Baureferatsleiter Ralf Baur soll als Moderator in Sachen Fliegerhorst gehalten werden

Ex-OB übt Kritik an der Stadtspitze

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Die Pläne sehen vor, dass die Bundeswehr 2017 aus Kaufbeuren abgezogen wird.

Kaufbeuren – "Völlig unverständlich" – mit diesen zwei Worten lässt sich nach Ansicht des ehemaligen Kaufbeurer Oberbürgermeisters Andreas Knie (Amtszeit 1992 - 2004) das Vorgehen der Stadtspitze im Hinblick auf die Abwahl Ralf Baurs als Leiter des Baureferates beschreiben. Im Kreisbote äußert er harsche Kritik.

Kürzlich fiel der Startschuss zum Architektenwettbewerb „Europan 12“ in Berlin (wir berichteten). Von dem Wettbewerb erhofft sich die Stadt wichtige Impulse hinsichtlich dessen, wie man den Fliegerhorst nach Abzug der Bundeswehr städtebaulich ertüchtigen kann. Treibende Kraft bei dem Wettbewerb ist Baureferatsleiter Ralf Baur. Dieser wird jedoch das Projekt nicht begleiten können, da er im September seinen Stuhl im Rathaus räumen muss – der Stadtrat hat Mitte Februar mit 21:19 Stimmen Helge Carl zum neuen Baureferatsleiter gewählt. Jetzt schaltet sich Kaufbeurens Ex-Oberbürgermeister Andreas Knie (Freie Wähler, 1992 bis 2004 im Amt) öffentlich in die Diskussion ein und bezeichnet die Abwahl Baurs als Vorgang, der „völlig unverständlich“ sei. 

Knie regte in einem Redaktionsgespräch mit demKreisboten an, mit Blick auf die Entwicklung des Fliegerhorstes einen „funktionsfähige Steuerungsgruppe“ ins Leben zu rufen, die seiner Meinung nach Baur leiten solle. Ferner müssten vor allem die Bürger aller Altersstufen in die Erarbeitung von Lösungen mit eingebunden werden. 

Vor der Entscheidung des Verteidigungsministers zur Schließung des Fliegerhorstes habe laut Knie die politische Spitze der Stadt (OB und Stadtrat) im Gegensatz zu anderen Städten nichts unternommen, dies zu verhindern. „Man hat vor sich hin geträumt und ist dann plötzlich, aber viel zu spät erwacht“, resümierte Knie. Die Schließung der TSLw 1 sei eine bittere Tatsache. Nun gehe es darum, alle kreativen Kräfte in der Stadt zu bündeln, „um zukunftsfähige Planungen für dieses freie Areal zu entwickeln“. Wie der Ex-OB betonte, sei schon 1972 bei der Gebietsreform Kaufbeuren im Vergleich zu Memmingen stark benachteiligt worden. „Jetzt haben wir mit dem Fliegerhorstareal wider Willen die Chance, eine große Fläche in bester Lage und mit Anbindung an die Altstadt für die Zukunft zu entwickeln“, betonte Knie. Den Blick in die Zukunft gerichtet, werde dieser Prozess mehrere Jahre dauern. Knie rechnet mit einem komplexes Verfahren unter Beteiligung interner und externer Akteure, das auch Geld kosten wird: „Wir werden die Zukunft nicht umsonst bekommen. Wir sollten eine funktionsfähige Steuerungsgruppe ins Leben rufen, die meiner Meinung nach Ralf Baur leiten sollte“, betonte Knie. Mittels eines Werkvertrages könne Baur aus seiner Sicht diese Aufgabe übernehmen. „Wir zahlen viel Geld für Gutachter und Experten von außerhalb. Warum nicht auch für einen exzellenten Kenner und Fachmann wie Ralf Baur?“, regte Knie an. 

Darüber hinaus müsse man die Bürger wieder für die Stadt begeistern. „Viele wenden sich resigniert ab von der Politik, weil sie sich nicht mehr ernst genommen fühlen. Deshalb ist es wichtig, Bürger aller Altersstufen in die Erarbeitung von Lösungen einzubinden. Auch jungen Menschen sollten wir die Möglichkeit geben, ihre eigene Zukunft mit zu planen“, erklärte der Ex-OB. So könnten beispielsweise Schulen mit Zukunftswerkstätten eine wichtige Rolle spielen. „Wir müssen das enorme kreative Potenzial schöpfen, das in den Men- schen unserer Stadt steckt. Es ist deutlich größer als das Potenzial des Stadtrates“, so Knies Fazit. Für ihn spiele der noch amtierende Baureferatsleiter Baur hier eine ganz wesentliche Rolle: „Er kennt seine Stadt, er kennt die bisherige Entwicklung, er kennt alle Akteure, die wir für diesen Prozess brauchen, und er ist ein hochkompetenter, anerkannter und erfahrener Fachmann. Seine Initiative Europan zeigt deutlich, dass er für Kaufbeuren und das Fliegerhorstgelände nach den besten Lösungen sucht und deshalb auch die Ideen guter Planer einfordert“. Ein neuer Referatsleiter werde zwei bis drei Jahre brauchen, sich in diese Aufgabe einzuarbeiten. Deshalb sollte man diesen Sonderweg mit Baur gehen, so Knie. 

