Weihnachten auf Schwedisch

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Pippi (Emily Simpson) erklärt der Drogistin (Ulrike Häring): „Klar habe ich Sommersprossen – aber ich leide nicht daran!“

Kaufbeuren – Wer kennt sie nicht, diese „Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminz Efraimstochter Langstrumpf“, von ihren Freunden Annika und Tommy kurz „Pippi“ gerufen. Das kecke neunjährige Mädchen mit zu zwei abstehenden Zöpfen geflochtenen roten Haaren und Sommersprossen lebt ganz allein in ihrer Villa Kunterbunt. Sie besitzt ein Pferd und einen Affen, ist ungeheuer stark und mutig und verfügt über genügend Gold, um zu tun und zu lassen, was sie will.

Daher geht sie natürlich auch nicht in die Schule. Um „die Zeit bis Weihnachten zu verkürzen“, brachte die Kulturwerkstatt unter der Regie von Nadja Ostertag und Gabi Striegel jetzt nach rund einjähriger Vorbereitung das Stück „Pippi plündert den Weihnachtsbaum“ nach Astrid Lindgren auf die Bühne. Vergangenen Samstag feierte der „Spaß für die ganze Familie“ vor ausverkauftem Haus Premiere. In dem Stück möchte Pippi Weihnachten nicht allein verbringen und lädt mit dem Plakat „Pippi plüntert ten Veinaktspaum – zieht wame Gleider an“ alle Kinder zum Christbaumplündern ein. 

Mit ihren Freunden Annika und Tommy zieht sie durch die Stadt, um für die Party einzukaufen: vier Liter „Medusin gegen alles oder zum Möbelpolieren“ in der Apotheke, 18 Kilogramm gemischte Bonbons im Süßigkeitenladen und den Arm einer Schaufensterpuppe, „weil man nie weiß, wann man einen dritten Arm braucht“. In der Drogerie stellt Pippi klar, dass sie zwar jede Menge Sommersprossen hat, aber keineswegs daran leidet. Und schließlich tadelt sie Annika altklug „Eine wirklich feine Dame popelt nur in der Nase, wenn sie allein ist. Du, Du, Du!“ 

Sie ist unverschämt und philosophisch, verrückt und großzügig. Überall wandelt sie mit Goldstücken anfängliche Ablehnung in dienstbeflissene Freundlichkeit um. Als der ruppige Landstreicher Laban die von ihm verzehrten Würstchen schuldig bleiben will, ringt ihn Pippi mit ihren außergewöhnlichen Kräften nieder, schenkt ihm dann jedoch ebenfalls ein Goldstück, damit er die Würstelfrau bezahlen kann. Pippi wird von der zehnjährigen Emily Simpson verkörpert. Allein schon durch den Umfang der Rolle, die fast alle anderen Mitspieler zu bloßen Stichwortgebern reduziert, zeigt Emily eine großartige Leistung, darüber hinaus spielt sie aber auch noch erfrischend natürlich und glaubwürdig. 

Die Helden sind bei Astrid Lindgren immer die Kinder, hier außer Pippi ihre Freunde Annika (Annika Burkhard) und Tommy (Magnus Walter). In kleineren Sprechrollen sind Inga (Maja Ostertag), Pelle (Jakob Neuhaus), Ela (Carlotta Hirschberger), Lorena (Taliah Walther), Lamina (Marina Hiller), Elli (Emma Merz), Charly (Paul Riedle) und Peter (Laurin Schindele) zu sehen und weitere zehn Kinder verstärken fröhlich den Chor. Marina Hiller, die im 1. Akt Lamina spielt, leiht nach der Pause dem Plüschhund Perk jaulend und fiepend ihre Stimme. 

Die drei mitspielenden Erwachsenen treten in jeweils drei Rollen auf: Timo Merkes als Immobilieneinkäufer, Apotheker, und würstchenverzehrender Landstreicher Laban, Ulrike Häring als Boutique-Verkäuferin, Drogistin und Würstelfrau und Traudl Pfefferle als kinderhassende Frau Finkvist, eitle Boutiquekundin und servile Bonbonladenbesitzerin. Da Erwachsene bei Astrid Lindgren meistens eher schlecht wegkommen, werden auch diese als intolerant, gierig, opportunistisch oder gar betrügerisch dargestellt. 

Eine besondere Erwähnung verdient diesmal das raffinierte Bühnenbild von Thomas Garmatsch: ein großer Würfel in der Bühnenmitte mit ausklappbaren Ladentheken dient – je nachdem welche Seite nach vorn zeigt – als Drogerie Linde, als Apotheke, als Modeboutique oder als Bonbonladen. Nach der Pause beherrschte Pippis mindestens vier Meter hoher Weihnachtsbaum die Bühne, um den Pippis Freunde zu frech umgedichteten Weihnachtsliedern herumtanzen. 

Mit Lachsalven, mit Szenenapplaus sowie Klatschen, Trampeln, Johlen und Standing Ovations am Schluss machte das große und kleine Premierenpublikum deutlich, dass das Stück tatsächlich ein Spaß für die ganze Familie einschließlich der Erwachsenen ist.

von Ingrid Zasche


Weitere Auführungstermine:

26. November, 17 Uhr

27. November, 17 Uhr

2. Dezember, 19.30 Uhr

3. Dezember, 17 Uhr

4. Dezember, 17 Uhr

10. Dezember, 17 Uhr

11. Dezember, 17 Uhr

Tickets im Foyer des Stadtmuseum Kaufbeuren, an der Abendkasse der Kulturwerkstatt oder online über Reservix


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