Weibliches Gipfeltreffen am Auerberg

"Brückenbauerin" notwendig

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Fester Händedruck auf dem Auerberg: Die Landrätinnen Andrea Jochner-Weiß (links) und Rita Zinnecker.

Ostallgäu/Kaufbeuren – „Die Herausforderungen bleiben die gleichen“. Doch die Herangehensweise sei eine andere. Notwendig sei eine „Brückenbauerin“. Das betont Ostallgäus Landrätin Rita Zinnecker im Interview mit demKreisboten.

Anlass für das Gespräch: Sie ist seit Mai 2014 im Amt – was genauso auf ihre Kollegin und „Nachbarin“ Andrea Jochner-Weiß aus dem Landkreis Weilheim-Schongau gilt. Mit ihr hat sie sich nun auf dem Auerberg getroffen. Beide Damen haben zunächst mit einem Glas Sekt auf das Einjährige angestoßen – und dann unsere Fragen beantwortet. 

Wie hat sich Ihr Leben mit der neuen Aufgabe verändert? 

Zinnecker: „In meinen vorherigen beruflichen Tätigkeiten war ich bereits engagiert unterwegs, jetzt ist es noch mehr und intensiver – vor allem bezüglich Themen und Zeit. Der Aufwand ist größer und die Palette breiter.” 

Jochner-Weiß: „Mein Leben hat sich restlos verändert.” 

Wie häufig sind Sie abends und an Wochenenden unterwegs? 

Zinnecker: „Regelmäßig.” 

Jochner-Weiß: „Gefühlt immer! Mit viel Glück schaffe ich es, ein- bis zweimal in der Woche um 20 Uhr nach Hause zu kommen.” 

Wie schaffen Sie Freiräume für sich und die Familie? 

Zinnecker: „Durch konsequente Planung – anders keine Chance!” 

Jochner-Weiß: „Mein großer Vorsatz: Ein freies Wochenende im Monat.” 

Welche Aufgaben delegieren Sie an die Stellvertreter? 

Zinnecker: „Bei der Terminfülle und Einladungsflut sind zahlreiche Termine gleichzeitig. Ziel ist es, den Landkreis möglichst breit und gut zu vertreten!” 

Jochner-Weiß: „In erster Linie die Termine, die ich aus zeitlichen Gründen nicht selbst wahrnehmen kann.” 

Was machen Sie jetzt anders als vor einem Jahr, als Sie ganz neu im Amt waren? 

Zinnecker: „Vor einem Jahr war Vieles neu; jetzt habe ich in vielen Bereichen mehr Routine. Ich versuche mein Zeitmanagement immer besser zu gestalten.”

Jochner-Weiß: „Ich gehe mit mehr Routine und mehr Selbstvertrauen an die Aufgaben heran, kann Aufgaben besser delegieren und kann vielleicht auch besser abschätzen, was wichtig und weniger wichtig ist.” 

Das Thema Asylbewerber steht ganz oben auf der Agenda – wie sehr nimmt es Sie und die Mitarbeiter im Landratsamt in Anspruch? 

Zinnecker: „Das Thema Asyl ist angesichts der globalen Situation zweifellos eines der drängendsten dieser Tage, und es wird uns sicher noch eine längere Zeit beschäftigen. Ich kann Ihnen aber versichern, dass es auch noch zahlreiche andere Themen gibt, die wir als Landkreis bearbeiten.” 

Jochner-Weiß: „Das Thema Asylbewerber beherrscht uns voll und ganz.” 

Welche politischen Schwerpunkte setzen Sie im nächsten Jahr? 

Zinnecker: „Stichwörter für die politischen Schwerpunkte sind: die Herausforderung Asyl, die Kreisentwicklung über das Leader-Programm, Tourismusprojekte, die Bildungsregion Ostallgäu, Infrastruktur für Straße, Breitband, Schiene sowie die Konsolidierung des Gesundheitsstandortes Ostallgäu, insbesondere Krankenhäuser, und Inklusion.” 

Sie haben beide in der Stichwahl gegen den bisherigen Amtsinhaber gewonnen – wie hat sich das anfangs auf die Landkreis-Politik ausgewirkt? 

Zinnecker: „Es ist ein anderer Stil – die Herausforderungen bleiben die gleichen. Die Herangehensweise ist eine andere. Notwendig ist eine Brückenbauerin.” 

Jochner-Weiß: „Dazu will ich nur sagen: Neue Besen kehren nicht unbedingt besser, aber anders.” 

Wie (intensiv) ist der Kontakt zum Vorgänger? 

Zinnecker: „Es gab am Anfang Kontakt, als mein Vorgänger mit mir eine Art Übergabe gemacht hat. Aber inzwischen habe ich keinen Kontakt mehr zu Herrn Fleschhut.” 

Wie reagieren eigentlich die Männer im Amt beziehungsweise im Kreistag darauf, dass jetzt eine Frau an der Spitze des Landkreises steht; wie ist Ihre Einschätzung? 

Zinnecker: „Die Aufgabe steht im Mittelpunkt – nicht das Geschlecht. Ich bin es aus früheren beruflichen Tätigkeiten in Männerdomänen gewohnt.” 

Jochner-Weiß: „Ich denke, für einige war es bestimmt sehr gewöhnungsbedürftig, aber vom Gefühl her passt es ganz gut.” 

Weilheim-Schongau gehört zu Oberbayern, das Ostallgäu zu Schwaben: Wie oft haben Sie beide sich schon getroffen, beziehungsweise miteinander gesprochen, wo gibt es Berührungspunkte? 

Zinnecker: „Wir sehen uns häufig bei überregionalen Terminen, zum Beispiel beim Landkreistag. Berührungspunkte sind die Leader-Region, überregionales Engagement und Einladungen. Jedenfalls freue ich mich jedes Mal; der Austausch ist intensiv.” 

Was geht Ihnen durch den Kopf, wenn Sie auf dem Auerberg sind? 

Zinnecker: „Wie wunderbar und einmalig schön unsere Region doch ist!” 

Wenn Frau Jochner-Weiß mal einen Ausflug ins Ostallgäu unternimmt, dann sollte sie auf jeden Fall… 

Zinnecker: „…zum Wankerfleck wandern, einem der malerischsten Orte im Ostallgäu in der Nähe von Lechbruck. Dort kann meine Kollegin den Geiselstein, das Matterhorn des Allgäus, bestaunen, einen tiefen Zug guter Ostallgäuer Luft nehmen und einfach nur den Augenblick genießen.” 

Wenn Frau Zinnecker mal einen Ausflug nach Weilheim-Schongau unternimmt, dann sollte sie auf jeden Fall… 

Jochner-Weiß: „ …zu mir nach Hause kommen, damit wir völlig unbeobachtet genug Zeit zum Austauschen und Fachsimpeln haben!”

Vielen Dank für das Gespräch!

J. Jais

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