“. Man müsse dies aber zur Kenntnis nehmen, obwohl die CSU mit der Mehrheit verantwortungsbewusst umgegangen sei. Eine Ursache sei wohl die Abwahl von Baureferent Ralf Baur gewesen, obwohl es seinerzeit eine geheime Wahl gewesen sei. Und hinsichtlich des „Forettle“ werde den Bürgern weisgemacht, dass es Alternativen gebe. MdB Stephan Stracke zeigte sich ebenfalls enttäuscht: „Wir haben verloren. Es ist uns trotz großem Engagement leider nicht gelungen, die fünf nicht mehr zur Wahl stehenden, noch amtierenden Stadträte aus den eigenen Reihen zu ersetzen.“ 

Einziges neues Mitglied der CSU im Stadtrat nach dem Ausscheiden von Joachim Joanni ist Gertrud Gellings: „Ich bin total stolz, dass ich es als Neuling geschafft habe.von Wolfgang Becker


Vorläufiges Endergebnis: 

CSU Stimmen: 182.095

Stefan Bosse (13.893)

Gerhard Bucher (12.744)

Stephan Stracke (7.922)

Dr. Erika Rössler (7.040)

Johannes Böckler (7.023)

Ernst Schönhaar (6.607)

Helmut Folter (6.521)

Walter Nocker (5.566)

Dr. Thomas Jahn (5.458)

Ulrich Wiedemann (5.332)

Sylwia Pohl (5.276)

Gerhard Limmer (5.183)

Christian Sobl (5.120)

Erwin Hardwig (4.815)

Gertrud Gellings (4.395) 

Da Stefan Bosse gleichzeitig zum OB gewählt wurde, wird er die Wahl als Stadtrat nicht annehmen. Listennachrücker bei der CSU ist Otto Richard Zobel. 

Freie Wähler Stimmen: 89.596 

Bernhard Pohl (12.769) 

Ottmar Maier (4.241) 

Walter Folter (4.081) 

Volker Kollmeder (3.832) 

Richard Drexl (3.795) Karl Eichinger (3.418) 

Dr. Ulrike Höhne-Wachter (3.108)

KI Stimmen: 72.325

Ernst Holy (9.822)

Werner Stumpe (4.779)

Alexius Batzer (4.585)

Hans Häußer (4.283)

Angelika Lausser (3.920)

Robert Klauer (3.554)

SPD Stimmen: 67.962 

Catrin Riedl (6.934) 

Ralf Baur (4.710) 

Martina Wischhöfer (3.725) 

Helga Ilgenfritz (3.654) 

Dr. Maria-Elisabeth Angst (3.327)

Grüne Stimmen: 49.307 

Ulrike Seifert (5.224) 

Oliver Schill (3.224) 

Marita Knauer (2.397) 

Susanne Eckl (1.791)

FDP Stimmen: 42.538

Johannes Espermüller (10.932) 

Angelika Zajicek (5.359) 

Kathrin Zajicek (4.481)

Wahlbeteiligung: 46,10 Prozent 

Stimmberechtigte: 32.525 

Wähler: 14.994 

Ungültige Stimmen: 390 

Gültige Stimmen: 503.823

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