Große Veranstaltung am Samstag in der Kaufbeurer Innenstadt

"Flagge zeigen"

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Charlie Ibhagbe (v. li.), Lucky Jerry und Denis Amaizemem trommelten am Neptunbrunnen für die Passanten.

Kaufbeuren – Das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ hatte es möglich gemacht: Am vergangenen Samstag bereicherten dutzende Infostände, ein Flohmarkt, eine nigerianische Trommlergruppe und eine Showbühne das Leben in der Kaufbeurer Innenstadt.

Die Veranstaltung unter dem Motto „Flagge zeigen für Toleranz und Vielfalt“ wurde von Koordinierungszentrum Kaufbeuren-aktiv organisiert. Es beteiligten sich viele örtliche Vereine und Organisationen. 

Theresa Eberle vom Koordinierungszentrum sagt dazu: „Wir wollten einfach so vielen Menschen wie möglich die Gelegenheit geben, öffentlichkeits- wirksam ein Zeichen für Toleranz und Respekt zu setzen. Gleichzeitig können wir im Rahmen der Interviews mit Irrtümern und Vorurteilen aufräumen, was das Asylverfahren und die Flüchtlingshilfe betrifft“. 

Schon seit Juli hatten die Verantwortlichen am Programm gefeilt. Die Akteure, darunter bekannte Gruppen wie Artistica Anam Cara, Jazz-Musiker Tiny Schmauch oder die russische Folklore-Formation Roter Sarafan, traten ohne Gage auf. Alfred Riermeier, Jugendreferatsleiter und Mitverantwortlicher bei Kaufbeuren-aktiv, freute sich, dass „wir zeigen können, wie viele Leute vor Ort sich für eine tolerante und offene Gesellschaft einsetzen“. 

Die Moderation übernahm Claus Tenambergen. Auch Asylbewerber selbst beteiligten sich, so wurden die Passanten gleich am Neptunbrunnen, am Eingang zur Altstadt, mit nigerianischen Trommelklängen begrüßt. Charlie Ibhagbe (23), Lucky Jerry (21) und Denis Amaizemem (20) stammen alle aus Nigeria. In dem westafrikanischen Land gibt es bekanntlich immer wieder blutige Konflikte zwischen dem mehrheitlich muslimischen Norden und dem eher christlich geprägten Süden, dazu kommen soziale Ungerechtigkeiten und Korruption. 

Sie seien auf der Suche nach einem besseren Leben hierhergekommen, sagen die drei jungen Männer. Im Moment lernen sie Deutsch und leben in einer Neugablonzer Flüchtlingsunterkunft. „Arbeiten“, das ist ihr großes Ziel für ein Leben in Deutschland. Die Resonanz der Einheimischen hätten sie bislang als positiv erlebt, betonten sie – und kamen auch gleich mit einigen Passanten ins Gespräch. 

Unter anderem Günter Kamleiter und Michael Rösch vom Arbeitskreis Asyl erklärten derweil auf der Hauptbühne detailliert, wie genau mit den ankommenden Flüchtlingen verfahren wird, welche Sprachkurse und Arbeitsmöglichkeiten es gibt, warum die Flüchtlinge eine große Chance für unsere Gesellschaft sein können und wie sich das ehrenamtliche Engagement in Kaufbeuren – zum Beispiel in der „Teestube“ für Asylbewerber im JuZe – gestaltet. 

Aus dem Stadtteil Neugablonz, der seit seiner Entstehung als Vertriebenensiedlung nach dem 2. Weltkrieg und der Ansiedlung vieler Russlanddeutscher in den vergangenen Jahrzehnten auf eine besondere Integrationskultur zurückblickt, waren auch Künstler gekommen. Vor allem bei der Darbietung der Kindergruppe des „Roten Sarafan“, Vivere Saltare, gab es begeisterten Applaus. 

Besucher Franz Heid resümierte: „Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen, vor allem dass die Leute sich Zeit genommen haben und miteinander ins Gespräch gekommen sind. Gemeinschaft ist wichtig – wir sind selbst 1992 als Aussiedler hier angekommen und sind mittlerweile bei der Vereinsarbeit stark engagiert“.

von Michaela Frisch

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