Brauchtumsforscher Willy Lang

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Schirmherrschaftsministerin Emilia Müller und und der frischgebackene Volkstumspreisträger Willi Lang

Kaufbeuren - Ein eher stiller und zurückhaltender Vertreter der Sudetendeutschen Kultur ist Willy Lang, der 2015 in Augsburg den Sudetendeutschen Volkstumspreis erhielt und heuer seinen 90. Geburtstag feiern konnte. Der aus Radl gebürtige Neugablonzer kam nach Krieg, Lazarett und Vertreibung 1948 nach Kaufbeuren. 

Von Anfang an hat er als Glasschleifer und -drücker am Wiederaufbau der Gablonzer Glas- und Schmuckindustrie mitgearbeitet. Er hat sich außerdem als langjähriger, ehrenamtlicher Mitarbeiter beim Gablonzer Archiv und Museum e.V. vor allem auf Krippengeschichte spezialisiert und hier ein umfangreiches, überregional anerkanntes Wissen erworben. 1988 gründete er die Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Krippenfreunde und fungierte bis 1994 als deren Vorsitzender. 

Auch um den Aufbau der übrigen Sammlungen im Isergebirgs-Museum Neugablonz hat sich Lang verdient gemacht und sich unter anderem in das Fachgebiet der Kirchentradition „Heilige Gräber“ eingearbeitet. Dies sind Altäre mit hinterleuchteten Glassteinen aus Gablonz. Einer dieser von Willi Lang in Schwaben entdeckten Altäre ziert mittlerweile als Herzstück den religiösen Bereich des Isergebirgsmuseums. Im Themenbereich „Gesellschaftliches Leben“ verdankt das Museum dem, so Dr. Martin Posselt in seiner Laudatio zum Kulturpreis, "Sammelgenie Lang" ebenfalls einzigartige Ausstellungsstücke, wie den Siegerschlitten der ersten Europameisterschaft im Rodeln, die 1914 auf der Jeschken-Rodelbahn in Reichenberg stattfand. 

Eher gesellschaftlicher denn kultureller Natur sind die Verdienste um die „Saskaler Armee“, deren Geschicke Willy Lang 40 Jahre als „Hauptmann“ gelenkt hatte. Lang, der nach dem Krieg 1954 die 1912 ½ gegründete Saskaler Armee mit beträchtlichem Einsatz wiederbelebt hatte, kann stolz darauf sein, dass diese dank ihm verschworene Gemeinschaft keine Nachwuchssorgen hat: Heute ist teilweise bereits die dritte Generation in der Armee aktiv, welche in der respektlosen „Vrhounepiepelung“ (Verspottung) von Militarismus eine prägnante Facette sudetendeutscher Mentalität wiederspiegelt und so ebenfalls der Bewahrung der Identität dient.

von Ingrid Zasche

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