Märchenhaftes Musical

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Sultanin zu Aladins Mutter: „Dein Sohn muss ein sehr reicher Mann sein, wenn er solche Juwelen verschenken kann.“

Kaufbeuren – Ein so gut wie ausverkauftes Haus, Klatschen, Johlen und Standing Ovations – was kann sich ein Theatermacher mehr wünschen? So geschehen beim Musical „Aladin“, mit dem die Kulturwerkstatt kürzlich in der Schauburg Premiere feierte.

26 junge Kaufbeurer verwandeln unter der Regie von Simone Dopfer und Thomas Garmatsch die Schauburgbühne mit bunten Tüchern und Teppichen einfach, aber effektiv in einen orientalischen Basar und nach der Pause in einen Palast aus 1001 Nacht. Mit von der Partie sind ganz selbstverständlich auch ein paar echte Orientalen: Der Syrer Mehiar Abo Zeed trägt mit seiner Oud (eine orientalische Kurzhalslaute) zum akustischen Orient-Feeling bei.

Und kurz vor der Premiere, als schon alle Flyer gedruckt waren, hatte sich der Eritreer „Meikel“ (seinen richtigen Namen konnte keiner aussprechen, geschweige denn schreiben) gemeldet und wollte mitspielen. Bei der Kulturwerkstatt geht sowas. Meikel wurde kurzerhand noch als zweiter Gongträger auf der Suche nach dem Kamel „Kurti“eingesetzt.

Kurti (eine von „Sultan“ Ludwig Kloiber geführte Handpuppe) kann sprechen und avancierte mit seinen Kommentaren bald zum Publikumsliebling. Das ist aber nicht der einzige reizende Gag, den sich die Regisseure für die altbekannte Geschichte eines Aufstiegs vom armen Handwerkersohn zum Prinzgemahl haben einfallen lassen. Immer wieder reißen überraschende Wendungen oder moderne Verfremdungseffekte das Publikum zu stürmischem Gelächter und Szenenapplaus hin.

So werden zum Beispiel beim fliegenden Teppich Gong und Schlegel zu Lenkrad und Schaltknüppel, oder Aladins Mutter (herrlich mit Fistelstimme Maxi Hentschel) liest ihrem nichtsnutzigen, verträumten Sohn (Elias Nocker) regelmäßig per Handy die Leviten, während der durch sein Abenteuer tapst und außer seiner Prinzessin gar nichts so richtig mitzukriegen scheint.

Tim Häring als böser Zauberer und Florian Krader als intriganter Wesir agieren hübsch perfide. „Muezzin“ Tobias Würfel begeistert mit seiner wunderbaren Stimme und Prinzessin Samira (Theresa Grödl) bezaubert nicht nur Aladin. Nina Stadler liefert mit ihrer keifenden, gierigen „Sultanine“ ein kleines Kabinettstückchen ab und last but not least, sorgt Jonathan Posselt als völlig durchgeknallter Geist mit glitzernder Plastikfrisur immer wieder für Lachsalven und glucksende Erheiterung.

Alle übrigen Mitspieler fungieren gemeinschaftlich abwechselnd als Erzähler, als anmutige Bauchtanzgruppe, Schleier- und Fächertänzerinnen und geben als Chor tanzend und singend alles zum Besten, was in der Popmusik auch nur entfernt Assoziationen an 1001 Nacht weckt.

Die 26 jugendlichen Akteure, davon sieben Musiker, liefern eine geschlossene und runde Ensembleleistung ab und zeigen darüber hinaus fast akrobatisches Geschick, indem sie mit schlafwandlerischer Sicherheit im stufigen Bühnenbild herumturnen.

Passende Musik und Beleuchtung tun das ihrige, um das Stück – auch wenn es für Kinder ab sechs Jahren konzipiert ist – für die ganze Familie, auch für Erwachsene sehenswert zu machen. Lassen Sie sich also für zwei amüsante Stunden in die Welt von 1001 Nacht entführen, Sie werden es nicht bereuen!

von Ingrid Zasche

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