Ergebnis der Landratswahl im Ostallgäu macht Stichwahl zwischen Fleschhut und Zinnecker am 30. März nötig

Der Kampf ist noch nicht entschieden

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Trotz innerer Anspannung zeigten sich Johann Fleschhut (FW) und Maria Rita Zinnecker betont partnerschaftlich.

Marktoberdorf/Landkreis – Mit der Auswertung des Stimmergebnisses zur Landratswahl hat die Spannung nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Es wird eine Stichwahl geben zwischen dem amtierenden Landrat von den Freien Wählern Johann Fleschhut und Herausforderin Maria Rita Zinnecker von der CSU. Bis zum 30. März können die Wähler sich noch einmal ganz genau überlegen, wen sie zukünftig als Chef – oder Chefin – im Landratsamt sehen wollen.

Die Landratswahl im Ostallgäu hat für eine Überraschung gesorgt. Amtsinhaber Johann Fleschhut (FW) wird nicht als Favorit, sondern als Verfolger in die Stichwahl mit Herausforderin Maria Rita Zinnecker (CSU) gehen. Fleschhut erreichte 37,1 Prozent, während Zinnecker mit 40,3 Prozent der Stimmen im Ostallgäu siegte. In der Tat sei sie „positiv überrascht“ vom Wahlergebnis, sagte die CSU-Landratskandidatin am Wahlabend. Sie freue sich über die Resonanz, die ihr Wahlkampf quer durchs Land erfahren habe. 

CSU-Landtagsabgeordnete Angelika Schorer machte Wechselstimmung für das gute Ergebnis verantwortlich. Johann Fleschhut dagegen gab zu, sich mehr Stimmen erhofft zu haben. Er führte es auf die Krankenhausproblematik zurück, dass sein Ergebnis rund 20 Prozent unter dem Wahlergebnis vom Jahr 2008 (56,7 Prozent im ersten Wahlgang) lag. Fleschhut nannte es erstaunlich, warum gerade derjenige abgestraft würde, der immer aktiv an Lösungen für Marktoberdorf und Obergünzburg gearbeitet habe. Erst im Februar hatte er ein Nachnutzungskonzept für das Marktoberdorfer Krankenhaus vorgelegt. 

Tatsächlich haben sich gerade in den von der Krankenhausschließung betroffenen Städten Marktoberdorf und Obergünzburg viele Wähler gegen den amtierenden Landrat entschieden. In Marktoberdorf erhielt Fleschhut rund 15 Prozent gegenüber 51 Prozent der Stimmen, die für Zinnecker ausgezählt wurden. Auch in Obergünzburg blieb er mit rund 25 Prozent weit hinter Zinnecker mit über 50 Prozent zurück. Im Norden wie im Süden des Landkreises hatte dagegen meist Fleschhut die Nase vorn. Enttäuschend für den Landrat allerdings: In Buchloe, wo Fleschhut über 60 Prozent der Wähler hinter sich hatte, war die Wahlbeteiligung besonders gering. Sie lag bei gerade einmal 46 Prozent, so dass die Buchloer Stimmen landkreisweit wenig ins Gewicht fielen. Auch in Füssen, wo die Wahlbeteiligung ähnlich gering war, lag Fleschhut vor Zinnecker. 

Die verbleibenden 14 Tage bis zur Stichwahl am 30. März wollen beide Kandidaten nutzen, mit den Bürgern erneut ins Gespräch zu kommen. Fleschhuts Amtsinhaberbonus ist zwar aufgebraucht, dennoch sieht er sich in einer guten Position, um den Abstand zur CSU-Herausforderin aufzuholen. „Ich rechne mir gute Chancen aus“, meinte der 57- Jährige, der nun seit zwölf Jahren dem Landkreis Ostallgäu vorsteht. Auch Herausforderin Zinnecker möchte den Rückenwind mitnehmen und ihre Kampagne fortführen. „Die erste Etappe ist geschafft“, meinte die Unterallgäuerin. Bereits knapp eine Stunde nach Schließung der Wahllokale hatte sich der Trend zugunsten Maria Rita Zinneckers abgezeichnet. Nach nur sechs ausgezählten Stimmbezirken – 221 sind es im gesamten Ostallgäu – lag die CSU-Frau vorne. Eine halbe Stunde später, nach der Auszählung in 72 Stimmbezirken, hatte Fleschhut aufgeholt und beide lagen gleichauf. Auch danach blieb es spannend. Als rund die Hälfte der Stimmbezirke ausgezählt waren, wendete sich das Blatt zu Maria Rita Zinnecker hin und so stand gegen 21.30 Uhr, nach Auszählung aller 221 Stimmbezirke, folgendes Ergebnis fest: 40,3 Prozent (25.425 Stimmen) für die Herausforderin der CSU und 37,1 Prozent (23.418 Stimmen) für den Amtsinhaber Fleschhut (FW). von Angelika Hirschberg