"Ich sehe keinen vernünftigen Grund" 

Der Ausgang der Wahl zum neuen Baureferatsleiter stößt Knie sauer auf: „Es gibt für mich und viele Bürger keinen einzigen sachlichen oder fachlichen Grund, warum 21 Stadträte einen der besten und erfahrensten Baureferenten, den es in Bayern gibt, nicht mehr wiederwählen. Nach meinen Erkenntnissen hat die CSU-Fraktion persönliche Eigeninteressen vor das Gemeinwohl der Stadt gestellt. Herr Baur war unbequem, weil er eine eigene Position hatte und nicht ‘führbar’ war für die CSU. Er ließ sich nicht vereinnahmen. Und das ist gut so“. „Bemerkenswert ist auch“, so Knie, „dass sich der Oberbürgermeister bei dieser Abstimmung über einen der wichtigsten Referatsleiter der Stadt der Stimme enthielt!? Ein OB, der bei so einer wichtigen Personalentscheidung keine eigene Meinung hat! Stimmenthaltung ist nach der Kommu- nalordnung nicht zulässig!“, so Knie. Für ihn sei es völlig unverständlich, dass mündige und fähige Stadträte sich „so unter Druck setzen ließen und ohne Grund solch eine Entscheidung getroffen haben“. Mit Blick auf den neuen Baureferatsleiter Helge Carl werde dieser, wie jeder „Neue“, viel Zeit brauchen, sich in diese komplexe Aufgabe des Baureferatsleiters einzuarbeiten. „Man muss ihm dazu sicherlich zwei bis drei Jahre Zeit geben. Es ist nur die Frage, ob unsere Stadt in der derzeitigen Situation mit diesen großen Zukunftsprojekten so viel Zeit hat. Deshalb halte ich es für so wichtig, Ralf Baur für das Fliegerhorstprojekt zu halten“, erklärte Knie abschließend. 

OB Bosse zeigt sich verwundert 

OB Stefan Bosse zeigte sich auf Nachfrage über Knies Äußerung, er habe sich bei der Wahl des neuen Baureferatsleiters der Stimme enthalten, sehr verwundert: „Das ist Unrecht!“ Er, Bosse, habe sich bereits im Vorfeld positioniert, als es darum ging, ob man den Posten überhaupt neu ausschreiben solle. Hier habe er dagegen gestimmt, „weil ich keinen Bedarf gesehen habe“. Die eigentliche Wahl sei dann geheim gewesen: „Woher bitte will Herr Knie wissen, wie ich gestimmt habe?“ Mit Blick auf die von Knie ins Spiel gebrachte funktionsfähige Lenkungsgruppe unter der Leitung von Ralf Baur erklärte Bosse, dass man hier im Moment keinen Bedarf sehe. Man habe diesbezüglich Dr. Hans-Peter Dürsch vom gleichnamigen Institut für Stadtentwicklung mit dieser Thematik beauftragt.

Aktuell laufen vorbereitende Untersuchungen für eine mögliche Erschließung des Fliegerhorst-Areals nach Abzug der Bundeswehr. Zu einem späteren Zeitpunkt solle dann auch die Öffentlichkeit mit einbezogen werden. Hier fungiere Dr. Dürsch auch als Moderator. Darüber hinaus glaubt Bosse, dass Baurs Nachfolger, Helge Carl, sehr wohl der Herausforderung gewachsen sei. Denn der Übergang werde vom noch amtierenden Baureferatsleiter sowie dem Stadtplaner Manfred Pfefferle gut vorbereitet. „Pfefferle bringt hier bei der Übergabe ein Kontinuität mit rein“, erklärte Bosse. Der amtierende Baureferatsleiter Baur kann sich indes eine Zusammenarbeit mit der Stadt im Hinblick auf den Fliegerhorst vorstellen: „Warum nicht? Der Wettbewerb Europan liegt mir sehr am Herzen. Die Jury und die weitere Begleitung der Ergebnisse wäre sicher eine spannende Aufgabe.“ von KAI LORENZ

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