Rednerin Schwester Teresa bewegt die Herzen und setzt ein Zeichen des Miteinanders beim Landfrauentag mit Landrat Fleschhut und Herausforderin Zin ...

"Von der Herzlichkeit mitgerissen"

Marktoberdorf - Man könnte es als kleine Sensation, als unvermuteten Waffenstillstand im harten Kommunalwahlkampf bezeichnen, was ein Landfrauentag drei Tage vor der Wahl am 16. März im Ostallgäu bewirkt hat: Landrat Johann Fleschhut und seine politische Widersacherin Maria Rita Zinnecker einträchtig verbunden. 

Von der Herzlichkeit der geladenen Rednerin Schwester Teresa mitgerissen, umarmten sich beim Landfrauentag nicht nur die zwei politischen Gegner Johann Fleschhut (FW) und Maria-Rita Zinnecker (CSU), 250 Gäste des diesjährigen Landfrauentags lagen sich buchstäblich in den Armen. Emotional und humorvoll begeisterte die Vortragende, Schwester Teresa Zukic von der kleinen Kommunität der Geschwister Jesu, ihre Zuhörer. In ihrer Rede über den befreienden Umgang von Fehlern setzte sie mal augenzwinkernd, mal tiefsinnig auf Vergebung, Großzügigkeit und Nächstenliebe. „Der Tag ist so kurz, auf was wollen wir warten?“, fragte die Nonne, stieg vom Podium und umarmte kurzerhand eine der Zuhörerinnen. Die Geste schwappte spontan aufs Publikum über.  

Mit ihren Worten erreichte Schwester Teresa die Herzen der Landfrauen und ihrer prominenten Gästeschar, unter ihnen eben auch Landrat Johann Fleschhut, seine Herausforderin Maria Rita Zinnecker, Bürgermeister Werner Himmer, Landtagsabgeordnete Angelika Schorer sowie Bürgermeisterkandidatin Brigitte Schröder. Der diesjährige Landfrauentag fand am vergangenen Donnerstag, drei Tage vor der Kommunalwahl, im Modeon in Marktoberdorf statt.

Kreisbäuerin Gabi Paulsteiner hatte in Schwester Teresa einen theologischen Wirbelsturm angekündigt, der alte Strukturen durcheinanderwirbele. Standing Ovations erhielt die Schwester von einer Landfrauenschaft, die sich gleichermaßen alles andere als konservativ gab. Gabi Paulsteiner wies in ihren Begrüßungsworten denn auch auf ein Umdenken der traditionsbewussten Landwirtschaft hin. Allgäuer Bauern stünden moderner Technik aufgeschlossen gegenüber. „Moderne Technik bedeutet auch für uns einen Zuwachs an Lebensqualität bis ins Alter“, sagte die Kreisbäuerin aus Rückholz. 

Sorgen bereite der Landwirtin allerdings immer noch der Kampf um einen fairen Preis. „Aldi setzt lieber auf Coco-Cola als für Milch fair zu bezahlen.“ Und Paulsteiner richtete ihren Appell auch an die Politik, sie solle Familienbetriebe und Nebenerwerbslandwirte nur mit dem Nötigsten an gesetzlichen Auflagen belasten. Anni Fries, Bezirksbäuerin des Verbands Schwaben, knüpfte an die Worte ihrer Vorrednerin an: „Landwirte schaffen Heimat und schlagen die Brücke zur Zukunft.“ Sie plädierte gemeinsam mit den Landfrauen im Bayerischen Bauernverband für die Wiedereinführung des Schulfachs Hauswirtschaft unter dem Titel „Alltagskompetenzen und Lebensökonomie“ in den Klassen 1 bis 10. 

Das Kultusministerium favorisiert dagegen einen fächerübergreifenden Einsatz. Über 90.000 Unterschriften hatten die Landfrauen für ihre Initiative gesammelt und dem Minister vorgelegt. Was aber an diesem Vormittag bei den Landfrauen des Ostallgäus tatsächlich begeisterte, war wohl Schwester Teresa. Auch ihr schien es in Marktoberdorf beim Landfrauentag gut gefallen zu haben. Sie postete noch am selben Tag auf Facebook: „Was für eine Begeisterung in Marktoberdorf. Standing Ovation, sogar der Landrat sprang auf. Viele Herzen bewegt. Danke für diese herrliche Einladung.“ von Angelika Hirschberg

Rubriklistenbild: © Hirschberg

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