Grünen-Kandidat Hubert Endhardt: "Bin zufrieden"

Gut gelaunt beobachtete Landratskandidat Hubert Endhardt (Grüne) am Wahlabend im Landratsamt, wie sich mit dem Eintreffen der Einzelergebnisse aus den Wahlbezirken das Endergebnis der Landratswahl festzurrte. Für ihn stand schnell klar, mit 14,2 Prozent der Stimmen würde der Kreisrat aus Rieden mit dem Endergebnis nichts mehr zu tun haben. 

Nur in seinen kühnsten Träumen habe er überhaupt damit gerechnet, in die Stichwahl einzuziehen, sagte der Kandidat lächelnd. Dennoch halte er das gut zweistellige Ergebnis im bayernweiten Vergleich für beachtlich. Parteikollegen wie Clara Knestel, Rudolf Sprich und Christian Vavra gratulierten dem Grünen-Politiker. „Ich danke den Wählern, die sich einen grünen Landrat vorstellen wollten“, sagte Endhart im Landratsamt. In einigen Gemeinden und Städten lag Endhardt sogar vor Amtsinhaber Johann Fleschhut. In Marktoberdorf erhielt der grüne Landratskandidat etwa 20,6 Prozent der Stimmen. Endhardt hofft nun, erneut in den Kreistag einzuziehen, um seine politische Arbeit fortführen zu können. „Ich mache mit großer Begeisterung Kreispolitik“, meinte der 62-Jährige. Dieses Mal sei es aber endgültig das letzte Mal gewesen, dass er als Landratskandidat zur Wahl gestanden habe. Endhardt hatte bereits zum vierten Mal als Landrat für das Ostallgäu kandidiert. von Angelika Hirschberg

SPD-Kandidatin Ilona Deckwerth: "Bin enttäuscht"

Die Zehn-Prozent-Marke zu knacken, darauf hoffte SPD-Kandidatin Ilona Deckwerth, als sich abzeichnete, dass für sie wohl nur der vierte Platz übrig bleiben würde. „Meine Wahlkreise kommen erst noch“, gab sie sich gegen 20 Uhr selbstbewusst, denn sie hoffte auf Stimmen aus den städtischen Bezirken, die stets etwas später fertig ausgezählt seien. Doch auch diese Hoffnung wurde enttäuscht. 19 Prozent erreichte sie in ihrer Füssener Heimat, knapp 13,5 in Marktoberdorf, doch in der nördlichsten Stadt im Kreis, in Buchloe, kam sie gerade auf etwas über sechs Prozent. 

Mit 8,45 Prozent im gesamten Wahlkreis landete sie abgeschlagen auf dem letzten Rang. Ihre Hoffnungen lagen sodann auf der Kreistags- wahl, die Fraktion von sechs auf acht oder neun Kreisräte aufstocken sei das Ziel. Sie kündigte an, die SPD werde sich am Mittwoch für einen der Stichwahlkandidaten aussprechen: „Wir werden eine klare Richtung ausgeben. Wer unsere Ziele unterstützt, den unterstützen wir“. von Peter Schuster

Sitzverteilung im Kreistag 

Das vorläufige Ergebnis zur Sitzverteilung im Ostallgäuer Kreistag lautet wie folgt: 

CSU (26 Sitze), Freie Wähler OAL (11), Grüne (7), SPD (6), Bayernpartei (5), Junges Ostallgäu (2), ÖDP (2), FDP (1). 

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