150 Jahre Spaß und Frohsinn

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Die sieben Gründungsvorstände (davon drei Brauereibesitzer). Damals nahm man den Spaß offenbar ziemlich ernst...

Kaufbeuren – Am 9. Januar 2016 wollen sie es im Stadtsaal „krachen lassen“, wie Vizepräsident Heinz Spöcker bereits beim Buronia-Ball 2015 angekündigt hatte, denn dann feiert die Karnevalssgesellschaft Kunstreiter e. V. Kaufbeuren ihr 150-jähriges Jubiläum.

Für passende Gala-Tanzmusik wurde die Barney-Jackson-Band verpflichtet und es werden die Garden der „Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval“ – der einzigen fliegenden Karnevalsgesellschaft – auftreten. Natürlich sind für den Gala-Ball auch noch ein paar weitere Glanzlichter und Überraschungen geplant, aber die sollen jetzt noch nicht verraten werden. Wie es sich für Kaufbeurens einzigen traditionellen Schwarz-Weiß-Ball gehört, ist festliche Abendgarderobe erbeten.

Früher habe es, so Spöcker, auch grandiose Kostümbälle gegeben, zuletzt 1983 mit dem Motto „Zirkus“. Als da jedoch nur noch circa 50 Gäste gekommen waren, habe sich der Riesenaufwand nicht länger gelohnt. Am 11. Januar 1899 fand erstmals ein Ball im Stadtsaal statt, der nur elf Tage zuvor eingeweiht worden war. Bis dahin waren der Goldene Hirsch, die Gaisburg, der Stachus oder das Stadttheater Veranstaltungsorte.

Für die Mitglieder gibt es das ganze Jahr über gesellschaftliche Veranstaltungen wie Tanzabende oder Ausflüge. Eine zusätzliche Bereicherung des Vereinslebens ist seit über 20 Jahren das Tänzelfest-Lagerleben. Von Anfang an haben die Kunstreiter mit dem Schwedenlager teilgenommen und sind bereits zweimal als schönstes Lager ausgezeichnet worden. Die Kooperation mit Aufbruch-Umbruch bei der Burongaudi hat jetzt auch den Karnevalsbetrieb neu belebt. Ein großer Teil der Vereinsgeschichte ist in dem von Peter Wahl gestifteten, in feinstes Schweinsleder gebundenen und mit Metallbeschlägen verzierten „Protokollbuch“ nachzulesen.

Als die Kunstreiter 1866 als Nachfolger der Schellenkäppler ins Leben gerufen wurden, zählte die freie Reichsstadt Kaufbeuren noch keine 5 000 Einwohner und es gab weder elektrisches Licht noch Autos, nur Pferde. „Zweck der Kunstreiter ist, durch alljährlich abzuhaltende Faschingsfeste als Aufführung von Kunstproduktionen etc. sich selbst sowie dem Publikum Unterhaltung zu verschaffen“, heißt Paragraph eins der Satzung.

Das haben sie bis auf wenige Ausnahmen durchgehalten. Trocken verzeichnet die Liste der Veranstaltungen, dass es 1868 wegen der Schrader-Morde, 1871 wegen des Kriegs mit Frankreich, 1913 wegen des Börsenkrachs und von 1915 bis 1919 wegen des ersten Weltkriegs keine Aufführungen gegeben habe. Und da die Aktivitäten während der Nazizeit seit 1939 von „Kraft durch Freude“ veranstaltet wurden, hat von 1939 bis 1947 das Vereinsleben ebenfalls geruht. So spiegelt die Chronik nicht nur Vereins- und Stadtgeschichte wider, sondern Weltgeschichte.

Aus den 47 Gründungsmitgliedern sind inzwischen rund 150 geworden, davon etwa 30 Frauen. Aber eigentlich sind es fast doppelt so viele, da es sich meist um Paarmitgliedschaften handelt.

Die Mitglieder dürfen bereits ab 7. Dezember bei „S&K- die Reiseinsel“ Karten für den Galaball erwerben. Der freie Verkauf beginnt am 9. Dezember. Mit ihrem närrischen Gruß „Kunstreiter ... Hüüh-hott!“ freuen sich die Kaufbeurer Kunstreiter auf viele Besucher.

von Ingrid Zasche

Infos:

Der Buronia-Jubiäums-Gala-Ball findet am Samstag, 9. Januar 2016, im Stadtsaal Kaufbeuren statt.

Beginn: 20 Uhr, Saaleinlaß ab 19 Uhr.

Kartenvorverkauf: für Mitglieder ab 7. Dezember, der freie Verkauf startet ab 9. Dezember 2015, jeweils bei „S&K – die Reiseinsel“, Hafenmarkt 9.

Tischreservierungen nur durch Kartenkauf. Gekaufte Karten können nicht mehr zurückgenommen werden.

Eintrittspreise: Saal: Mitglieder 25 Euro, Gäste 35 Euro Galerie: Mitglieder 15 Euro, Gäste 25 Euro

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